01.11.05

Genossen für Franz

Die SPD steht Kopf. Und auch der Parteivorstand, der Müntefering gestern demontierte, dürfte heute von heftigen Bauchschmerzen geplagt werden, werden doch die desaströsen Konsequenzen des gestrigen Tages für die Sozialdemokraten immer deutlicher.
Ohne Müntefering droht schlichtweg der endgültige Machtverlust und der Gang in die Opposition. Das wissen die Genossen und schon regt sich Widerstand an der Basis. Fraktionsvize Joachim Poß brachte gar einen Rücktriit des gesamten Vorstandes und „eine völlige Neuaufstellung” ins Gespräch und auch bei den WebSozis wird heiß diskustiert.

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Besonders hübsch ist die Unterstützeraktion wir-wollen-franz.de, die es seit ihrem Start „nur wenige Stunden nach den Entwicklungen um Andrea BAnahles” bis heute um 15 Uhr schon auf mehr als 1500 Unterschriften für Franz Müntefering als Vorsitzendem brachte.
Er wird gerührt sein. Und vielleicht lässt er sich ja tatsächlich noch dazu bringen, zumindest den Posten des Vizekanzlers zu übernehmen. Denn letztlich werden sich alle wohl doch noch einmal für das Zustandekommen der Großen Koalition am Riemen reißen.

Verfasst von Stefan am 01.11.05 15:22
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Kommentare

Der Vizekanzler sollte unbedingt der Parteivorsitzende sein. Die Regierung ist so schon schwierig genug hinzukriegen. Reibungsverluste dieser Art kann man sich da nicht leisten.

Posted by: Oliver am 01.11.05 16:06

“Und auch der Parteivorstand, der Müntefering gestern demontierte, dürfte heute von heftigen Bauchschmerzen geplagt werden”
Aber hallo. Münte selbst bestand 1999 darauf, daß Generalsekretär ein Wahlamt ist. Und nun gab es eben eine Abstimmung. Das ist ein normaler demokratischer Vorgang. Weil der nicht so ausgegangen ist, wie Münte sich das erhoffte, hat er den Lafo gemacht. Ich kann da, wenn überhaupt, nur eine Selbstdemontage sehen.

Posted by: nordlicht am 02.11.05 09:55

Lafontaine ging aus heiterem Himmel. Müntefering sieht, dass er einfach so keine Mehrheit hat. Er kann doch nicht schon bevor er überhaupt Regierungsmitglied ist mit Rücktritt drohen. Das hatten wir unter Schröder schon mehr als genug.

Posted by: Oliver am 02.11.05 15:21

Müntefehring hatte eine Mehrheit. Wasserhövel hatte keine. Eine Rücktrittsdrohung wegen nicht genehmer Generalsekretärswahl wäre albern gewesen, der Rücktritt deswegen war es.
Hat Münte eigentlich mal mit der Nahles geredet? Vorher, meine ich? Wird doch sonst immer soviel gekungelt in der Politik. Hier hätte es nützlich sein können.

Posted by: nordlicht am 02.11.05 16:04

Was haben sie nicht alles über ihm ausgeschüttet - kübelweise Hohn und Spott. Er sei “als Superminister aus dem Amt geflüchtet”. Verächtlich brachen sie über ihn den Stab: “Solche Leute haben in der Politik nichts mehr verloren!”, lautete beispielsweise Edmund Stoibers Verdikt über Oskar Lafontaine. Er habe bei seinem überraschenden Rücktritt im Jahr 1999 “die Partei verraten”, den SPD-Vorsitz unehrenhaft “weggeworfen”, warf ihm Franz Müntefering vor. Und jetzt? Jetzt gehen sie selbst, nicht der von ihnen heftig gescholtene “Napoleon von der Saar”.
Aber Achtung: Eine Schwalbe (Nahles) macht noch keinen Sommer (aus der SPD wieder eine linke Volkspartei).

Posted by: Michael Schöfer am 02.11.05 16:41

Warum ist auf der Linken eigentlich immer die Meinung verbreitet, man demonstriere seine Prinzipientreue am besten durch einen Dünkel gegenüber effektiver Arbeit und Organisation? Musste sich die SPD erst in den Fuss schießen, um den sozialistischen 'Street Cred' wiederzuerlangen?

Posted by: lambach am 02.11.05 17:26
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