26.10.05
I can relax in Deutschland!
Sorry, aber: Was ein pseudo-intellektueller Bullshit. War ja klar, dass man so was über die Jusos findet. Und dann machen da auch noch Bands mit, die ich echt gerne höre. Anyway…an alle, die die Initiative ganz toll und sehr wichtig finden: Ihr überschätzt da was. Ganz gewaltig sogar. DAS IHR EUCH NICHT ENTSPANNEN KÖNNT IST MIR SCHON KLAR!
Verfasst von Michael am 26.10.05 10:42Ließt man sich die Statement durch, wird klar, weshalb man so viele “Unterstützer” braucht: Totale Argumentlosigkeit. Da muß eben der eigene Name als Zugmittel herhalten. Selbst Michaels “pseudo-intellektuell” ist schon Übertreibung.
Posted by: tc stahl am 26.10.05 12:52Ich finde nicht das diese I cant relax in Deutschland Sache “totaler bullshit” ist.
Ich finde es gut wenn Leute sich darüber gedanken machen was Deutschsein bedeutet und was im Mainstream mit dieser Rolle verbunden wird, ob es Kampagnen gibt die das ändern wollen etc.etc.
Diese Leute scheinen dem eben sehr kritisch gegenüber zu stehen und das begründen sie durchaus. Nicht immer besonders schlüssig -
das kann ja sein. Nur ist das doch noch lange kein Grund so aus der Haut zu fahren und das völlig in den Dreck zu ziehen.
Einfach totale Argumentationslosigkeit zu unterstellen ist ja ziemlich einfach wie man an euch beiden sieht… von eurem Standpunkt aus darauf einzugehen was ihr an der durchaus vorhanden Argumentationskette nicht schlüssig findet, fände ich interessant. Viel interessanter jedenfalls als schlichtweg komplett abzulehnen und nicht auf einen einzigen ihrer Punkte einzugehen - das ist doch mindestens genauso panne wie etwas zu überschätzen und sich dagegen zu wehren.
Inhaltlich nehmt ihr drei da euch also meiner Meinung nach nicht viel, nur das die I cant relax in D. Leute sich wenigstens die Mühe machen sich dezidiert zu äußern und was auf die Beine zu stellen.
Manchmal reicht einfach eine Meinung, dann muss jeder selber sehen, ob er sie teilen kann oder nicht. Aber bitte.
Dein Kommentar dazu ist ja sehr interessant. Da sagst Du, ich würde der Initiative ein Mangel an Argumenten unterstellen. Das tue ich doch gar nicht. Im Gegenteil. Es gibt sogar sehr viele Argumente, die vorwiegend mangelnd differenziert sind, häufig Behauptungen über die “kulturelle Realität” in Deutschland aufstellen, die mir tatsächlich als bewusst verfälschend erscheinen und dabei “halbwissenschaftlich” formuliert werden, um der eigenen Argumentation Legitimität zu verleihen.
Im Kern - so die Argumentation - ist Nationalismus immer schlecht, weil es keine rationale Begründung dafür gibt (Das leuchtet bereits gar nicht ein. Du könntest dann auch sagen: Liebe ist immer schlecht).
Deutscher Nationalismus ist aber ganz besonders schlecht: ob der Vergangenheit dieses Landes, MUSS jede Form von Patriotismus oder Nationalismus, letztlich bereits der Satz “Deutschland find' ich gut” zwangsweise einen Kernbezug auf das deutsche Volk im nationalsozialistischen Sinne des Wortes haben. Darüber hinaus sind Deutsche vorwiegend möchtegern-weltoffen (“Afrika Wochen im Supermarkt”) während sie tatsächlich von rassistischer Gesinnung sind. Im weiteren sind Deutsche auch vorwiegend als moralisch minderwertig einzustufen, weil sie Menschrechtsverletzungen in aller Welt nur selektiv wahrnehmen (?????????????).
Ein Popsong in dem Sätze wie “Wir sind wir” auftauchen befördert nun aber den Nationalismus und ebendadurch die ausgesucht schlechten Eigenschaften deutscher Menschen. Deshalb sollte es keine nationalistischen Bezüge in deutschsprachigen Popsongs geben.
Weiter sagst du, du fändest es gut, wenn sich Leute darüber Gedanken machen, was “Deutschsein” bedeutet oder bedeuten könnte, bzw. wie die deutsche Musikbranche hier eine kulturelle “Umdeutung” vornimmt.
Ersteres ist aber gar nicht Gegenstand dieser Initiative. Der erklärte Zweck der Initiative ist doch, dass sie möchten, dass niemand den musikalischen Weg nutzt, um sich darüber Gedanken zu machen, was “Deutschsein” bedeuten könnte. Eine akzeptabler Inhalt für einen Popsong wäre höchstens: “Deutschsein” bedeutet gar nichts:
Letzte Frage des FAQs: Soll es jetzt nur noch Lieder gegen Deutschland geben? Nein. Wir sind schon glücklich wenn es keine Lieder für Deutschland gibt (leicht gekürzt).
Im wesentlichen propagiert diese Initiative eine “meinungsfreie” Popkultur (FAQ8) oder aber zumindest eine linkskulturell korrekte Popkultur.
Besonders lachhaft ist dabei, dass diese Initative in jedem zweiten Satz Toleranz predigt, während ein umfänglicheres Set an Meinungen (die man eben gut oder auch nicht gut finden kann) eindeutig als unerwünscht und nicht-tolerabel einstuft werden. Tatsächlich geht es der Initiative nämlich nicht darum, eine “Umdeutung” zu hinterfragen, sondern die linkskulturelle Deutungshoheit im deutschen Pop zu erhalten.
Letztlich wirft die Initative zwei Dinge durcheinander, die man so nicht durcheinanderwerfen sollte. Sie verbindet nämlich Nationalismus mit der allenthalben angestrebten Quotenregelung für deutsche Musik. Ich kann das zwar in Grenzen nachvollziehen und bin aus ganz anderen Gründen gegen eine Quotenregelung, aber auch die Argumentation: “Eine Quotenregelung führt zum Erstarken des bösen deutschen Nationalismus” ist äusserst schwach.
Wenn ich jetzt hinreichend erklärt habe, warum es sich um pseudo-intelektuellen Bullshit handelt, noch ein Wort zur Überschätzung: Sie reden über Popsongs. Sicherlich kann Musik so manches und manchen Menschen bewegen, aber meine Befürchtungen, dass ein Lied von Wolsheim, was von ein paar Goth-Girls gehört wird oder Mias “Wir sind wir” einen gewichtigen Beitrag zum Neuerstarken eines rassistisch motivierten Nationalismus in Deutschland leisten, halten sich doch sehr in Grenzen. Dabei sollte ich vielleicht darauf hinweisen, dass es der Initiative z.B. überhaupt nicht um rechtsradikale Schulhof-CDs geht. Es geht um “Mainstream-Pop”.
Was man der Initative zu Gute halten kann. Sie scheinen ein Restgespür dafür zu haben, worum es ihnen eigentlich geht und schreiben das auch auf: “Worum es einzig gehen kann, sind Basisbanalitäten”.
(Und ich habe nicht mal deren schlechtesten Argumente zitiert…)
Posted by: michael am 20.11.05 19:51“Pseudo-intelektuell”? - Näckische Schreibweise! :-P
Posted by: Tommi am 21.11.05 09:17jaja… :-)
Posted by: michael am 21.11.05 10:02Danke sehr! Michael- für die ausführliche Antwort. Erfreulich Inhaltlich Dein neuer Beitrag, wenn auch inhaltliche Alternativen der von Dir kritisierten Vorstellungen ein wenig zu kurz kommen. Vielleicht magst Du die noch nachreichen?
Manchmal muss man seine Meinung halt auch mal ein bißchen mit Argumenten unterfüttern damit andere sie teilen oder nicht teilen können.
Was man an positiven oder negativen Eigenschaften unter “Deutscher sein” subsumiert kann man genauso gut an anderen Begriffen fest machen. Der Begriff ist also weder Notwendig noch bezeichnet er irgendetwas konkretes. Ich glaube nicht das es “den deutschen” Charakter oder “die deutschen” Eigenschaften gibt. Ich denke das der Begriff meist benutzt wird um ein stupides “Wir” gefühl zu erzeugen. Die Intention, ob von meinem Standpunkt aus normativ verwerflich oder nicht, ist hierbei entscheidend :
jemand versucht “uns” von “den anderen” abzugrenzen und das finde ich sollte man ruhig mal kritisch und differenziert betrachten. Das leisten die I cant relax in Deutschland Leute nun nicht gerade, da gebe ich Dir gerne Recht. Trotzdem finde ich es schön das sie und ich Dich und mich dazu gebracht haben sich damit auseinander zu setzen. Und das können jetzt sogar Leute nachlesen und ganz vielleicht denken die dabei sogar selber darüber nach!
Toll dieses Bloggertum!
Ein hoch auf jeden der nicht nur kommentiert sondern auch dezidiert kritisiert!
Zurück zur Sache:
Meine Begründung gegen “die Deutsche” Identität wäre eher das meine Nationalität für meine Identität kaum eine Bedeutung hat, von daher halte ich auch nicht viel von Partiotismus oder der von Patrioten eingeforderten Loyalität. Loyalität setzt nämlich eine unkritische Distanz zu demjenigen oder der Sache vorraus dem/der gefolgt oder gefrönt wird.
Dieses “Wir” gesinge empfinde ich dementsprechend als Appel an den verdummenden Geist großer Menschenmengen den Leute beschwören (und in diesem Land schon beschwört haben - dessen kann man sich ruhig bewusst sein, oder?) welche bestimmten Menschen eines Nationalstaates ihre Individualität und Einzigartigkeit zugunsten eines angeblich biologisch, oder kulturell oder sonstwie gearteten und damit begründeten Wertesystems, welches bisher nunmal meist mit Nationaler Identität verknüpft war, absprechen. Zu diesem “Wir” gehört dann meist auch noch ein nicht gerade faires “die”.
In dieser Funktion sehe ich (instrumentalisierte) nationale Identität als hochgeradig problematisch an.
Meine Frage an dich und die Welt im allgemeinen bleibt also bisher unbeantwortet:
Wozu und warum benutzen Mia und Co. überhaupt diesen Begriff?
Weil er bisher von “den linken” negativ konotiert war und sie als liberale das ändern wollen?
Benutzen sie diesen Begriff weil sich eben jenes “Wir” Gefühl gut verkaufen lässt?
Oder steckt eben doch einfach garnichts außer “intellektueller bullshit” dahinter den man dann aber , wenn man sich schon darüber auslässt, mindestens genauso kritisieren sollte wie das dumpf auftretende Gegengewicht der I cant relax in DeutSchland Leute?
Entschuldige diesen Vorwurf, aber ich hoffe eben auf eine Schlaue Antwort von dir und um Leute aus der Resvere zu locken ist provokation eben ganz brauchbar… ;-)
Posted by: Tobbel am 21.11.05 15:07Die “schlaue” Antwort habe ich dir schon gegeben. Es ist gar nicht wichtig, welche Meinung ich persönlich dazu habe, um zu beurteilen, dass diese Initiative intellektueller Bullshit ist. Das liegt an der Art und Weise, wie sie ihre Argumente vorbringt und diese zu stützen versucht.
Ich fühle mich auch sachlich gar nicht hinreichend befähigt, die Frage zu diskutieren, was “deutsch sein” bedeuten könnte und will keine Diskussion darüber führen was es bedeuten sollte, das halte ich für unangemessen bis falsch.
Meine persönliche Meinung dazu wird dich wahrscheinlich ein bisschen enttäuschen. Im allgemeinen bin ich da sehr liberal. Wer gerne Patriot sein möchte…Aber bitte doch. Und wer gerne “Wir ist wir” oder ähnliche Lieder des “Mainstream-Pop” hört, der soll das doch bitte tun.
Wer aber derart starke Thesen aufstellt wie dieses Projekt, dass letztlich die Behauptung aufstellt, dass solche Lieder eine Form des völkischen Nationalismus absichtsvoll befördern wollen, der sollte seine These besser verdammt gut belegen können. Denn ich denke, dass das zunächst mal einen ziemlich gravierenden Vorwurf enthält.
Und wer eine Begründung in oben zusammengefasster Weise nicht hinreichend leisten kann, der sollte sich seine Thesen besser sparen. Oder damit leben können, dass andere Leute sich die Freiheit nehmen, das Ganze als bullshit abzutun.
Also ich kann damit leben.
Obwohl es irgendwie immer noch unbefriedigend für mich ist.
Wir sind ja nichtmal radikal genug Leute für doof zu erklären die Mia hören :-(
Wir sind uns einig das für diese Initiative keine ausreichende Begründung für ihre Vorwürfe liefert.
Die Frage was deutschsein bedeutet stellt sich uns beiden offensichtlich ebenfalls nicht.
Darüber was Mia und Co. bezwecken hast Du keine Lust zu spekulieren…
Über die Gründe der Bands (die teilweise echt geil sind- auch da sind wir einig) dann wohl auch nicht…
Sich mal die Texte reinzuziehen ist mir grad zuviel Müh und bei den Konzerten versteht man die ja nicht.
Ist vielleicht auch besser so, ich mag Moralische Dilemata ja auch nicht.
Deswegen werde ich mich jetzt entspannen.
Gute Nacht
Posted by: Tobbel am 22.11.05 01:10Ja, genau das meine ich. Kein Grund unentspannt zu werden :-)
Posted by: michael am 22.11.05 10:46Oh ist die Diskussion schon lange her. Nach 2006, Fahnenmeer. Immer noch vollkommen übertrieben?
Posted by: Jansen am 02.01.07 02:06