28.09.05
Heimat großer Töchter, Söhne
Das Küchenkabinett Partner- und Kooperationsland Österreich erwägt einen Gender-Mainstreaming Eingriff in seine Nationalhymne “Land der Berge, Land der Ströme” (Wikipedia) vorzunehmen. Ändern will man alle Teile, die von männlich imprägnierter Sprache zeugen.
So soll es in der ersten Strophe nach dem Willen der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen, Maria Rauch-Kallat, künftig in der ersten Strophe statt “Heimat bist du großer Söhne” nun “Heimat großer Töchter, Söhne” und in der dritten Strophe statt Vaterland Heimatland heissen.
Klar, dass so ein Vorhaben die Gemüter ein wenig ins Wanken bringt. Da fragt man am besten nach der Meinung der “Krone”, weil das ist so ein bisschen wie nach der Meinung der Bild fragen, und stellt fest: Was ein Blödsinn. Das schert die Frauen in Österreich nämlich herzlich wenig, ob das jetzt Vater- oder Heimatland oder Töchter-Söhne oder Söhne heisst.
Die Diskussion ruft natürlich das österreichische Klein-Bloggerstal auf den Plan. Nationalhymne-Umschreiben ist gerade schwer angesagt. Das hatten die Verantwortlichen Herren und Damen Politiker natürlich nicht gewollt. Also hat man gerade, die Meldung über den Ticker gejagd, das das lästerliche Umtexten der Nationalhymne durchaus mit sechs Monaten Knast bestraft werden kann.
Claudia Roth hat schon freudig bemerkt, dass man es bei Gelegenheit mal den Österreichern gleichtun könnte. Aber vorsicht, wenn es soweit ist. Bei den Österreichern reden wir über ein eher kulantes Strafmass. Im StGB §90 wird dem deutschen Staatsbürger gleich mit drei Jahren Haft gedroht.
Verfasst von Michael am 28.09.05 13:37Nie wieder will ich mich über Bestrebungen der US-Regierung lustig machen ein “Sanctity of the Flag”-Ammendment zur Verfassung durchzupeitschen. Allerdings dürfen wir ja trotz Gesetzesregelung noch unsere eigenen Flaggen verbrennen. Ganz wie in den USA momentan.
Posted by: Philip am 28.09.05 14:48Wie meinst Du das denn? Wird nicht verfolgt, oder was?
Posted by: michael am 28.09.05 14:54Das besonders interessante dabei ist, daß es lebende Rechtgeeigentümer an der Nationalhymne gibt, welchselbige — zumindest berichtet so das hiesige U-Bahn Gratisblatt — zu einer Änderung keine Einstimmung geben werden.
Im Grunde ist das Problem ja nur entstanden, weil die alte österreichische Nationalhymne, das Haydnsche Kaiserquartett von Hoffmann v. Fallersleben für Deutschland gekidnappt wurde.
Was in .at im Moment etwas interessanter ist, sind die bevorstehenden Wahlen. Einen Primer für Piefke gibt's dazu demnächst.
Posted by: TH am 28.09.05 16:10ich bitte unbedingt darauf bedacht zu nehmen, dass die hauptaussage meines oben verlinkten beitrages NICHT das umschreiben der nationalhymne ist, sondern das herausheben der tatsache, dass die österreicher endlich wieder was gefunden haben, worüber sie freudigen herzens jammern können.
Posted by: HumanaryStew am 28.09.05 16:52@michael: Amerikanische Flagge verbrennen, solange es deine eigene ist, ist abgedeckt von “free speech”. Ebenso wie “Fuck the draft” auf der Jacke zu Zeiten des Vietnamkriegs. Oder Polizisten dämliche Arschlöcher nennen… Ob man es danach allerdings noch bis zum Supreme Court schafft wage ich zu bezweifeln… Man fällt auf dem Weg scherlich ein oder zwei mal mit den Zähnen auf die Bordsteinkante ;-)
Posted by: Philip am 29.09.05 01:27Nicht gestattet ist es dagegen, einem Sicherheitsbeamten der TSA am Flughafen vorzuwerfen, er 'lebe in einer Blase', wenn er gerade dafür gesorgt hat, dass man sein Flugzeug verpasst. Freie Meinungsäußerung kann etwas uneben sein.
Posted by: lambach am 29.09.05 08:22Gesungen: “Töchtersöhne”. Das sind für mich die Enkel. Die Kerls stünden also weiter in der ersten Reihe oder Zeile.
Eine wunderbare Diskussion!