23.09.05

Die Grünen trauen sich nicht

Es ist die Angst vor dem Wähler, die die Grünen umtreibt. Das Gefühl, ihm nach einem Jamaika-Experiment nicht mehr in die Augen sehen zu können. Vorläufig soll es keine weiteren Gespräche mit der Union geben. Dabei ist die Angst völlig unbegründet.

Es ist doch so. Die Union wird zwangsweise ein gutes Stückweit von ihren wirtschaftspolitischen Vorstellungen abrücken müssen. Zumal dann, wenn sie eine grosse Koalition eingeht. Neben einer guten Verhandlungsposition bei ökologischen Themen, stehen deshalb auch die Chancen auf wirtschaftspolitische Zugeständnisse gar nicht schlecht.
Inhaltlich gesehen, können die Grünen als viel reissen. Das könnte den Wähler schon ein bisschen beschwichtigen.
Aber darüber hinaus haben sich doch die Grünen in den letzten 7 Jahren als Großmeister darin präsentiert, säuberlich zwischen Erfolgen, die ihnen zuzuschreiben sind, und diversem Bockmist der SPD zu trennen. Wenn etwas schief gelaufen ist, war immer die SPD schuld, wenn etwas gut ging, haben die Grünen dafür gesorgt, dass es auch, manchmal sogar vornehmlich, ihnen zugeschrieben wurde.
Wo ist denn bitte die Garantie dafür, dass man angesichts der personellen Umbrüche in einer Oppositionsrolle die Wählerschaft besser halten könnte?

Verfasst von Michael am 23.09.05 14:14
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Kommentare

Sehe ich ähnlich. Warum nicht mal was Neues wagen? Ich habe zwar rot gewählt, aber nur um für eine große Koalition vorzusorgen und hätte nach Sonntag Abend am liebsten meine Stimme zurück verlangt. Heute bei einem “Hot Coffee, hot issue”Frühstück hier hat ein Yale-World-Fellow (Sascha Müller-Kraenner, zufällig von der Heinrich-Böll-Stiftung) aus Deutschland auch Mut gemacht für Jamaica. Warum nicht? Gute Reformen mit einem sozial und wirtschaftsliberalen Double? Da kann ich schwarz verschmerzen. Und Beckstein kann in Mordor bleiben ;-)

Posted by: Philip am 23.09.05 16:34

Ich weiß nicht, ob sich die Grünen nicht trauen. Die Grünen mit der CDU mag ja noch gehen, aber eingeklemmt zwischen Beckstein-CSU und FDP wäre was ganz anderes. Da dürften die Gemeinsamkeiten dann schwinden. Außenpolitisch würden die Türkeifrage und innenpolitisch dürften Bürgerrechtsfragen programmatisch unüberwindliche Gegensätze sein, in denen sich auch schwer ein Kompromiss erringen ließe und den eigenen Wählern zu verkaufen wäre.

Ich halte ja immer noch die Rote Ampel aus SPD/FDP/Grüne für die Konstellation mit der größten Schnittmenge. Das will aber die FDP partout nicht machen.

Posted by: Tobias am 23.09.05 18:04

Was gäbe es denn da zu trauen? Ich finde es ziemlich offensichtlich, dass die Jamaika-Gespräche nur taktisches Geplänkel seitens der Union sind, um im Poker um die Große Koalition noch so tun zu können, als hätte man Alternativen.

Posted by: lambach am 23.09.05 21:27

Seh ich auch so. Wie sollte man der Unionsbasis das Bündnis mit den “Ideologie-Spinnern” denn verkaufen?
Abgesehen davon hätte der Grünennachwuchs aus der zweiten Reihe im Gegensatz zu der jetzigen Führungsrige bestimmt keine Vorbehalte gegen schw-g-g. Aber dann bleibt von der einstigen Gründungsidee nicht mal mehr ein Hauch übrig. Das wär'n dann nur noch bessere (?) Linksliberale….

…und könnten vielleicht ne Fraktionsgemeinschaft mit der FDP eingehn ;)

Posted by: Marcel am 24.09.05 02:46

Wie könnte denn Jamaica aussehen?
Die Grünen retten den Atomaustieg,bremsen zusammen mit der FDP Beckstein (ein bisschen), und ansonsten segnen sie den sozialen Kahlschlag der Neo-libs ab?

Kann das wirklich jemand der Grün gewählt hat wollen?

Tobias S. der mit dem anderen Tobias nicht identisch ist

Posted by: Tobias Steinhorst am 24.09.05 10:57

Wie ich schon sagte: Wenn die CDU mit der SPD geht wirds auch nichts mit dem Kahlschlag. Wem man da entgegenkommen muss kann der Union ja gleich sein.

Im übrigen würde wahrscheinlich selbst mit der Union alleine nichts aus einem Kahlschlag werden. Die sind ja nicht doof und wissen, für welchen Mumpitz sie vom Wähler abgestraft worden sind. Geredet wird im Wahlkampf eh' viel.

Posted by: michael am 24.09.05 19:34

Ja, aber in einer Jamaike Koalition würde die FDP Druck machen, und wäre Merkel definitiv Kanzlerin, die würde auf Kahlschlag bestehen.

Ob Merkel in einer großen Kanzlerin wird,bleibt abzuwarten und zusammen mit der SPD hätten die Teile der CDU die sich noch daran erinnern mal Volkspartei gewesen zu sein, mehr Gewicht.

Auserdem könnten die Reformer alle ausgebliebenen Reformen auf die SPD schieben, in einer Jamaika Koalition mit der unterschiedlichen Gewichtungschieben. könnten sie das kaum auf die Grünen ab

Posted by: Tobias Steinhorst am 25.09.05 13:47

Dass “Kahlschlag” und Volkspartei schwer zusammen gehen, haben Wahlkampf und Wahlergebnis gezeigt. Insofern sollten die entsprechenden Teile der CDU ohnehin Aufwind bekommen.

Posted by: Sebastian am 25.09.05 13:55
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