03.02.06

Zum Thema Religion

[…] Jesus war ein Irrer. Gott wird dich nicht retten. Er hat die letzten paar tausend Jahre niemanden gerettet, nicht einmal Jesus. Mohammed war ein machtgeiler Betrüger und knallharter Eroberer. Moses und Abraham waren die Erzeugnisse der Phantasie irgendeines Rabbis der schon lange tot ist und der sich wahrscheinlich einen Ast lachen würde, wenn er wüsste daß immer noch jemand an die Märchen glaubt, die er sich vor Jahrtausenden ausgedacht hat. […]
Hab ich Ihre religiösen Gefühle verletzt? So ein Pech aber auch. Wenn Sie aufhören sich gegenseitig im Namen von falschen und lachhaften Göttern abzuschlachten, dann höre ich auf mich über sie lustig zu machen. […]
Cenk Uygur: If You're a Christian, Muslim or Jew - You are Wrong

Und damit wäre alles gesagt, was zu dem Thema zu sagen ist.
Gut, wohl nicht alles gesagt, aber alles wozu ich jetzt Lust habe. Rest siehe Kommentare.

Verfasst von TH am 03.02.06 15:57
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Kommentare

Na super. “Die Religiösen schlachten sich gegenseitig ab! Die Religiösen sind alle doof! Nicht so ich, der ich ach so aufgeklärt bin. Alle sonstigen Implikationen sind irrelevant.” Vielleicht solltest Du die Stututen deines Ein-Mann Vereines bavarisch-klarer Meinungsäusserung oder wie Du es noch genannt hasst nochmal überdenken. Sonst stehst Du Dir selbst im Weg.

Posted by: Sebastian am 03.02.06 16:57

Wenn ich mir anschaue, mit welcher Begeisterung die Herrschaften auf jede eingebildete oder echte Beleidigung reagieren, egal ob Moslems wegen Dänemark oder Christen in Österreich und Griechenland wegen “Das Leben des Jesus” von Gerhard Haderer oder Hindus wegen was auch immer in Indien, dann kann ich nicht anders, als mich Cenk Uygur anzuschließen.

Ich weiß nicht, ob sich Toleranz und buchstäblicher Glaube überhaupt vertragen können.

Posted by: TH am 03.02.06 17:12

Wobei: Mit dem widerlichen Antimoslem Gesockse auch nur tangential einer Meinung zu sein ist wirklich und wahrhaftig schmerzhaft.

Posted by: TH am 03.02.06 17:14

Der zitierte Artikel ist eine selbstverliebte atheistisch-ideologische Streitschrift. Er hat mit dem Karikaturenthema nur mittelbar zu tun. Ich nehme keinen Anstoss an Deiner Meinung zu den vollkommen wahnwitzigen Reaktionen auf die Bildchen, ich mag es nur nicht, ein Stück Ideologie hingeknallt zu kriegen mit dem Basta-Vermerk, zu dem Thema gäbe es sonst nichts zu sagen. Im deutlich weniger säkularen Amerika, verstehe ich die Vollgaspolemik ja noch halbwegs aber hierzulande klingt sie in meinen Ohren sehr viel radikaler als aller Umgang, den ich in meiner Lebenswirklichkeit mit Religion habe. Und wenn Du in Deiner Antwort zu “buchstäblichem Glauben” relativierst, fällt damit auch Dein sonst gibts dazu nix zusagen. Immerhin.

Posted by: Sebastian am 03.02.06 17:26

Der zitierte Artikel ist eine selbstverliebte atheistisch-ideologische Streitschrift. Er hat mit dem Karikaturenthema nur mittelbar zu tun.

Stimmt schon. Und gleichzeitig geht es genau um das in diesem Essay beschriebene Problem.

Und wenn Du in Deiner Antwort zu “buchstäblichem Glauben” relativierst, fällt damit auch Dein sonst gibts dazu nix zusagen. Immerhin.

OK. Kann ich so akzeptieren.

Posted by: TH am 03.02.06 17:37

TH: über Religion und Toleranz wäre zu streiten (Christen soll auch tolerant sein können, nach meinen begrenzten Kenntnissen) - diese Form des plakativen Atheismus' ist es jedenfalls nicht, wie Sebastian schon richtig gesagt hat.

Posted by: lambach am 03.02.06 20:20

Glaube ist etwas durch und durch privates. Und genau da gehört es auch hin: Ins Private!

Wer denkt, seinen eigenen Glauben in die Öffentlichkeit zu tragen, ihn und seine (immerhin nur eingebildeten) Regeln auf alles weltliche anwenden zu müssen, hat den Status des Gläubigen längst verloren. Dann nähmlich ist er politisch und muß sich den Ansichten, Ideen und Forderungen der “Ungläubigen” stellen.

Posted by: TC Stahl am 03.02.06 21:12

Das sehe ich anders: es gibt keinen Gegensatz zwischen gläubig und politisch (und auch der Gegensatz zwischen privat und politisch ist nicht so recht wasserdicht). Wenn ein Glaubender seinen Glauben öffentlich trägt, ist das erstmal kein Problem, solange er damit niemandes Privatsphäre oder eigenen Glauben verletzt. Allerdings muss er darauf gefasst sein, sich auch Fragen zu stellen.

Die Vokabel, die ich in diesem Zusammenhang viel lieber habe als Toleranz ist Respekt. Respekt des Glaubenden gegenüber den Weltanschauungen der anderen ebenso wie umgekehrt. Das ist auch etwas, was ich aus Stefans Artikel zu Globalisierungserscheinungen (http://kuechenkabinett.org/archives/2006/02/02/globalisierungs.html) herauslese (wo du zuzustimmen scheinst): keine Unterwerfung, Aufdrängung oder Unterdrückung, sondern Respekt, Rücksichtnahme und Dialog.
(Fragt mich bitte nicht, was das konkret für Mohammed-Karikaturen bedeutet. Dazu würde ich am ehesten sagen: Jyllands-Posten darf diese Dinger drucken und ich werde das Recht dieser Zeitung vehement verteidigen, aber es war trotzdem eine unglaublich dämliche, respektlose und unsensible Tat, die sie besser hätten unterlassen sollen.)

Posted by: lambach am 03.02.06 23:28

Nun ja. Es gibt Situationen, in der die Gemüter der Beteiligten so eregt sind, das selbst ein comic DAS i tüpfelchen sein kann. Dann könnten wir mit unsere gutgemeinten Pressefreiheit einen Eigentor erzielen, und das im WM Jahr!! hehe

Posted by: Gerald am 04.02.06 00:00

Solche Situationen gibt es genug. Meine Lieblingsanekdote aus dem Bereich 'kleine Sache - großer Furor' ist diese: unter Atatürk wurden in der Türkei über 70 Männer dafür gehängt, dass sie die falschen Hüte trugen (Fez statt mit Krempe).

Posted by: lambach am 04.02.06 00:48

“Gläubig” und “Politisch” gehören meines Erachtens in kein gemeinsames Bedeutungssystem. natürlich haben beide jeweils Einfluß auf das andere. Doch sollte in einer säkulären Gesellschaft dies nicht allzuoft geschehen (und wenn, dann nur tangenziell).
Hier liegt aber wahrscheinlich auch der eigentliche Riss zwischen Abend- und Morgenland. Wir haben uns in Folge der Aufklärung von der Vorstellung getrennt, Religion (die organisierte Form des Glaubens) mit Staat (Politik) allzusehr zu vermischen. Die meisten islamischen Staaten aber sind von ihrer Religion bis hin zu Werte- und Machthoheit durchzogen.

Die Frage des Respektes gegenüber anderen Gesellschaftssystemen ist natürlich abhängig von den Begebenheiten. In Folge fortdauernder Terroranschläge, Unterdrückung der Freiheit oder mittelalterlicher Traditionen (mir sind noch immer die Bilder verbrannter Leichen im Kopf, die vom Mob islamischer Demonstranten durch die Straßen geschleift wurden - alles im Namen Gottes, wohlgemerkt) dürfte es schwer fallen, den Islam zu respektieren.
Was man jedoch nie verlieren sollte, ist Achtung - gegenüber anderen Menschen, Religionen oder Gesellschaftssystemen. Sonst dürfte die Eskalationsspirale nicht mehr aufzuhalten sein.

Posted by: TC Stahl am 04.02.06 13:49

Richtig, was man nie verlieren sollte, ist Achtung - gegenüber Menschen, wenn man keine üblen Eskalationen wünscht. Man denke sich z.B. folgende Karrikatur mal im Geiste:

//*Jesus als geiler Homosexueller reitet bzw. sticht Papst Ratzinger, während über Benedikt eine Gedankenblase steht: “Männer sind halt doch die besseren Priester.”.*//

Ich hätte wenig Probleme, wenn man eine derartige, hetzerische Karrikatur untersagen würde.

Das Klima von Hetze kann sich schnell aufschaukeln - beispielsweise bin ich von sogenannten “prowestlichen” Bloggern zum Gegenstand eines Mordaufrufes gemacht worden, hier:
http://dermorgen.blogspot.com/2006/02/impressumpflicht-oder-lieber-keine.html
;weil man mit meinen Worten nicht einverstanden war, die zu Besonnenheit und Respekt aufriefen - auch Muslimen gegenüber.

Oder man schaut sich mal dies her genauer an.
http://media.de.indymedia.org/images/2006/02/137957.jpg

Posted by: Dr. Dean am 04.02.06 21:23

Bei allen Kritik an der gewaltsamen Artikulation der Islamisten (also die Fundi's) und andere Widrigkeiten des dortigen Gesellschaftsystems (Frauenrechte, Presse(un-)freiheit usw..), dürfen wir nicht vergessen welchen beträchtlichen Schuldanteil der Westen daran hat. Durch die Ausbeutung während der Kolonialzeit, wurde die Abendländische und die afrikanische Wirtschaft in die Steinzeit geschickt. Doch warum regen sich die Afrikaner nicht so über uns auf wie die Araber? Ich glaube es liegt daran, daß die ausbeutung der arabischen Länder immernoch weitergeht (zb Öl), andererseits aber die schlechte Lage der Menschen sie stärker an ihre Religion bindet. Anders ist es in Zentralafrika, die alte Stammeszugehörigkeit gibt es schon lange nicht mehr, doch der Christentum durch zieht nicht das Leben der Menschen so wie im Islam. Eine weitreichende Folge ist die erhöhte Gewalt auch gegen den eigenen Landsleuten, was zu Konflikte führt. So sind die afrikanischen Länder weitestgehend mit sich selbst beschäftigt, als mit der Welt. Durch den Islam haben die Araber diese Probleme nicht, so das sie sich mit der Welt beschäftigen können. Hätten die Afrikaner einen Länderübergreifenden hausgemchten Glauben, so würden sie sich mit sicherheit auch in ähnlicherweise gegen den Westen stellen.

Posted by: Gerald am 07.02.06 16:40

Ich denke, das ist eine gute Frage, aber nicht die richtige Antwort. Nach m.E. ist es falsch, die Gründe für diese Auseinandersetzung im Islam selbst zu suchen, sondern eher in der politischen Ausnutzung religiöser Überzeugung. Ich vielen arabischen Ländern kursieren Gerüchte und Falschmeldungen, die den Konflikt weiter anheizen. Ich bin mir sicher, dass dies für viele Eliten ein bequemer Weg ist, für Einheit und Disziplin zu sorgen und von eigenen Fehlern abzulenken. Es überrascht mich nicht, dass die schlimmsten Ausschreitungen ausgerechnet in Ländern geschehen sind, deren Regime nur eine zweifelhafte Legitimität im eigenen Land haben (Syrien, Libanon, Iran, Palästina). Da wird viel instrumentalisiert.

Posted by: lambach am 07.02.06 17:18

“Solche Situationen gibt es genug. Meine Lieblingsanekdote aus dem Bereich 'kleine Sache - großer Furor' ist diese: unter Atatürk wurden in der Türkei über 70 Männer dafür gehängt, dass sie die falschen Hüte trugen (Fez statt mit Krempe).”

Und warum denkst du war das so?

Posted by: O.H. am 08.02.06 11:45

Es ging einfach um Macht - Atatürk wollte das neugeschaffene Land säkularisieren und die Feze (Fez?) waren ein Symbol der alten, islamischen Ordnung. Also verbot er das Tragen dieser alten Hüte und als sich einige Leute dagegen wehrten, liess er sie exekutieren.

Posted by: lambach am 08.02.06 12:54

Er hat ein Exempel statuiert. Aber ich finde das man das nicht mit der jetzigen Situation vergleichen kann.

Posted by: O.H. am 08.02.06 13:18

Das wollte ich damit auch nicht sagen. Es ging mir eher darum, dass sich aus kleinen Dingen große Dramen entwickeln können.

Posted by: lambach am 08.02.06 14:15

“Wer denkt, seinen eigenen Glauben in die Öffentlichkeit zu tragen, ihn und seine (immerhin nur eingebildeten) Regeln auf alles weltliche anwenden zu müssen, hat den Status des Gläubigen längst verloren.”

Diesbezueglich ein kleiner Witz:

Was komt raus wenn man einen Zeugen Jehovas mit einem Atheisten kreuzt: Jemand der regelmaessig vorbeikommt um dich von nichts zu ueberzeugen.

Posted by: Feelgood am 10.02.06 16:34
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