31.10.05

Berlin im Schockzustand

Dass sich das Personalkarussell nach einer Bundestagswahl schnell dreht ist eine alte Grundregel, die hohe Fliehkraft droht es nun aber beinahe zu überdrehen. Grund ist der Bruch mit einer weiteren goldenen Regel im Parteienbetrieb. Und zwar, dass der Generalsekretär einer Partei das unbedingte Vertrauen des jeweiligen Parteivorsitzenden zu genießen hat.
Aus und vorbei. Die Parteilinke Andrea Nahles und der SPD-Parteivorstand wollten sich nicht so einfach Münteferings Personalvorschlag für den SPD-General beugen und watschten ihn ab. Kajo Wasserhövel fiel mit 14 zu 23 Stimmen gegen Nahles durch. Und Super-Münti zieht nun die Konsequenzen. Er wird in zwei Wochen beim Bundesparteitag nicht mehr als Parteivorsitzender zur Verfügung stehen.
Ob er noch als Vizekanzler und Arbeitsminister ins Kabinett ziehen werde, ließ er offen. Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck schloss derweil eine Kandidatur für den Parteivositz nicht aus. Nun wird es in der SPD, die mit einer schnellen Ministernennung für eine Große Koalition noch öffentlich glänzte, heiss hergehen und Schuldzuweisungen stehen zu erwarten.
Alles andere als ein guter Zustand für die “alte Tante SPD” in den Koalitionverhandlungen! Wo Geschlossenheit Stärke gegenüber dem Verhandlungspartner bedeutet, droht sie sich nun gefährlich zu schwächen. Um den Erfolg einer Großen Koalition sieht es heute deutlich schlechter aus.

Verfasst von Stefan am 31.10.05 16:29
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Kommentare

Da hat wohl einer die notwendige Erdung verloren. Dass Müntefering mit der Durchpeitschung von Wasserhövel nach Gutsherrenmanier in der Partei auf ein wenig Gegenliebe stieß, hatte sich ja schon seit Längerem mehr als deutlich abgezeichnet. Wenn er es dann nicht vermag, seinen Kandidaten rechtzeitig zurückzuziehen, sollte er sich nicht wundern, wenn er dann in einer demokratischen Abstimmung düpiert wird.

Posted by: Terzinger am 31.10.05 19:13

Müntefering = Lafontaines Enkel (ab durch die Mitte)

Posted by: Michael Schöfer am 31.10.05 22:22
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