10.03.06
Die Gesellschafter
Nach den 1000 Fragen startet die Aktion Mensch ihr zweites grosses partizipatorisches Projekt namens “Die Gesellschafter”. Wer sich an die 1000 Fragen erinnert, kennt das Prinzip. Auf einer Online-Plattform sollten Fragen aus dem Bereich der Bioethik debattiert werden, begleitet von Kinospots etc.
“Die Gesellschafter” sind deutlich umfassender angelegt. Debattiert werden Fragen aus dem Bereich “In welcher Gesellschaft wollen wir leben?”, die bewusst aus dem genuin politischen Bereich der Reformdebatten herausgelöst und sozusagen auf das gesellschaftliche Handlungsfeld verlagert werden sollen. Neben der Grundsatzdebatte geht es also um Zivilcourage und gesellschaftlichem Engagement.
Neben der Leitfrage, die nach dem Motto “i have a dream” von jedermann beantwortet und freiheraus diskutiert werden kann, bietet die Online-Plattform 10 Themenbereiche zur Diskussion, die von Armut bis Zuwanderung, von Wissenschaftsethik und gesellschaftlicher Teilhabe, Frauen und Männern, Familie etc. handeln. Ziviles Engagement soll durch eine Suchmaschine gefördert werden, die nach Postleitzahlen geordnete Organisationen auf der Suche nach freiwilligen Helfern ausspuckt.
Annähernd “up-to-date” wird das Projekt von einem Blog namens Gesellschafter-Tagebuch begleitet, der allerdings die Trackback-Funktion vermissen lässt.
Wer sich jetzt an die unsägliche Du bist - Emotions- Kampagne erinnert fühlt, irrt…
Nicht nur die Namensgebung ist weniger unglücklich, auch wenn “die Gesellschafter” zum einen nach geschlossener Gruppe und zum anderen nach seltsamer RTL2-Vorabendserie klingt. Aber man hat es nicht mit einer Luftblase zu tun, die wenig ausser promi-gestützter Propaganda zu bieten hat. Schon beim Vorläufer Projekt “1000 Fragen” war klar, dass die Aktion Mensch es mit dem Ziel, eine Debatte zu führen, durchaus ernst meint. Wie man immer noch nachlesen kann, wurde ebenjene unter reger Beteiligung von Fachexperten etc. auf teilweise ziemlich hohen und spannendem Niveau geführt.
Vor allem aber investieren “Die Gesellschafter” ihr Geld offensichtlich lieber in konkrete Projekte. Die 10 Millionen Euro, die für 2006 zur Verfügung stehen, sollen über 2500 in der Hauptsache ehrenamtlich organisierte Projekte, die es bereits gibt oder aus gegebenen Anlass neu entstehen, fördern.
Schade eigentlich, dass die Gesellschafter mit Sicherheit viel weniger Aufmerksamkeit erhalten werden. Nur weil sie es besser machen.
Hallo aus dem Off,
die Trackbacks folgen in der kommenden Woche :-)
Christian
Posted by: Christian am 12.03.06 16:48