29.09.05

Neue Köpfe


Nein, ich rolle hiermit nicht die Kabinettsspekulationen um eine Große Koalition wieder auf. Es beschäftigen sich schon genügend Medien mit Münte als Vizekanzler, Stoiber als neuem Schily und dem Posten des SPD-Generals.
Ganz nebenbei findet auch außerhalb Berlins ein großer Personalwechsel statt. Es rotiert das Personalkarussell dieser Tage und zwar so schnell wie sonst in Jahren nicht und so geraten Meldungen, die zu jeder Zeit eine Headline wert wären, nun beinahe unkommentiert in den Hintergrund.
Hier jetzt also ein Versuch, etwas Klarheit in den föderalen Klüngel zu bringen.

Dass Stoiber Bundesminister wird, scheint ausgemachte Sache. Doch wer wird sein Nachfolger in der bayrischen Staatskanzlei? Es wird Beckstein erwähnt. Kein Wort mehr vom jahrelangen Stoiberschen Ziehkind und Schoßhund Erwin Huber. + Halt. Gerade nun hat er sich endlich gemeldet. Er „trete an“. + Wo sind die Berichte über die zu erwartenden Diadochenkämpfe in München? Ich finde sie nicht. Vom Gerede über die Große Koalition überschattet.

Die große Koalition wurde unter Bremens Bürgermeister Henning Scherf zum Erfolgsmodell. Der nimmt nach zehn Jahren Amtszeit „das Recht auf ein Leben nach der Politik“ in Anspruch. Und wer wird nun Bremens Landeschef? Ziemliches Schweigen im Blätterwald.

Gleichzeitig bahnt sich ein Wechsel an der Brandenburger CDU-Spitze an. Innenminister und Vize-Regierungschef Schönbohm, der mit 20,6 Prozent das schlechteste Unionsergebnis einfuhr, wird wohl zugunsten des brandenburgischen CDU-Wirtschaftsministers Ulrich Junghanns das Feld räumen. Auch der Rückzug des prominenten Ex-Generals bleibt fast unbemerkt.

Dann gäbe es da noch die Kausa Müller. Der saarländische Ministerpräsident und CDU-„Kompetenzmann“ wird als heißer Anwärter für das Amt des Arbeits- und Sozialminister gehandelt. Mehr nicht. Keine Diskussionen über seine Nachfolge im Saarland.

Es gab einmal Zeiten, da war der Nachfolgekampf zwischen einem bayrischen Innenminister und einem Bundesfinanzminister um den Posten des bayrischen Ministerpräsidenten beherrschendes Thema der Bonner Republik. Heute scheint jedes Ministeramt in Berlin für die Medien interessanter zu sein als jeder Landesfürstentitel. Verdammt kurzsichtig, wenn man mich fragt.

Verfasst von Stefan am 29.09.05 09:48
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