01.03.06
100 Tage - Kleine Demoskopie
Für den großen Rhabazynski.
Der guten Angela sind bekanntlich Flügel gewachsen. Kanzlerin der Herzen undsoweiter. Zum Anlass des 100tägigen Regierungsjubiläums wollte ich mal wissen, wie sich das mit der Wählergunst nach Wahlen so verhält. Also habe ich ein paar Tabellen gebastelt, die dem Vergleich der Regierungswechsel von 1998 und 2005 in Sachen Demoskopie dienen sollen. Quelle für wahldemoskopische Fragen ist das Politbarometer. Alte Daten gibts bei der KAS…
Alle lieben also Angie. So war das auch mit dem Gerd. Wie die Frage nach der Bewertung von Spitzenpolitikern zeigt, scheint die deutsche Bevölkerung ihren Kanzlern zumindest einige Zeit gönnerhaft gegenüberzustehen. Nun zeigen sich aber deutliche Unterschiede. Mit Gerd ging es nach der Kanzlerwahl kontinuierlich bergab, während die gute Angela von niedriger Ausgangslage stetig zugelegt hat und nunmehr auf konstant hohem Niveau verharrt. Von dem Tief, in das der Gerd ab April fiel, konnte er sich übrigens erst vollständig erholen als die nächsten Wahlen schon wieder vor der Tür standen.

Etwas komplizierter gestaltet sich dann folgende Tabelle, die per Klick grösser wird. Hier geht es um die Zufriedenheit mit der Regierung und Opposition vor und nach Regierungswechseln. Opposition meint dabei die andere grosse Volkspartei. Da gerade beide Volksparteien regieren ist die Zufriedenheit dieser Tage separat angegeben. Mit der tatsächlichen Opposition herrscht gerade grosse Unzufriedenheit. Ganz schlimm bei der Linkspartei, die bei -2 Punkten liegt, die Grünen liegen bei etwa -1 und die FDP schneidet mit -0,2 am besten ab. Leider habe ich vergessen, die Zufriedenheit mit der CDU Opposition vor den Wahlen 2005 anzugeben. Sie war weitaus geringer als 1998 bei der SPD und rangierte so um den Nullpunkt. In beiden Fällen kommt ganz gut die “Wechselstimmung” vor den Wahlen zum Ausdruck. Die Regierungen werden vor dem Regierungswechsel sehr schlecht bewertet, in beiden Fällen erzielt die Opposition bessere Werte. Entsprechend wird eine neue Regierung direkt nach dem Regierungswechsel besser bewertet als die Opposition. 1998 war dies nur von kurzer Dauer, was heuer weniger zu erwarten steht. Dafür ist interessant, dass in Sachen Regierungszufriedenheit eine Grosse Koalition ein kleiner Glücklichmacher zu sein scheint. Ihre Gesamtleistung wird besser bewertet als die Leistung der beiden einzelnen Regierungsparteien.
Und letztlich auch sehr spannend. Die Sonntagsfrage bei den beiden Regierungswechseln. Sehr sinusartig. In beiden Fällen findet man eine Annäherung vor den Wahlen, wobei die Regierungspartei die schwächere Partei ist. 1998 nähern sich die Parteien demoskopisch noch vor der Wahl, 2005 erst nach der Wahl sehr stark aneinander an. Die Partei, die den Kanzler stellt, erlebt dann ein Hoch, dass sich zumindest 1998 mit dem Einbruch in Sachen Kanzlerbeliebtheit annähernd zeitgleich wieder in Wohlgefallen auflöst. Die Schere geht zu Gunsten der Oppositionspartei auf. Bei all den Ähnlichkeiten im Verlauf der drei Tabellen wird es spannentd werden, wie sich das in den kommenden Monaten bis August weiter entwickelt. Meine Prognose wäre, dass es nicht unähnlich aussehen wird. Im Kopf des Wählers wird die SPD als Nichtkanzlersteller bald als quasi-oppositionell wahrgenommen werden und in der Gunst steigen. Wie man alle Last einer Regierungskoalition auf die kanzlerstellende Partei abwälzt, sollte die SPD von den Grünen schliesslich hinreichend gelernt haben.