04.12.05

Delphi-Studie

Die KAS hat ihre Delphie-Studie 2004/2005 veröffentlicht. Delphi-Studien sind ein Prognoseinstrument. Es werden “Experten” aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft anhand von Fragebögen dazu befragt, welche Entwicklungen sie in den einzelnen Bereichen künftig erwarten, für wie wahrscheinlich sie sie halten und als wie wichtig sie diese möglichen Entwicklungen einschätzen.
Zur Prognose ist das Instrument freilich nicht sonderlich gut geeignet, es gibt vielleicht besser Auskunft darüber, was unsere “Experten” heute so denken - was in manchen Fällen allerdings an Gemeinplätze grenzt.

Aber nungut. Was die Politik angeht, denken die Experten auf jeden Fall, dass es bis 2020 keiner der Volksparteien gelingen wird, parlamentarische Mehrheiten aus eingener Kraft zu erringen. Dafür wird es auch nicht vorkommen, dass beiden Parteien in einer Wahl weniger als 30% erzielen.
Gleichfalls wird sich die Verankerung der Parteien in der Gesellschaft regressiv entwickeln. Es wird nicht erwartet, dass eine der beiden an Mitgliedern deutlich zulegen kann. Fortschreiten wird dabei auch der Rückgang der emotionalen Parteienbindung, der klassische Wechselwähler wird zum Regelfall werden. Er wird bereits bei den nächsten Wahlen den Großteil des Elektorats ausmachen. Die schwindenden ideologischen Differenzen werden dabei die Personalisierung der Politik weiter vorantreiben.
Während den Grünen eine stabile Zukunft vorausgesagt wird, glauben 66% der befragten, dass die FDP bis 2020 mindestens einmal an der 5% Hürde scheitert. Für die Linken lässt sich keine klare Tendenz erkennen, die befragten gehen aber davon aus, dass bis 2020 weiterhin öfters sechs Parteien im Parlament vertreten sein werden. Dabei wird künftig auch neuen Parteien Potential eingeräumt, so sie sich programmatisch an den Interessen ausländischstämmiger Wahlberechtigter orientieren. Rechtsextreme Parteien werden als dauerhaft chancenlos eingestuft.
Zudem wird eine regressive Wahlbeteilung vermutet, allerdings ist man über die Frage, ob bis 2020 die 50% Marke unterschritten wird, uneins. Interessant ist, dass die “Experten” der Auffassung sind, dass der zu erwartende Mitgliederschwund bei Parteien faktisch völlig bedeutungslos sein wird. Politisches Engagement wird sich auf sekundäre Partizipationsformen in Bürgerinitiativen und Wahlvereinen verlagern. Als bedeutungslos stufen die Experten auch die Zukunft der FDP ein. Sprich keiner wird sie vermissen…

Verfasst von Michael am 04.12.05 15:28
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Kommentare

“Als bedeutungslos stufen die Experten auch die Zukunft der FDP ein.” Diese Einschätzung kann man alle paar Jahre mal wieder hören. Schon so manches Mal hat die FDP gefährlich nah die 5%-Hürde gestreift, doch immer wieder ist die Partei wieder aufgestanden (die jetzigen 10% erschienen vor einigen Jahren noch illusorisch), mal in mit etwas bürgerrechtsorientierterem Anstrich, mal mit mehr oder weniger personalisiertem Wahlkampf. Als Speerspitze des Neoliberalismus, “die Partei der Besserverdienenden”. Und die Zahnärzte und Anwälte sterben auch in den nächsten 15 Jahren nicht aus.

Posted by: Terzinger am 05.12.05 14:01

Das interessante ist ja, dass Wirtschaftsexperten befragt wurden, die der FDP vielleicht nahe stehen sollten. Ist doch spannend, dass die die Zukunft der FDP als nicht wichtig empfinden…

Posted by: michael am 05.12.05 14:23
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