01.12.06

Spruch der Woche


Zugegeben die Worte sind schon im Juni gefallen, aber erst jetzt – sozusagen pünktlich zur besinnlichen Vorweihnachtszeit – in den Medien bekannt geworden:

Man brauche Patriotismus, „um endlich vom Schuldkult runterzukommen“ – und damit „Deutschland nie wieder von Multikultischwuchteln in Berlin regiert wird“.

Diese Worte stammen vom sächsischen Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche, der sie im Sommer auf einer CDU-Veranstaltung äußerte. Der CDU-Mann Ludger Altenkamp, Staatsanwalt in Hoyerswerda, gab diese „erstklassigen NPD-Äußerungen“ nun wieder nachdem er selbst von seinen Parteiämtern zurückgetreten war, da er sich mit seiner Empörung innerparteilich im Stich gelassen fühlte.
Henry%20_Nitzsche_Wahlplakat.jpg Es waren nicht die ersten Verbalentgleisungen des CDU-Abgeordneten aus Kamenz. 2003 hatte er zum Missfallen seiner Partei fabuliert, „eher wird einem Moslem die Hand abfaulen, als dass er bei der Christlich-Demokratischen Union sein Kreuz auf den Wahlzettel macht.“ 2005 dann machte er mit seinem Wahlkampfslogan „Arbeit, Familie, Vaterland“ von sich reden, der Parole des französischen Nazi-Kollaborateurs Marschall Pétain, die auch von der NPD gern benutzt wird.
Auch wegen anderer Äußerungen ermittelte die Dresdner Staatsanwaltschaft schon wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen ihn. In einem Burschenschaftsvortrag schwadronierte er über den „letzten Ali aus der letzten Moschee“ und „parasitäre“ Flüchtlinge. Dennoch beließ es der sächsische CDU-Landesvorstand nun bei einer Rüge. Ein derartiges Fehlverhalten dürfe einfach nicht noch einmal vorkommen. Diese harte Reaktion hat bestimmt gesessen und wird den notorischen Rechtspopulisten mit Sicherheit zur Besserung vorantreiben.

Schon gratuliert die NPD und schickte Nitzsche einen Aufnahmeantrag während sich zunehmender Widerspruch bei der parlamentarischen Opposition regt, auch beim Koalitionspartner SPD.
Ob Nitzsche tatsächlich weiterhin unbehelligt davon kommt, wird sich zeigen. Bei seinem ehemaligen Parteifreund Martin Hohmann kam die Sensibilisierung gegenüber antisemitischen Äußerungen im öffentlichen Raum zum Tragen und er wurde schließlich aus Partei und Fraktion ausgeschlossen.

Nachtrag: Wie schwer sich die CDU-Führung im Umgang mit Rechtsaußen-Positionen tut, hatte Angela Merkel schon im Zusammenhang mit Nitzsches älteren Äußerungen offenbart, denen sie „politische Dummheit“ attestierte. Hinter seinen Aussagen stünde aber „kein Gedankenbild und kein inhaltliches Konstrukt, das mit der Demokratie in Deutschland nicht vereinbar ist, so wie das Herr Hohmann gemacht hat“. Da stellt sich die Frage, wieviel „politische Dummheit“ in der CDU erlaubt ist?

Verfasst von Stefan am 01.12.06 18:37
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Kommentare

Schön, dass ihr überhaupt noch zuckt, dachte schon ihr hättet euren Betrieb eingestellt…

Gruß

Claus

Posted by: claus wichmann am 04.12.06 00:10

Ich bin ja sehr für Demokratie… und ich bin auch dafür, dass wir uns von anderen, die wir Wählen in Parlamenten vertreten lassen… Ich bin ja im Prinzip auch dafür, dass die gewählten mich für 4 Jahre vertreten und ich dann neu wähle…

… aber ich bin auch dafür, dass es im Laufe der Wahlperiode Zeitpunkte geben muß, an denen man die Gewählten wegen festgestelltem Kompetenzmangel oder einfach wegen schlichter Dummheit wieder abwählen darf!

Posted by: Thomas am 08.12.06 13:19

Kaum habe ich's geschrieben…

http://www.netzeitung.de/deutschland/470883.html

Posted by: Thomas am 08.12.06 13:46

Die Aufgabe des Kreisvorsitzes - man kann es als ersten Schritt bezeichnen…
Derweil reizt der Angriff auf die “Multikultischwuchteln” zum stolzen Bekenntnis, von Blog-Ikone Johnny Häusler bis zu den Grünen auf ihrem - natürlich - Kölner Parteitag selbst.

Posted by: Stefan am 08.12.06 18:27

Jetzt tritt der Herr Nitzsche aus der CDU aus - sein Bundestagsmandat behält er. Vielen Dank, liebe Christdemokraten, dass Ihr diesem Rassisten den Weg ins Parlament geebnet habt - trotz bekannter Probleme im Vorfeld.

Posted by: lambach am 15.12.06 10:02

Ach, da haben unsere “Liberalen” mal wieder Probleme mit Leuten, die nicht dieselben Sprechblasen absondern wie sie selbst … knuddelig, die Süßen.

Wenn “Arbeit, Familie, Vaterland” eine “rechtsaußen” Position umschreibt, dann ist das hier eine Versammlung von radikalen Kommunisten. Alles eine Frage des Koordinatensystems, gelle.

Und daß unsere mohammedanischen Mitmenschen nicht unbedingt eine Tendenz zeigen, CDU zu wählen, ist doch wohl eine schlichte Tatsache, oder hab ich da was verpaßt?

Posted by: FAB. am 18.12.06 20:23
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