15.11.05
Der Neuerfindung zweiter Teil
Jetzt also Hubertus Heil. Das ist wieder interessant. Weil der macht das so ein bisschen wie der Platzeck. Nur halt nicht so gut. Wenn man mich fragt, dann sieht der Hubertus zu sehr nach Wadenbeisser aus. Der ist einfach nicht so der symphatische Typ. Erst hat er es ganz gut gemacht…. Er hat sich wenig symphatisch aufgeführt und sich dafür recht kompetent über Rechtsstaat und Sicherheit ausgelassen. Das passt zu ihm. Da weiss man gleich. Noch 12 Jahre, dann ist der Innenminister.
Jetzt will der aber Generalsekretär werden und muss auch Bindeglied sein und so weiter. Deswegen schlägt der Hubertus also schnell den neuen Platzeck-SPD-Ton an. Möchte gerne auf ähnliche Weise Sympathie heischen. Nun war der Platzeck super. Er hat seine Brückengeschichte erzählt. Die Geschichte von der Brücke gegenüber welcher er zu wohnen pflegte, damals in der DDR. Und wie er dann vor 16 Jahren darüber schritt, in den Westen quasi. Und wie noch heute manchmal morgens aufsteht. Sonntags, ganz früh, wenn die Brücke noch leer ist. Ebenjene Brücke auf der früher manchmal Geheimagenten ausgetauscht wurden. Wie er also heute noch darüber schreitet und dann wieder dieses Glück empfindet, das er damals so deutlich spüren konnte.
Das war eine tolle Geschiche. Die war so authentisch. Da hat man dem Platzeck sofort geglaubt: Der steht wirklich auf, er geht wirklich über diese Brücke, er ist wirklich glücklich dabei. Das war so erfrischend ehrlich. Wunderbar. Deswegen auch nur drei Stimmen abgegeben, die nicht an Platzeck gingen.
Und dann Hubertus. Der will jetzt auch eine Geschichte erzählen. Und dann erzählt er, es hätte da diese Frau gegeben. Luise Gross. Die ist 95 Jahre alt geworden, in seinem Heimatort, Peine. Also diese Frau, die hat ein arbeitsames Leben gehabt, immer nur geschafft und gelitten, auf einem Bauernhof. Und die hat immer SPD gewählt. Auch wenn sie nie ein Parteiprogramm gelesen, nie eine Veranstaltung besucht hat. Und wenn man diese Frau gefragt hat, warum sie in diesem Bauerndorf, wo alle CDU wählen, sich immer für die SPD entschieden hat. Da hat sie dann immer drei Gründe genannt: Erstens, sie hätte zwei Weltkriege erlebt und Willy Brandt und Helmut Schmidt hätten den Frieden gesichert. Zweitens, die SPD hätte dafür gesorgt, dass sich die Frauen jetzt selber entscheiden dürften. Drittens – und das ist besonders wichtig -, die SPD hätte immer was für die einfachen Leute getan. Damit es wenigstens die kommenden Generationen besser haben würden. Und die Geschichte war kein kleines bisschen authentisch, sie war so offensichtlich gelogen. Und das war sehr unangenehm. Deswegen wird der Hubertus vielleicht mal Innenminister. Und in ein paar Minuten bekommt er ein viel schlechteres Stimmergebnis.
Und tatsächlich: Miserables Ergebnis: 61,7%

“Ich nehme die Wahl an” (Bild aus: ParteitagsBlog)
Naja, miserabel nicht gerade ;-). Aber vom Hocker hat er mich auch nicht gerade gerissen. Er bekommt bei mir seine Chance (sofern ich kleiner Wicht davon überhaupt schwadronieren kann), aber die Kopie der Vor-Redner, ne, das war nix. Und die Wiederholung dessen, was ich schon an seinem Vorwärts-Artikel kritisiert habe (intern natürlich, ich kritisiere erstmal nur intern g), brachte er auch wieder.
Das war nix, Hubsi!
Posted by: Nobbi am 15.11.05 18:26Hier Platzecks “Brückengeschichte” im Wortlaut:
“35 Jahre habe ich in Potsdam auf der anderen, der ostdeutschen Seite der Glienicker Brücke gewohnt Die Glienicker Brücke ist die Brücke zwischen Potsdam und West-Berlin, wo in der Zeit des Kalten Krieges ab und zu bei Nacht und Nebel Agenten ausgetauscht wurden. Ich habe dort natürlich mit dem Gefühl gewohnt, dass ich über diese Brücke nie gehen werde; das war Normalität für mich. Fast heute auf den Tag genau vor 16 Jahren bin ich über diese Brücke gegangen. Ich schäme mich nicht zu sagen, dass ich noch heute manchmal Sonntag früh, wenn dort kein Betrieb ist, über diese Brücke gehe und das Glücksgefühl immer wieder genieße. Liebe Genossinnen und Genossen, ich möchte nicht, dass mir das verloren geht. Ich habe in diesem Umbruch erfahren, dass viel dran ist an dem Satz von Willy Brandt, wir müssten uns klar machen, dass nichts von Dauer ist. Ich habe in dem Umbruch erfahren, dass man sich immer den Blick für die Risiken und Chancen einer Gesellschaft offen halten soll. Ich möchte mein Land, ich möchte unser Deutschland gegen kein anderes Land auf der Welt eintauschen. Es ist ein wunderbares Land. Ich bin froh, in diesem Land leben und arbeiten zu können.”
Aus: http://blog.nrwspd.de/archives/001316.php
Posted by: Sasha am 15.11.05 21:49