21.03.06

Die Kongo-Mission. Ein Tropfen auf dem heißen Stein


Kindersoldat Kongo.jpgEin Einsatz deutscher Truppen im Kongo scheint so gut wie sicher. Unter deutschem Kommando sollen 1500 EU-Soldaten die Wahlen im Juni absichern und dabei nach UN-Wunsch mit den paar tausend Blauhelmen zusammenarbeiten, die im Osten des zentralafrikanischen Bürgerkriegslandes stationiert sind. Ein Einsatz der kleinen EU-Truppe in dem Land von beinahe der Größe Westeuropas ist jedoch nur in der Hauptstadt Kinshasa vorgesehen und soll auf vier Monate begrenzt sein. Die EU-Streitkräfte dürften also gerade dazu in der Lage sein, beim Zusammenstoss der Milizen die westlichen Ausländer auszufliegen.
Von der Welt weitgehend unbemerkt, sind im Verlauf der kriegerischen Auseinandersetzungen im Kongo allein seit 1998 etwa vier Millionen Menschen ums Leben gekommen. 4 Millionen Tote in sieben Jahren!
Kanzlerin Merkel nannte dann auch gestern die Kongo-Mission zur Stabilisierung des Landes eine wichtige Aufgabe, die angesichts der Flüchtlingsströme an der Straße von Gibraltar von großer strategischer Bedeutung sei.
Die Stabilisierung der afrikanischen Krisen- und Kriegsregion mit 500 Bundeswehrsoldaten? Zur erfolgreichen Überwindung bzw. Eindämmung des Flüchtlingselends dürften da als sichere Patentlösung nur noch die vorgeschlagenen Fragebögen mindestens genauso gut geeignet sein!

Verfasst von Stefan am 21.03.06 17:29
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Kommentare

Anstatt Soldaten in den Kongo zu schicken, sollte die EU besser eine langfristige Aufklärungskampange in Semidemokratischen Schwellenländern starten. Nur, wenn der Gedanke der Demokratie im bewußtsein der Bevölkerungen angekommen ist, wird sich auch etwas ändern. Aber dazu sollten wir ersteinmal unseren eigenen Stall ausmisten.

Posted by: TC Stahl am 21.03.06 22:18

Demokratieaufklärungskampagne????

Posted by: michael am 22.03.06 10:38

Oh Herr, lass Hirn regnen auf all die Weisen des Abendlandes!

Posted by: Terzinger am 22.03.06 12:20

>Demokratieaufklärungskampagne????

Nein, so meinte ich das nicht. Das würde ja bedeuten, unsere Ansicht von Volksbeteiligung z.B. dem Kongo aufzuzwingen.
Vielmehr sollte man intensiv(!) über Freiheits- und Menschenrechte informieren. Dazu gehört natürlich auch, mögliche Wege aufzuzeigen, diese Rechte zu erlangen. Hilfe zur Selbsthilfe und kein Zwang - denn das wäre ein Militäreinsatz.

Gruß
TC Stahl

Posted by: Denkfabrik f. Republikanismus am 22.03.06 12:34

Kommt mir auch soherum eher theoriegeleitet gedacht vor. Es ist ja schon schwierig genug so etwas wie Aids-Aufklärungskampagnen sinnvoll durchzuführen.

Ich würde sagen “Freiheitsrechteflyer” gehen vehement an der Lebenssituation der Menschen in solchen Ländern vorbei.

Da wird es Dir wenig bringen, wenn Du über die Konzepte von Freiheits- und Menschenrechten informiert bist, wenn Du entweder keinen Zugang zu Nahrung, Wasser, medizinischer Versorgung etc. hast. Oder vielleicht die Schergen vom Warlord an Deine Tür klopfen und Dir freundlich nahelegeen, dass Du ab jetzt in einer Diamantenminie arbeiten wirst, wenn Dir etwas an Deinen Töchtern liegt…

Posted by: michael am 22.03.06 14:09

Nun, kurzfristig wird da nicht viel zu machen sein. Das gebe ich unumwunden zu. Vielmehr sollte hier das Prinzip vom “Steten Tropfen, der den Stein aushöhlt”. Auch in Europa herrschten schon ähnliche Zustände (Lehnsherrschaft, Diktatur usw.). Im Laufe der Jahrzehnte (-hunderte) aber wandelten sich Kultur und Denkweise.
Ich glaube, auch die Afrikaner werden diesen Weg irgendwann gehen. Wenn man sie dabei unterstützen kann, um so besser.

Posted by: Denkfabrik für Republikanismus am 22.03.06 20:16

und bis dahin warten die Blauhelme mit ihren Freiheitsflyern jetzt, ja? und lassen den Kongo sich selbst ausrotten, ja?

Posted by: karAmelo am 23.05.06 10:55
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