28.10.07

Tempolimit?

Da bringt der SPD-Parteitag doch glatt einen Anreiz hervor, bei den nächsten Wahlen auf eine rot-grüne Koalition zu setzen. Ich kann gar nicht genug klar machen, wie super ich ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen fände.

Da muss man nur mal nach Holland oder Österreich fahren und selbst erleben, wie unglaublich stressfrei so ein gleichmäßig dahinfließender Verkehr ohne Drängler, Raser und Lichthupler ist.

Nach vier Stunden auf deutscher Autobahn ist man vom Stresslevel her normalerweise an der Grenze zum Wahnsinn. In Österreich und Holland wünscht man sich schlimmstenfalls die anderen deutschen Autofahrer weg. Mithin ärgert man sich nach vier Stunden stressfreier Fahrt am meisten darüber, dass man das Land jetzt vollständig durchquert hat und sich bald wieder auf deutsche Autobahnen begeben muss. Ich für meinen Teil weile regelmäßig in Österreich. Und jedesmal ist mir der Grenzübertritt ein Greul, weil ich mich plötzlich im - politisches Glatteis - totalem Krieg der deutschen Autobahnen wiederfinden muss.

Da muss man mir gar nicht mit den hübschen Vorteilen für die Umwelt kommen, damit ich solch ein Vorhaben ganz toll finden kann. Wer schneller sein will, soll dann halt Bahn fahren. Und das liberale bis christdemokratisch vertretende Argument der Freiheitseinschränkung, der “freien Fahrt für freie Bürger”, lief schon immer ins Leere. Willkürfreiheit wird in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens schließlich auch nicht geduldet.

Verfasst von Michael am 28.10.07 11:00
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Kommentare

Da ist sie, die uninformierte Debatte, die ganz im Zeichen von ADAC und Automobilindustrie steht. So spricht die Kanzlerin, mit der das mit dem Tempolimit nicht zu machen ist:

[E]in Stau [ist] „mindestens so klimaunfreundlich wie das schnelle Fahren“ und pladiert für “modere Verkehrsleitsysteme”, was immer das auch im Detail bedeuten mag…

Da sollte man vielleicht nachlesen und folgendes wissen:

Die Hauptursache für Stau ist unregelmäßiges Fahren. Weil jeder so schnell fährt, wie er gerne möchte, kommt es zu hohen Geschwindigkeitsdifferenzen, nicht-antizipierbaren, plötzlichen Bremsmanövern. Jedes Auto in der Schlange muss ein wenig stärker bremsen, bis schließlich ein Auto stehen bleibt. Die Hauptursache des Staus ist also mithin gar keine direkt erkennbare Ursache.

Gewendet: eine einheitlich vorgeschriebe Geschwindigkeit vermeidet Stau. Der Verkehr fließt gleichmäßig dahin.

Stauforschung heisst im übrigen “Ochlokinetik”.

Posted by: michael am 29.10.07 14:23

Ich find's super: Die SPD ist wieder links, vermasselt nebenbei die überstürzte Bahnprivatisierung und lenkt davon dank Tempo130 auch gleich wieder ein bisschen ab, um noch etwas länger im Gespräch - und in der Zeitung in allen Rupriken präsent - zu bleiben. Klasse Öffentlichkeitsarbeit.

Interessant find ich allerdings auch, wie unaufgeregt der Vorschlag aufgenommen wird. Da wurde über Ökosteuer oder 5-Mark-der-Liter-Benzin aber lauter geschimpft.

Posted by: Marcel am 30.10.07 00:31

de facto gibt es auf vielen autobahnabschnitten ein tempolimit, sei es dauerhaft oder wegen baustellen und natürlich den “dauerstaus”.
Und wie arbeiten “modere Verkehrsleitsysteme”? sobald der Verkehr über das Niveau einer Kreisstraße hinausgeht gibt es auch ein Tempolimit, d.h. die Kanzlerin ist für ein temporäres Tempolimit ;-)

Posted by: bembelkandidat am 30.10.07 01:52

130% Zustimmung!
kann jemand den Begriff “Willkürfreiheit” näher erläutern?

Posted by: karol am 10.11.07 22:28

“Mein Masserati faehrt 210, schwups die Polizei hats nicht gesehen,
das macht Spass, ich geb Gas ich geb Gas…”

Finde ein Tempolimit auch OK, 130 ist aber ziemlich krass, schlage 180 vor.

Wer stressfrei im gleichmäßig dahinfließenden Verkehr ohne Drängler, Raser und Lichthupler sein will, soll dann halt Bahn fahren.

Posted by: Juan Moment am 01.12.07 00:47
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