26.12.05
Weihnachtsansprache
Der Bundespräsident muss langsam mal lernen wie man Sätze betont. Er kann doch nicht einfach von den Armen und Schwachen der Gesellschaft erzählen, die wir wieder in unsere Mitte nehmen sollen, und dann den Satz “Unsere Gedanken sind bei Ihnen” derart betonen, dass mit “Ihnen” nur der Zuschauer gemeint sein kann. Überhaupt. Betonung ganz schlecht und unglaublich gezwungen. Wir haben ja auch eine Bundeskanzler-RIN.
Und dann hat der Mann eine Gestik. Ich glaube ja, der hat tiefgestapelt, weil er die anstehende Neujahrsansprache der Kanzler-RIN nicht übertrumpfen wollte. Bedrückte Sätze, sehr bedrücktes Gesicht. Dann von einem Moment auf den anderen (auf dem Bluescreen muss “begeistert!” gestanden haben) versucht der Mann, besonders optimistischst und motivierend zu wirken, und will mit uns Fussballweltmeister werden.
Bliebe das Skispringer-Zitat: “Man fliegt immer nur so weit, wie man im Kopf schon ist.” Da hat er dann endgültig zu tief in die Trickkiste gelangt. Das war ungefähr so, als würde die Queen sagen: “David Beckham once said…”
Politisch natürlich auch ganz schwach. Was sollte denn diese Ansprache darüber, dass parteipolitische Gegensätze eigentlich überhaupt nicht sein müssen. Die braucht doch niemand. Normale Menschen lösen ihre Probleme schließlich auch, ohne auf politische Gegensätze zu achten. Typischer Technokraten-Quatsch. Der Horst, dem wäre es wohl auch recht, wenn Deutschland ein bisschen mehr wie Singapur wäre.
Verfasst von Michael am 26.12.05 22:01Das Land der Dichter, Denker und äh .. Skispringer! Großartig. Und wer braucht schon politische Gegensätze? Gab es da mal nicht so was wie eine EINHEITSPARTEI?
Posted by: a.ndy am 27.12.05 00:41Oh ja, Michael, der sonst so gerne mit Esprit und spitzer Feder schreibt, hat wohl einen schlechten Tag erwischt. Und das ausgerechnet zu Weihnachten!
Jedem das seine, und unserem Präsidenten seine Eigenheiten.
Besser Technokratie als Ideologie und besser Pragmatismus als Parteipolitik um der Partei willen (zumal nach sieben Jahren Schröder).
Ach ja, das mit Singapur ist auch nicht die feine Art.
Ich wünsche Ihnen ein frohes neues Jahr und hoffe auf eine besser gelaunte Analyse der Neujahrsansprache!
Das lag nur daran, dass die über Weihnachten sechs mal nach den Nachrichten gesehen habe. Das wurde dann irgendwann unerträglich.
Was mir insbesondere nicht gefällt an Köhler ist dabei, dass er so tut als gäbe es den objektiv richtigen Weg, den die Parteien nur umsetzen müssten. Das wäre auch nicht so schwer, wenn sie mal ihre kleinlichen Streitigkeiten überwinden würden. Und das ist schlichtweg falsch.
Was mich dann noch mehr stört ist, dass Köhler auch noch zu wissen glaubt, was der richtige Weg ist. Diese ständigen Eingriffe in die Tagespolitik gehören nicht zu seinem Aufgabenbereich.
Posted by: michael am 29.12.05 11:13Technokratie und Ideologie als Gegensätze??? Technokratie IST Ideologie, mein lieber Graf gut gelaunt Rhabazynski.
Versteh auch nicht, wieso Du Dich rechtfertigst, Michael, so schlecht war deine Analyse nicht und wer sagt überhaupt (außer Graf Rhabazynski), dass gute Analysen nicht schlecht gelaunte sein dürfen.
Den “unsere Gedanken”-Satz fand ich auch krass, obwohl ein Bisschen anders wie Du. Was nützt es den Armen und Schwachen, wenn der Horst und seine Kumpels an sie denken? Nix. Das Einzige, was so ein Denken bringt, ist eine Entlastung seines Gewissens, man denke z.B. an seine Zeit als IWF-Chef.
Posted by: Karol am 29.12.05 15:04Was mich'n bisschen irritiert hat an der schönen Rede, war die Aufforderung an uns alle,”wieder” Nr.1 zu werden in Europa. Kann mir jemand sagen, wer zur Zeit die Nummer 1 ist? Griechenland? Spanien? Dänemark? Wen müssen wir auf welcher Seite überholen um wieder die ersten zu sein?
Posted by: Peter Pan am 29.12.05 16:43