03.02.06
Wie Matt
Thomas Leif macht gute Arbeit. Er ist Erster Vorsitzender des Netzwerks Recherche, einer journalistischen Vereinigung, die das Ziel hat, vergessene Themen an die Öffentlichkeit heranzutragen. Außerdem sitzt er im Beirat von Transparency International. Honoriger Mann mit lauteren Absichten also.
Dennoch lässt er es sich nicht nehmen, Weblogs pauschal (mit einer Ausnahme) als das Produkt übersubjektiver, oberflächlicher und selbstverliebter Betrachtung zu bezeichnen. Ich darf zitieren:“Viele Blogs sind gespickt mit Anfeindungen, Unterstellungen und systematischer Provokation. Es werden beispielsweise bewusst andere niedergemacht, ohne dass der Blogger jemals persönlich mit ihnen in Kontakt getreten ist. Dadurch lenkt er jedoch Aufmerksamkeit auf sich selbst und genießt den Hype, der um ihn herum entsteht. Dem Großteil der Blogger geht es eben nicht ernsthaft darum, einen Sachverhalt aufzuklären oder einen Vorgang zu analysieren. Die meisten präsentieren nur einen privaten Tabledance. Selbstverständlich gibt es aber auch sehr gute, qualitativ hochwertige Blogs.”
Was ist das nun? Der alte Standesdünkel der MSM (Mainstream Media)? Oder hat ein solch kritischer Geist uns vielleicht doch etwas zu sagen? Um seinem Pauschalurteil nicht noch weiter zu entsprechen, wollen wir die Frage des Dünkels aussen vor lassen. Stattdessen lege ich die Lektüre des FAZ-Artikels von Stefan Niggemeier nahe. Dieser zeigt hübsch und eindrucksvoll, dass Blogs weder Zeitungen noch Bücher sind, sondern Medien mit Zwei-Weg-Kommunikation. Insofern trifft Thomas Leifs Kritik die reinen Onlinetagebücher tatsächlich, alle anderen brauchen sich wohl kaum angesprochen fühlen. Statt dessen sollten wir uns Gedanken darüber machen, was mit Blogs noch so alles möglich ist - ein paar gute Ideen von jenseits des Atlantiks präsentiert Andrew Hammel beim wunderbaren Blog German Joys. Insofern danke ich Herrn Leif für seinen Beitrag und hoffe, dass er nicht allzu überrascht sein wird, je mehr sich Blogs ihre eigene Medienidentität entwickeln.
Verfasst von lambach am 03.02.06 12:45Der Link zum Blog von Andrew Hammel führt zum Küchenkabinett. Absicht oder Versehen?
Posted by: Tobias am 05.02.06 23:36Versehen. Und repariert.
Posted by: TH am 05.02.06 23:49Aha, Zeitungen sind Qualität, Weblogs meist nur Quantität - die Argumentation brachte kürzlich auch die Süddeutsche. Siehe: http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/504/69435/
Wenn ich hier aufzählen würde, wieviel Scheiße - sorry - schon durch den deutschen Blätterwald geflogen ist, würde der Platz hier gar nicht ausreichen. Ich persönlich sehe Weblogs als Bereicherung. Außerdem erlaubt uns zum Glück Artikel 5 GG, auf den “Klowänden des Internets” ungefragt unsere Meinung abzusondern.
Posted by: Michael Schöfer am 08.02.06 21:23