04.04.08

SPD Kanzlerfrage

Lustige Dinge liest man dieser Tage immer wieder. Etwa, dass die Kanzlerdebatte in der SPD kein Ende finde würde. Wie auch, wenn man alle fünf Minuten von den Medien danach gefragt wird? Wie auch, wenn man so weit davon entfernt ist, eine vernünftige Antwort geben zu können?

Das Beck bis spätestens Ende Sommer als Kanzlerkandidat ausscheiden würde, habe ich schon Anfang Januar prognostiziert. Bin ich auch gleich froh darüber, dass ich dabei bleiben kann.

Aber was wird bloß aus der armen alten Tante SPD werden? Frei nach dem Motto “Wir suchen einen Kandidaten, keinen Kanzler” lässt sich schwerlich jemand finden. Für so etwas gibt es wenig Willige. Es ist im im übrigen auch die grundfalsche Einstellung.

Natürlich kann man Beck in der Gewissheit nehmen, dass man verlieren wird. Auch Steinmeier, den man allemal schwer als Wahlkämpfer vorstellen kann. Letzterer würde vielleicht den einen oder anderen Prozentpunkt mehr erzielen können.

Aber seien wir ehrlich. Wenn man so an den nächsten Wahlkampf herangeht und darauf hofft, dass man sich in die Verlängerung der Großen Koalition retten kann, dann betreibt man seinen eigenen politischen Tod auf Raten.

Selbst wenn man mal annimmt, dass CDU/FDP an einer absoluten Mehrheit der Sitze knapp vorbeischrammen, ist damit noch nicht gesagt, dass es keine ganz beträchtliche prozentuale Verschiebung der Stimmen innerhalb der oft beschworenen “strukturellen linken Mehrheit” gibt. Und als erheblich kleinerer Koalitionspartner der CDU in die Verlängerung zu gehen, bietet in Zeiten des bedingten Aufschwungs wenig Aussicht auf Erholung.

Kurzum: die SPD wird es sich nicht leisten können, mit Beck oder Steinmeier einen allgemein anerkannten Verlierer ins Rennen zu schicken. Sie kann nur jemanden aufstellen, der völlig glaubwürdig den unbedingten, wahnwitzigen Plan verfolgt zu siegen. Wie Schröder also 2005.

Wie so was geht, wird der SPD als nächstes Oskar Lafontaine im Saarland vormachen. Den Ministerpräsidenten wird die Linke dort zwar zwar nicht stellen. Aber Oskar wird niemals auch nur den geringsten Zweifel daran aufkommen lassen, dass das möglich ist.

Aber wer soll das für die SPD denn bitte leisten? Gesucht wird jemand, für den es eine unerwartete und völlig einmalige Chance ist, die er unter normalen Umständen niemals erhalten hätte. Gesucht wird jemand, der schreien und bis zum letzten Tropfen Blut kämpfen kann. Und natürlich jemand, der wirklich daran glaubt. Also Frontschweine vor, bitte (das Antonym zu Frontschwein ist laut Wikipedia übrigens Etappensau. Wieder was gelernt).

Verfasst von Michael am 04.04.08 12:55
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Kommentare

Die angelsächsischen Medien kommentieren übrigens auch schon mit Blick auf die NATO-Debatte um einen deutschen Einsatz in Südafghanistan, dass die Kanzlerin in Ihrem Handlungsspielraum eingeschränkt sei, da ja in Deutschalnd bald nationale Wahlen anstehen. Hört, hört! Die haben den Beginn des Wahlkampfes offenbar früher bemerkt als “unsere” Medien und Angie schon mal vorsorglich zur “lame duck” erklärt…

Posted by: Stefan am 04.04.08 19:08

Wie wär's denn mit Struck als Alternative? Könnte mir vorstellen, dass sein eher ruhiger Stil als Pol in einem Wahlkampf wirken könnte, und bissig kann er ja auch. Zu blöd, dass alle mit gegenseitigem Anschreien beschäftigt sind.

Posted by: Schatten am 05.04.08 16:39

Das hilft alles nichts, solange die Frage, wie man es mit der PDS hält, nicht beantwortet ist.

Posted by: Oliver am 22.04.08 20:31

Und das ist letztlich auch nur eine oberflächliche Frage für die SPD, deren Beantwortung nicht reichen wird.

Sie wird vor allem inhaltlich an Profil gewinnen müssen, was in der großen Koalition allemal schwer sein wird.

Warum sollte man auch eine Partei wählen wollen, die sich selbst in keinster Weise entscheiden kann, für welche Politiken sie künftig einstehen möchte - insbesondere was die Konzeption der sozialen Marktwirtschaft angeht.


Posted by: michael am 23.04.08 09:01
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