17.04.08
Der Papst und das Weiße Haus
Welch eine Symbolik: der Papst, selbst ernannter Repräsentant des Christentums, feierte seinen Geburtstag mit und bei George W. Bush Jr. Die Bilder, die wir sehen, zeigen uns seine Verbundenheit mit dem Weißen Haus, die zur Schau gestellte Freundschaft und die Umarmungen sagen uns: Rom und Washington stehen zusammen, Evangelikalismus und Katholizismus sind Brüder.
Und hören wir Kritik vom Papst, erinnert er an die 600000 Toten im Irak? An einen Teil von ihnen, ja, denn er zeigt sich besorgt über die Lage der Christen dort. Und sonst? Irgendwelche Vorwürfe an die amerikanische Politik? Ja, lieber George, sagt Benedikt, Du sollst nicht lügen, steht in den zehn Geboten, kennst du doch! Wieso er dabei das fünfte Gebot vernachlässigt und wieso er sich so gern in Gesellschaft von Mördern aufhält, leuchtet mir aber nicht ein.
Bei diesem Papst kann man sich schon zurücksehnen nach seinem Vorgänger, den man zu Lebzeiten wegen seiner mittelalterlichen Moralvorstellungen oft verfluchte (ich war recht naiv, als ich dachte, dass es nach seinem Tod ja nicht schlimmer kommen könnte). Ich werde nie vergessen, als er bei einem Gebet oder einer Rede, den Krieg im Irak verurteilte und den aufbrausenden Jubel der zum Teil deutschen Zuhörerschaft mit einem germanischen “Genau!” erwiderte.
So was passiert heute nicht mehr. Vielmehr haben wir einen Papst, der die zentrale Figur des Islams als gedankenlos beleidigt und somit die gesamte islamische Welt gegen sich aufbringt. Jemanden der Symbole wählt, die den Muslimen suggerieren, dass die westliche Welt und die Kreuzritter eins sind. Diese Politik der Gegensätzlichkeit kann nicht zufällig sein, dazu ist Benedikt zu rational. Die Folge dieser Politik ist Zwietracht.
Ob der Papst sich der Konsequenzen wirklich bewusst ist? Will er wirklich der christlichen Welt einen so hässlichen Gegner heraufbeschwören? Oder hat er eine Sehnsucht nach der letzten apokalyptischen Schlacht und verbindet ihn gerade dies mit den Brandstiftern bei den Evangelikalen? Für die Welt wärs wohl besser, er würde seinen nächsten Geburtstag auf der anderen Seite des Jordan verbringen…
Verfasst von Gastblogger_Karol am 17.04.08 17:23
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Ist nicht, nach dem katholischen Verständnis, der Papst der Stellvertreter Christi auf Erden und somit - nach diesem Verständnis - auch der Repräsentant des Christentums? Sogesehen ist er alles andere als selbsternannt, zumal er ja auch von einem Konzil gewählt wurde.
Und heißt es wirklich “George W. Bush Jr.” oder läßt man besser wahlweise das “W.” oder das “Jr.” weg.
Egal. Kleinigkeiten.
Aber hast Du wirklich geglaubt, dass mit “Pappa Razzi” alles besser wird? Mit jemandem, der als Vorsitzende der Glaubenskongregation (welche, soweit ich weiß, in etwa die Nachfolgerin der heiligen Inquisition ist) maßgeblich für den konservativen Kurs von Johannes Paul II. verantwortlich zeichnete?
Ganz schön blauäugig, wenn ich das mal vorsichtig ausdrücken darf ;)
Ach… und… by the way…
Wer beßt schon die Hand, die einen füttert. Würde uns Josef… sorry, Benedikt es sich mit dem Amerikanern und ihrem extrem gläubigen ;) Präsidenten verscherzen, müsste er u. U. damit rechnen, einen herben Einnahmeverlust hinzunehmen. So aber kann er die Spendenbereitschaft der Amerikaner vielleicht sogar noch anfeuern. Die katholische Kirche ist eben auch nur ein Wirtschaftsbetrieb.
Posted by: Thomas am 21.04.08 15:09ich hab nicht geglaubt, dass es mit Ratzinger besser wird. Was ich damit sagen wollte, war dass ich gehofft hab, dass die Konklave Jemanden wählt, der nicht so abgeht wie JPII.
Posted by: Karol am 21.04.08 17:02Also ich muss auch sagen: dieser deutsche Papst leistet sich einen Schnitzer nach dem Anderen.
Wenn ich der Papst wäre, würde ich aber auch nach Amerika gehen. Da ist dieser Gott schließlich noch echt was wert… Nicht wie im “Ja, Gott…schon klar, aber…” - Europa.
@Thomas…ob der Haushalt des Vatikan an die amerikanische Spendenbereitschaft gebunden ist, möchte ich stark bezweifeln.
Posted by: michael am 21.04.08 23:18