30.09.05
Neues aus dem Wilden Westen
Haben Sie sich in letzter Zeit einmal Gedanken darüber gemacht, den Winter in wärmeren Gefilden zu verbringen? Vielleicht in den Florida-Keys? Dann sollten Sie wissen, dass dort morgen das “Shoot-First-Law” in Kraft tritt.
Folgen Sie bitte den Hinweisen auf dem Bild links von Ihnen: Vermeiden Sie Streitereien, pöbeln Sie nicht beim Autofahren. Sollten Sie in einen Unfall verwickelt werden, bleiben Sie sitzen und zeigen Sie ihre Hände. Gehen Sie auch ansonsten jedem Ärger aus den Weg. In Florida ist ab morgen jeder Bürger berechtigt, in der Öffentlichkeit seine Waffe zu ziehen, wenn er sich an Leib oder Leben bedroht fühlt und Sie auf der Stelle zu erschiessen. Bewahren sie Ruhe und machen Sie im Falle eines Falles eine klare Geste des Sich-Ergebens. Legen Sie sich hin und strecken Sie die Hände von sich.
[Update] Oliver. Hier gibt es den Origianltext des Gesetzes [Update]
Florida hat ein neues Gesetz - und ein neues Problem: "Miami - Als bedrohlich empfundene Parkplatzstreitigkeiten und andere Meinungsverschiedenheiten dürfen im Zweifel mit vorgehaltener Waffe ausgetragen werden: Das erlaubt ein neues Gesetz, das mit...
Weblog: Blauer Blog am: 30.09.05 23:14
Es ist schon sehr erstaunlich, dass man bei diesem Link den Text des als schlecht dargestellten Gesetzes nicht sehen kann.
Posted by: Oliver am 01.10.05 11:32Da scheint im Wesentlichen drin zu stehen, dass Einbrecher Freiwild sind. Eine logische Konsequenz freien Waffenbesitzes.
Posted by: Oliver am 01.10.05 15:25Oliver,
AFAIK durfte gegen Einbrecher schon nach der Rechtslage vor dem 1. Oktober von der Schusswaffe Gebrauch gemacht werden.
Bisher ging jedoch die Rechtsprechung davon aus, dass bei einem (vermuteten) Angriff im öffentlichen Raum der (vermeintlich) Angegriffene die Pflicht habe, sich durch Flucht/Rückzug nach Möglichkeit dem Angriff zu entziehen. Nach dem nunmehr geltenden “stand your ground” gilt dies nicht mehr.
Die dahinter stehende Grundhaltung “Recht braucht Unrecht nicht zu weichen und darf mit Gewalt beantwortet werden” ist sicher schon kritikwürdig. Richtig problematisch sind aber die Irrtumsfälle und die Fälle, in denen ein Angriff lediglich im Nachhinein behauptet wird. Wenn es keine Zeugen gibt und der (vermeintliche) Angreifer tot oder so schwer verletzt ist, dass von ihm keine Aussage mehr zu erlangen ist, dann wird wohl der Täter straffrei ausgehen.
Ohne zynisch sein zu wollen: Gemessen an der gerade in Florida herrschenden Realität ist diese Gesetzesänderung nicht viel mehr als eine Beweislastumkehr zu Lasten der Staatsanwaltschaft. Vorher musste der Täter darlegen, dass er in Notwehr gehandelt hat - jetzt muss der Staatsanwalt beweisen, dass der Täter nicht in Notwehr gehandelt hat. Und wie soll das bewiesen werden, wenn es keine Zeugen gibt?
Den Gesetzestext (inklusive Begründung) gibt es auch hier: http://www.flsenate.gov/session/index.cfm?Mode=Bills&Submenu=1&BI_Mode=ViewBillInfo&Billnum=0249&Year=2005
Hier kann man ein Streitgespräch über das Gesetz zwischen einer NRA-Vertreterin und einem Mitglied der “Florida Coalition to Stop Gun Violence” verfolgen (Transkript/Video/mp3): http://www.democracynow.org/article.pl?sid=05/04/06/1421202
Posted by: Marian Wirth am 01.10.05 17:48Worum es geht ist, dass das Gesetz nicht länger auf Haus u. Auto beschränkt ist, sondern auf den öffentlichen Raum ausdehnt wird. Das erhält daruch schon eine andere Qualität.
Posted by: michael am 01.10.05 18:55So würde ich das nicht lesen. Es verändert ja nicht die Voraussetzungen unter denen tödliche Gewalt angewendet werden darf. Es entbindet den Angegriffenen nur von der Pflicht der Auseinandersetzung durch Flucht zu entgehen.
Für Haus und Auto soll aber wirklich gelten, dass jeder Einbrecher erschossen werden darf.
Kommentar eines amerikanischen Freundes: Das Gesetz schreibt nur fest, was schon lange so ist und sei auch eine Verbesserung. Damit dürfte er als Native American auch auf “White People” schiessen, vorher war das nur umgekehrt straffrei.
Posted by: Alex am 02.10.05 11:57