23.02.06
Payback-Day
Dem einen oder anderen mag bekannt sein, dass hier in BW die Müllabfuhr seit Wochen schon ihren Dienst verweigert. Nun war ich tendentiell Sympathisant mit den Streikenden. Ich war sogar sehr nett zu der Frau am “Notfalltelefon”. Mit der habe ich mich letzte Woche irgendwann über Sperrmüll unterhalten. Und man konnte es ihrer Stimme deutlich entnehmen, dass sie häufig mit eher gereizten Leuten telefonieren muss. Ich habe also so getan als würde es gar nichts machen, dass der Sperrmüll nicht abgeholt wird, und war allgemein während des Gesprächs allerbester Laune. Und vielleicht ist ihr Tag dadurch ein klein wenig besser geworden. Meiner nicht. Denn der Sperrmüll muss dringend weg.
Man muss würdigen, dass die Müllabfuhr im Winter vor sich hin streikt. Das ist eine faire Angelegenheit. Im Sommer würde ich jetzt nicht mehr durch die Fussgängerzonen gehen wollen. Aber nichts desto trotz. Ratten, Luftratten, Papageien. Papageien? Ja, Heidelberg hat eine anständige Papageienpopulation. Die lebt unter anderem auf dem Bergfriedhof, der bei mir gleich um die Ecke ist. Jetzt sage ich gestern noch zu Stefan…
“Du Stefan”, sag ich, “du verpasst da was. In den letzten Tagen fliegen vor meinem Fenster immer die Papageien herum, jagen sich durch die Lüfte und hängen in den Bäumen ab.” Und dann muss ich heute morgen feststellen, dass dieses illustre Schauspiel mir nur zu Teil wird, weil die Papageien ihr angestammtes Bergfriedhofdomizil verlassen, um sich über den einen oder anderen gelben Sack herzumachen.
Würdelos. Benehmen sich wie die Tauben. Die Papageien. Und jetzt reicht's. Der Müll muss weg. Keine tendentielle Sympathie mehr für die Streikenden. Ich mach das jetzt wie die anderen auch. Ich kippe meinen Papiermüll grosszügig neben den überfüllten Behälter. Stelle meinen Glasmüll neben die Container. Ich werde bei Mc Donalds essen und meinen Abfall neben öffentlichen Mülleimern platzieren. Und dann hoffe ich darauf, dass es ein paar Mal richtig fies regnet, bis der Streik beendet ist.
Denn, liebe Abfallentsorger, denkt an Eure erste Arbeitswoche. Die wird mit jedem Tag, den ihr weiterstreikt, schlimmer. Ihr werdet ewig damit beschäftigt sein, Scherben aufzukehren und einzusammeln. Ihr werden mit Spachteln dastehen und den angepappten Papiermüll von den Strassen kratzen müssen. Und dann die ganzen von Ratten und Tauben zerrissenen Müllsäcke, die auseinanderfallen, wenn ihr sie hochhebt. Und die fettgefressenen Ratten, die davonwuseln und ihre Brut zurücklassen. Zahltag, liebe Streikenden. Ich sag nur: Auf allen vieren. Mit den Händen. Und während ihr das macht: Denkt mal darüber nach, was ihr den Papageien angetan habt.
Technorati Tags: Oeffentlicher Dienst | Streik | Papageien
Papageien am Müll? Ich tippe auf verkleidete Ratten der Lüfte. Helau Ihr Tauben!
Ein Foto wäre toll!!! Expeditionen ins Tierreich mit dem Küchenkabinett als ornithologischer Forschungsstation! Ich sag ja: Helau!
Mehr tierisches gibt's hier: http://www.papageien.org/df/
Posted by: Terzinger am 23.02.06 11:45Du wirst dich wundern welch grosse Populationen an Papageien und auch Nymphensittichen es in Deutschland schon gibt, die auch im Winter hier relativ Problemlos überleben.
Posted by: O.H. am 23.02.06 13:01Hmm, lieber Michael, mit deinen Überlegungen über die erste Arbeitswoche der MüllwerkerInnen hast du natürlich recht. Aber bei allem Mitleid ist es doch ein Zeichen von Streik-Solidarität, den Müll auf die Straße zu stellen/kippen/stapeln. Schließlich ist es doch Sinn des ganzen, das (Müll)Chaos ausbricht, das öffentliche (Entsorgungs)Leben zum Stillstand kommt und so der Druck auf die Kommunen erhöht wird. Insofern handelst du jetzt erst richtig solidarisch (kannst ja ne Plastikfolie drunterlegen ;)
Lustig wirds aber nächste Woche nach den Faschingsumzügen….
Posted by: Marcel am 23.02.06 18:51