11.05.07
Echte Männer sind sie, die Linksautonomen
Ja, das sind sie. Denn sie setzen sich gegen einen übermächtigen, ausgebildeten und bewaffneten Feind names Polizei zur Wehr. Und wenn man so einen Feind hat, dann muss man sich auch über die kleinen Erfolge des Widerstands freuen dürfen.
Super Beispiel: Arbeitet doch eine Freundin von mir queereingestiegenderweise für ebenjenen Feind und sollte zum besserem Verständnis der Situation vor Ort mal eine Demonstration der Linksautonomen Szene schützen. Also in einer Reihe mit den starken Männern der Bereitschaftspolizei gestanden - mit ihrer beeindruckenden Körpergröße von 1.57m. Zielstrebig rennt einer der Linksautonomen auf die Reihe zu, schaut nach links, schaut nach rechts, wählt sich den 1.57m-Scheinpolizisten aus und schreit ihr “Bullenschwein” ins Gesicht. Echte Männer sind sie nämlich, die Linksautonomen.
Und wie sie sich dann gestern, gegen die Durchsuchung ihrer Wohnungen zur Wehr gesetzt haben - beeindruckend. Ich meine, natürlich ist es gemein von der Polizei, ihre Rechner mit der geliebten 4,5 GB Suicidegirls.Com-Bildersammlung zu beschlagnahmen. Das schreit geradezu nach Widerstand. Und wenn der eine den anderen durchsucht, dann durchsucht der andere eben auch den einen. Da haben sich unsere linksautonomen Freunde also gleich auf die Socken ins nächste Internetcafe gemacht (Rechner samt Bildersammlung ist schließlich beschlagnahmt), sich ein “Alles was du zum Hacken brauchst”-Skript-Kit runtergeladen und ein kleines, privates Polizeiforum gehackt, gespiegelt und an alle Welt verteilt. Heute kann dann jeder nachlesen, dass “Hansi” per Privat-Message mit “Kati” flirtet und welcher Waffenholster so richtig gemütlich ist. Und natürlich, dass auch Polizisten ab und an mal ihren Frust ablassen wollen und privat vielleicht mal Dinge äußern, die nicht ganz öffentlichkeitsverträglich, z.B. latent ausländerfeindlich, sind. In vielen Fällen natürlich samt Realdaten und Arbeitsplätzen der dortigen Teilnehmer.
Und jetzt können sie ihren kleinen Erfolg des Widerstandes gern ein bisschen feiern. Dieses Forum war ungefähr 1,57m groß. Das habt sie wirklich ganz toll gemacht. Denn echte Männer sind sie, die Linksautonomen.
Verfasst von Michael am 11.05.07 10:07Technorati Tags: german-police.org | Polizeiforum | G8 | Linksautonome
Nachtrag: Und wenn ich dann sehe, wie es die gleichen Leute sind, die sonst immer (und zurecht) Datenschutz schreien, und jetzt fröhlich die Dateien quer im Netz verteilen. Da könnt' ich kotzen. Wirklich.
Posted by: michael am 11.05.07 10:56Sorry Michael, schön dass du dich ausgekotzt hast, aber der Artikel ist echt daneben.
Bei allem Machogehabe von Teilen der hippen BlackBlock-Straßenkämpfer, geht es eben nicht darum, ein “echter”, aufrechter, tapferer, ehrenhafter Mann zu sein….
Schlimm ist nicht, wenn ein Demonstrant eine Vertreterin der Schutzmacht Polizei (vor wem sollte denn eine linksautonome Demo eigentlich geschütz werden?) beleidigt; vielleicht pupertär aber nicht schlimm.
Schlimm ist vielmehr, wenn legitimer Protest und öffentlicher Widerspruch öffentlichkeitswirksam in die Terrorecke gerückt wird und somit die Repressionsinstrumente eingesetzt werden können, die in den letzten Jahren durchs Parlament gepeitscht wurden.
…und dass dann einige Leute, deren Rechner beschlagnahmt wurden, auf die Idee kommen, als Rache ein Polizeiforum zu hacken, find ich zwar nicht korrekt aber zumindest lustig.
Posted by: Marcel am 12.05.07 17:46Ach Marcel,
ich bin auch kein Freund von Unterbindungsgewahrsam und Mißbrauch staatlicher Gewalt. Das muss mich aber noch lange nicht zum Unterstützer solcher Leute machen.
“Solcher Leute”, Michael? Wo bleibt die Differenzierung? Warum so polemisch?
Bloß weil eine Freundin/ ein Freund Mitglied der ein oder anderen Akteursgruppen ist?
Was besseres als Polemik fällt mir dazu schlichtweg nicht ein. Die Verallgemeinerung dient einzig und allein der Zuspitzung. Und mit Freundschaften hat es auch herzlich wenig zu tun.
Mir fällt es sehr schwer (1) irgendetwas “lustiges” daran zu erkennen, die private Kommunikation anderer samt Namen und Arbeitsplatz zu veröffentlichen. Ich kann (2) nicht erkennen, inwiefern so etwas zielführend sein könnte. Und selbst, wenn man das mal annimmt, war die Aktion (3) nicht mal gegen den bösen “Staat” sondern gegen Privatpersonen gerichtet, die eben mehrheitlich für den Staat arbeiten.
Am ehesten fällt mir auf, dass in denkbar feiger Art und Weise das schwächstmögliche Ziel gewählt wurde. Und das widerum scheint mir ein allgemeineres Kennzeichen desjenigen Teils der linksautonomen Bewegung zu sein, der glaubt, man könne schon mal die Gesetze übertreten, um seine politische Position deutlich zu machen.
Und ich bin auch kein Freund von dieser angedeuteten Marcelschen Haltung, dass man selbst zwar niemals “Steine” schmeissen würde, aber man es okay findet, dass es andere Leute für einen tun. Der Staat soll schließlich wissen, dass es ein Gegenpotential gibt.
Sollen die Leute halt klagen, wenn sie der Auffassung sind, dass der Staat seine Kompetenzen überschritten hat. Das BVerwG ist ein sehr liberales Organ.
Posted by: michael am 14.05.07 11:05Auch wenn ich mich nicht unbedingt mit den Linken identifizieren kann, sehe ich für meine Person gewisse Einschnitte in die Menschenrechte/Grundrechte der “Beschuldigten”, da ich keine rechtfertigenden Grund für die Beschlagnahme der PC´s usw. sehen kann. Mit der IT plante man keine Straftaten, oder? Schlimm ist es einfach nur, dass die staatlichen Organe Ihre Macht in der Form missbrauchen. Schiesse sowas, aber was soll man machen. O.g. stellt nur eine persönliche Meinung dar. C.u. Peter
Posted by: Strafverteidiger München am 14.05.07 22:11Genau!
Linksautonome sind schließlich alle Nazi-Spießer!
Danke für diesen intelligenten und kritischen Artikel.
Posted by: Rosa am 15.05.07 21:26Seufz. Und dabei habe ich doch gar nichts gegen Linksautonome…
Posted by: michael am 16.05.07 10:59