28.10.05
Stoiber ade?

Nein, mit diesem Titel spreche ich nicht auf Stoibers plumpe Drohung an, nicht nach Berlin zu gehen, falls er als Wirtschaftsminister nicht den gewünschten Ressortzuschnitt erhält. Wobei diese lautschreierische Warnung sicher einen weiteren Schritt in dieselbe Richtung markiert:
Im rasanten Absturz nach unten.
Im heutigen Politbarometer verorten ihn die Befragten in der Beliebtheitsskala nur noch bei mageren minus 0,8 (nach minus 0,2 vor zwei Wochen). Und die egomanischen Eskapaden des CSU- und bayrischen Landesschefs dürften mittlerweile bis tief ins Unionslager hinein für Augenrollen sorgen.
Nach seiner Ossi-Beschimpfung im Wahlkampf, die ihn zu einem Favoriten für den Rührbesen des Jahres macht und dem schlechten Ergebnis seiner Partei bei der Bundestagswahl scheint man in München nach zwölf Jahren froh zu sein, den grantelnden Platzhirsch nach Berlin loszuwerden. Auch wenn er sich bis zum Ende der Koalitionsverhandlungen das Amt des Ministerpräsidenten warm halten will, ist er dort wohl nicht mehr sehr willkommen. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel nannte ihn nun den den großen Verlierer“ der Wahl, der sich wie eine Primadonna“ gebärde.
Soweit so gut. Tatsächlich aber droht sich Stoiber selbständig ins politische Abseits zu manövrieren. Sollte mit der Position eines neuen bayrischen Ministerpräsidenten auch allmählich die Macht in der CSU an den Neuen“ übergehen, wird Stoiber immer verzichtbarer werden. Auch Scharping sah sich lange Zeit als unersetzbar an und flog am Ende im hohen Bogen aus dem Kabinett…