17.10.05

Große Koalition steht – so gut wie sicher

Heute beginnen nun die Koalitionsgespräche zur Bildung der zweiten Großen Koalition in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Nachdem die Schwarzen und die Roten ihre Personalfragen geklärt haben, sollen jetzt Inhalte geklärt werden. Bevor also der Kuchen gebacken ist, weiss schon ein jeder, welches Stückchen er bekommen wird. Noch Fragen?

Jedenfalls ein ziemlich sicheres Rezept, das die Zahl der dringlich Interessierten am Zustandekommen des schwarz-roten Gebildes signifikant erhöht. Die versprochenen Ministerposten sind sozusagen ein Appetithäppchen an die betroffenen Landesverbände und Parteiflügel, der ihnen ihre Abhängigkeit vom Erfolg der Verhandlungen verdeutlicht. Wer wollte da noch den Teig versalzen?

Helmut Schmidt beschrieb einmal die Arbeitweise der ersten Großen Koalition so: „Kompromiss in einer Koalition bedeutet die möglichst gleichmäßige Verteilung von Unzufriedenheit auf beiden Seiten“ (ZEIT). Zu diesen Kompromissen wird es nun wohl kommen.

Küchenkabinett vorn

Doch es war ein langer Weg dorthin. Wie allergisch reagierten da noch im Vorfeld der Bundestagsneuwahlen Union und Sozialdemokraten auf das Thema Große Koalition, was uns Blogger nicht davon abhielt schon frühzeitig darüber zu orakeln.

delphi.jpg Und wie heiß ging es erst in den Tagen und Wochen nach der Wahl her! Es wurde herumgeschwampelt, Merz zum Ersatzmerkelich erklärt und Schröder als ewiger Kanzler einer rot-grünen Minderheitsregierung gesehen. Israelische Heilslösungen wurden herbeigeschrieben, doch das Küchenkabinett wusste schon am Tag nach der Wahl warum Schröder fällt und Merkel steht. Ein unbescheidener Tusch für uns!

Die Realität passt sich also unserer Prophezeiung an, derweil die Legende von Angela Merkel als erster Frau an der Staatsspitze noch munter weiter verbreitet wird. Auch von Alice Schwarzer, die ich ansonsten sehr schätze.

Verfasst von Stefan am 17.10.05 16:07
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Kommentare

Weiter so!!!

Posted by: Berliner Roland am 17.10.05 17:04

Du schätzt Alice Schwarzer? Im Sinne von “auf 65 Kilo” (ohne damit eine positive oder negatie Konnotation zu verbinden), hoffe ich.

Posted by: michael am 17.10.05 19:39

Natürlich schätze ich Alice Schwarzer. Und ich muss sagen, dass ich manche Vorzüge dieser Dame erst über Dich kennengelernt habe oder mich durch Dich daran abgearbeitet habe. Ganz wie Du willst, jedenfalls würde ich sie ohne Dich hier sicher nicht loben. ;-)

Posted by: Stefan am 17.10.05 19:43

Die Kosten von 70 Allianz-Arenen jährlich nicht bemerkt? Stoff für Marinemaler.

Es fällt nicht immer leicht, an die Intelligenz der Deutschen zu glauben. So lesen wir in der Tagespresse, daß bei den aktuellen Koalitionsverhandlungen Einvernehmen erzielt sei, zur Sanierung der zerrütteten Staatsfinanzen JÄHRLICH 35 MRD Euro einzusparen. In Wahrheit wären mehr Einsparungen vonnöten. Mit den 35 Mrd sollen nur erneute Überschreitungen der EU-Defizitgrenze von 3% des BSP verhindert werden.

Womit kann man diese nicht mehr direkt vorstellbare Zahl vergleichen, um sie verständlich zu machen? Die Allianz-Arena in München hat etwa 500 Mio Euro gekosten (340 Mio, plus Infrastruktur von 160 Mio). Quelle: http://www.caparol.de/caparol/content?id=5201

Frisch gewählt verkünden unsere tollen Politiker jetzt nach der Wahl, daß sie die Kosten von 70 Allianz-Arenen einsparen wollen und zwar jedes Jahr neu, weil sie uns Wählern vorher nicht zumuten konnten, darüber zu reden. Sind die Politiker so blöd, oder verlogen? Oder sind wir Wähler so blöd und wlllen belogen werden?

Ich entsinne mich dunkel, daß Stoiber versucht hat, zu einigen Themen Tacheles zu reden (z.B. Wählerverhalten in Ostdeutschland) - da haben Presse und andere ihm aber ganz schön eins auf die Nuß gegeben.

Dabei sind die Folgen der störrischen Unbelehrbarkeit für jeden sicht- und auch schmerzlich spürbar. Die wirtschaftliche Flaute z.B. als Folge der verfehlten Wirtschaftspolitik wird nach Ansicht der einschlägigen Institute auch im kommenden Jahr kaum Wachstum bringen, das bedeutet steigende Arbeitslosigkeit. Da können die armen Mitarbeiter von Infineon in Neu-Perlach noch ein wenig rote Protestfahnen schwenken, das macht ihren Untergang für Marinemaler romantischer. Aber sie haben sich für diesen Weg schließlich an der Wahlurne entschieden.

Leider muß man zur Kenntnis nehmen, daß “der Deutsche” die Wahrheit nicht verkraftet sondern belogen werden will. Sie haben genau die Politiker, die Sie verdienen. So ein Verhalten kennen wir ja aus Deutschlands Geschichte. Ich hatte gehofft, daß man aus den 1000 Jahren von 1933-45 etwas gelernt hätte. Fehlanzeige, schade eigentlich. Oder?

Posted by: hazy hazyworks am 27.10.05 15:05
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