28.09.05

Wissenschaft, Publikum, Medien

Es gibt Dinge, die vertragen sich ganz schlecht miteinander. Das fällt mir immer auf wenn Politologen und Staatsrechtler in Fernsehen oder Zeitungen auftauchen, um deren Berichten ein Hauch von angeblich “kompetenter” Information zu verleihen.

Das führt dazu, dass sie zwei oder drei recht klug klingende Sätze ablassen, bevor man sich wieder dem journalistischen Tagesgeschäft zuwendet. Im besseren Fall. Im schlechten Fall führt es dazu, dass die Wissenschaftler auf die Idee kommen, sie müssten dringlich ein möglichst breites Publikum erreichen.

Mein Lieblingsbeispiel dafür ist Hans Herbert von Arnim. Ja, genau. Der Staatsrechtler aus Speyer. Da ist noch der Hauch von Adel mit dabei, das macht sich immer besonders gut. Der schreibt Bücher mit Titeln wie “Fetter Bauch regiert nicht gerne” mit derart populistisch reisserischer Sicht auf Deutschland, dass man glauben mag bei soviel Korruption wie hierzulande müssten wir eigentlich auf den Philippinen sein und nicht in Deutschland.
Und weil er solche Bücher schreibt, wird er auch immer gerne von Zeitungen interviewt. Tatsächlich ist es der einzige Wissenschaftler, den ich kenne, dessen Narzismus in Hinsicht “Ich will von der Masse wahrgenommen werden” so weit geht, dass er auf seiner Homepage die Presseartikel sammelt, in denen er zitiert wird. Das schlechte daran ist: Um erwähnt zu werden, ist es für solche Leute nicht wichtig, Sinnvolles von sich zu geben. Das darf ruhig völlig erratisch sein. Muss ja schliesslich ins journalistische Tagesgeschäft passen.

Da kann man an einem Tag lauthals beklagen, dass es so schrecklich furchtbar sei, zu beobachten, wie sich Wahlkämpfe immer weiter personalisieren. Und ein paar Tage später kann man sich dann hinstellen und behaupten, die beste Lösung für Deutschland sei bestimmt ein Mehrheitswahlrecht. Hat man gleich wieder zwei, drei Einträge für die eigene Pressemappe gesammelt.

Ärgerlich daran, ist natürlich, dass schlechte und inkonsitente Informationen als wissenschaftliche Erkenntnis verkauft werden, weil sie vom adeligen Prof. Dr. stammen. Statt deutlich darauf hinzuweisen: Macht Euch um das, was der Mann von sich gibt, mal keinen Kopf. Der ist wie Daniel Küblböck, der will nur auffallen.

Verfasst von Michael am 28.09.05 18:38
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Kommentare

Und da ist er leider nicht der einzige aus der Zunft…

Posted by: lambach am 28.09.05 22:21

Wer mal herzlich lachen möchte, lese besonders gerne jedwedes Buch das der gute Mann zum Thema Probleme der repräsentativen Demokratie geschrieben hat. Da möchte man als Fan von ergänzender direkter Demokratie schreien: Bitte… unterstütz mich nicht.

Posted by: Philip am 29.09.05 01:24
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