17.02.08

Steuerhinterziehung

Fünf Millionen war dem deutschen Staat die Datenbank der Lichtensteiner LLB also wert. Wie wir heute lernen dürfen war der Bank ein Ausschnitt der Daten, mit denen sie scheinbar erpresst wurde, bereits etwa doppelt so viel wert. Fünf Millionen scheinen also weder besonders viel noch besonders wenig für eine solche Datensammlung zu sein.

Dass der Staat willig ist, geklaute Bankdaten aufzukaufen, dürfte eine gute Nachricht für arbeitslose IT-Experten und Hacker aller Kontinente Länder sein. Im Gegensatz zur restriktiven Gesetzgebung in den USA ist es in den meisten Ländern wurscht egal wie Beweismittel erbracht werden. Die damit einhergehende Aussage ist natürlich allgemeiner zu begreifen: Staaten sind für interessante Datensätze durchaus bereit, tief in die Tasche zu greifen.

Nehmen wir als Beispiel das für 2009 anstehende zentrale Melderegister: Verwandtschaftsbeziehungen, Religionszugehörigkeit, frühere und aktueller Wohnsitz samt Ein- und Auszugsdaten, Bildungsgrad und besondere Fähigkeiten im Umgang mit Waffen und Sprengstoffen. 80 Millionen Datensätze passen bequem auf eine DVD-Rom. Ein Narr, wer glaubt, dass es für solch einen Datensatz keine Interessenten gäbe.

Bei dem anzunehmenden Marktpreis wäre die Altersvorsorge gesichert. Ein paar Jahre Bau wären zur Not dank eines herausragenden Jahreseinkommen zu verkraften. Damit wird es völlig lächerlich zu glauben, dass ein Staat solcherlei Datensätz effektiv schützen kann. Für jeden einzelnen, schlecht bezahlten Zugriffsberechtigten aus Bürokratie und IT-Support bestehen hohe individuelle Anreizstrukturen zum Datenklau.

Themenwechsel. Zurück zur Steuerhinterziehung. Dem Zumwinkel haben sie es jetzt richtig dick eingeschenkt. Der Mann darf als Vorzeige Asso-Manager herhalten und wird selbst vom BDI symbolisch geächtet.

Aberhunderte wohlhabende Deutsche sollen mit Hilfe der LLB Steuern hinterzogen haben und auch hier fällt etwas auf. Vielleicht erinnert sich noch jemand daran, dass es vor ein paar Wochen eine bundesweit koordinierte Razzia gegen Cannabis-Züchter gab. Eine durchaus beeindruckende Aktion von Staatsanwälten und Polizei.

Da der LLB-Datensatz nun einmal vorliegt und längst analysiert werden konnte, verwundert es nun ein wenig, dass von hochgradig koordinierten Aktionen nichts zu sehen ist. Im Gegenteil: Demonstrativ wird der wohl medienträchtigste Steuersünder aus seiner Villa heraus abgeführt. Wenig später wird bekannt (gegeben), um welche konkrete Bank es sich handelt und aus welchem Jahr der ersteigerte Datensatz stammt. Staatsanwälte in ganz Deutschland sollen jetzt die Ermittlungen aufnehmen.

Da hätten sich die Cannabis-Züchter aber gefreut, wenn die Polizei einen Züchter hochgenommen und die Medien kundgetan hätten, welcher Kundendatensatz von Polizei und Staatsanwälten in den kommenden Wochen näher untersucht wird. Wahrscheinlich hätte die Polizei viel weniger Hanf-Pflanzen sichergestellt.

Entsprechend können wir wohl davon ausgehen, dass sich zur Zeit viele LLB-Kunden mit ihren Anwälten und Steuerberatern unterhalten. Über ein Head-Set. Während sie zu Hause aufräumen. Dass es sich ebenso verhält und nicht wie bei den Cannabis-Züchtern ist freilich ganz natürlich. Aber darüber kann sich jeder selbst Gedanken machen.

Verfasst von Michael am 17.02.08 10:17
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Kommentare

Richtig: LGT

Posted by: michael am 17.02.08 11:40

War auch mein erster Gedanke. Um so seltsamer finde ich, dass nach sechs Tagen Kommentaren und Analysen, immer noch kein journalistischer oder politischer Kommentator darauf hingewiesen hat.
Danke KK!

Posted by: Marcel am 19.02.08 16:19

Meine Vermutung ist und bleibt ja, dass da in Wahrheit nur total wenich Daten drinne waren in dem sein Datensatz. Und jetzt machen die Cops nen bisschen einen auf dicke Hose und hoffen, dass sich möglichst viele Sünder stellen werden.

Posted by: Philip am 19.02.08 20:01

Das ist eine ziemlich elegante Vermutung, aber die “Razzien” finden nun doch langsam statt. Man hat dann auch nicht 4,8 Millionen bezahlt, sondern nur 7,90 Euro und wartet mal ab, was als nächstes passiert. Lach. Ich fürchte, so clever ist der Staat einfach nicht.

Im übrigen: Beim bayrischen Datenschutzbeauftragten war die Staatsanwaltschaft also zu Gast. Das passt natürlich irgendwie wie die Faust aufs Auge.

Posted by: michael am 20.02.08 14:03
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