30.09.05
Lektionen in Demut
In der Sächsischen-Zeitung geben sich heute der Elefantenbulle und die -stute in einem Interview die Ehre (Bulle, Stute).
Interessant ist, dass beide recht versöhnliche Töne anschlagen. Besonders gut hat mir der Satz von Angela Merkel gefallen, sie nehme die” Wahlentscheidung mit Demut [..] zur Kenntnis. Was ein besonders hübschen Bild von Wähler und Politiker zeichnet. Selbstredend aus der Sicht eines Politikers. Ist Demut doch die Selbstbeschränkung des Menschen, der seiner eigenen Grenzen bewusst ist, gegenüber den allmächtigen Göttern. Was den Demos mithin zu den zürnenden Göttern des Politikers macht.
Zunehmend demütig präsentiert sich auch Schröder, der mit keinem einzigen Wort erwähnt, dass er Kanzler bleiben möchte. Auch inhaltlich herrscht freimütige Einigkeit. Man kann dann endlich mal zusammen Föderalismusreform machen, eine auf Wandel ausgerichtete Koalition der politischen Mitte zur Reformierung von Wirtschafts- und Sozialpolitik bilden, weil die Menschen mehrheitlich für den Wandel, sprich “nur” zu unter 10% die Linke gewählt haben.
Uneins scheint man eigentlich nur noch bei der Frage der Reihenfolge. Schröder will erst Verhandeln, dann Personalfragen klären, Merkel will erst Personalfragen klären und dann verhandeln. Schröder bleibt sich übrigens sicher: Grosse Koalition, was anderes wird es nicht geben. Während Merkel noch ein bisschen Sondieren möchte. Beide freuen sich darauf, dass Sonntag um 18 Uhr die ganze Show endlich vorbei ist. Bemerkenswert, wie häufig die beiden in den Interviews fast wortwörtlich dasselbe sagen. Jaja, es ist Paarungszeit im Gehege.