04.04.06
Oettingers erneute schwarz-gelbe Hochzeit
Die CDU wird in Baden-Württemberg mit der FDP über die Fortsetzung der seit zehn Jahren regierenden Koalition verhandeln. Das verlautete soeben aus Stuttgart. Zuvor hatte die Grünen-Fraktion entschieden, für eine Koalition mit der CDU im Ländle nicht zur Verfügung zu stehen.
Ein Erfolg war der Flirt mit den Grünen für Oettinger allemal. Zwei intensive Sondierungsgespräche, die Günther Oettinger mit den Grünen seines Duzfreundes Winfried Kretschmann führte, sind ein gutes Polster, das die Koalitionsverhandlungen mit der FDP erleichtert, von der sich die CDU in finanzpolitischen Fragen weiter entfernt sieht als von den Grünen. Gleichzeitig zeigte Oettinger ernsthafter als jeder CDU-Grande vor ihm die strategische Option eines schwarz-grünen Zusammengehens auf. Man kann nicht umhin, sich die diebische Freude vorzustellen, die solch ein Coup Oettinger bereitet hätte. Gleichzeitig wäre der SPD erstmalig die natürliche Verlobte“ ausgespannt worden.
Letztlich dürfte vor allem aber die Landes-CDU noch nicht für die schwarz-grüne Farbenlehre bereit sein. Stefan Mappus, der CDU-Fraktionsvorsitzende aus dem konservativen Teufel-Lager, sprach auch rasch und hörbar von der größeren Schnittmenge mit der FDP und der deutlichen Mehrheit in der eigenen Partei für eine Fortsetzung des Bündnisses. Die Grünen machten dann auch gleich Kreise unter der Führung von Mappus“ für die Zerissenheit in der Union verantwortlich, die die CDU als zuverlässigen Partner disqualifiziere.
Offenbar reichte der deutliche Wahlsieg Oettingers noch nicht ganz für ihn aus, um sich vom aufmüpfigen Teufelianer-Flügel zu emanzipieren. Oder aber Oettinger hatte selbst noch nicht den Mut zur eigenen Courage, immerhin hatte er schon von Anfang an die FDP als erste Option“ bezeichnet.
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Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Grünen die Letzten sind, die noch den Arsch an die Heizung gekriegt haben. So richtig warm wird's für die BaWü-Grünen dann doch nicht. Klar hätte Kretschmann seine Parteikarriere gerne noch mit ein paar mehr Privilegien gekrönt. Und es ist natürlich ein tolles Gefühl, für enorm wichtig gehalten zu werden. Jetzt reicht es der Fraktion halt nur zu den üblichen fraktionären Privilegien.
“Als Ökologe fühlt man sich bei den Grünen mittlerweile ziemlich einsam.” (Reinhard Loske)
Posted by: joe_f am 05.04.06 09:44Mehr zum Thema in Oswald Metzgers Blog Einspruch!. Frisch in den Landtag gewählt, galt der grüne Querdenker als überzeugter “Schwarz-Grüner”.
Auch die Frankfurter Rundschau macht sich so ihre Gedanken: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/die_seite_3/?cnt=840759