21.09.05

Wer wie gewählt hat

Zur Erinnerung: Im Vergleich zu 2002 sah das Wahlergebnis der beiden grossen Parteien so aus: Die SPD verlor 4.3, die CDU/CSU 3.3 Prozentpunkte.

Spannend ist immer die Frage wo die Parteien überdurchschnittlich gewonnen und verloren haben. Zur Erinnerung: Im Vergleich zu 2002 sah das Wahlergebnis der beiden grossen Parteien so aus: Die SPD verlor 4.3, die CDU/CSU 3.3 Prozentpunkte.

Da kann man mal bei den Frauen anfangen, denn in den letzten Tagen ging mehrfach durch die Medien, die hätten besonders stark die SPD gewählt, einen Merkel-Frauen Faktor hätte es nicht gegeben. Das gilt es aber zu relativieren. Die SPD hat bei den Frauen nämlich 5.6% eingebüsst, insbesondere bei den 30-44jährigen (7.7). Die CDU hat dagegen nur 1.4% der weiblichen Wählerstimmen verloren, also bedeutend weniger als im Durchschnitt. Insgesamt liegt die SPD nur noch marginal oben auf, wenn es um Frauen geht: Mit 35.1 zu 34.8% Punkten.

Bei den Herren der Schöpfung, die mit 35 zu 33% mehrheitlich CDU gewählt haben, verhält es sich umgekehrt. Die CDU hat hier 5.3 Punkte, die SPD nur 3.1 Punkte eingebüsst. Besonders hohe Verluste der CDU finden sich bei den Jungwählern (18-29) und bei den Herren fortgeschritten Alters (45-59). Besonders schlecht schneidet die SPD erneut in der”junge Familien”-Alterskategorie der 30-44 jährigen ab.

In Sachen Bildung verliert die CDU/CSU stark in der Kategorie “ohne Abschluss” (7.7), was natürlich auch wahlberechtigte Schüler umfasst, bei der SPD gilt je höher der Abschluss desto geringer die Verluste.

Bei den Arbeitslosen verlieren beide Parteien überdurchschnittlich stark: Die CDU 6.9 die SPD 7.3 Punkte. Gravierend waren selbstredend die Verluste der CDU bei den Selbstständigen: 10.7% und bei den Arbeitern (7.4). Die SPD verliert bei den Angestellten 6.3 Punkte.

Bleibt noch die Frage nach der konfessionellen Wahl zu klären. Krasse 4.4% der Katholiken sind von der CDU abgewandert.

Konnten die beiden Grossen trotz der allgemeinen Verluste auch irgendwo Gewinne gegenüber den letzten Wahlen erzielen? Nach Geschlecht und Alter betrachtet gehen nach allen soziodempgraphischen Merkmalen die Wählerschaft zurück. Mal mehr mal weniger. Auch nach den anderen Merkmalen zeigen sich bei der CDU durchweg Verluste. Aber die SPD konnte mancherorts gegenüber 2002 zulegen. Interessanterweise bei den Selbstständigen (+2.0). Zu erklären vielleicht damit, dass Landwirte in diese Kategorie fallen. Und bei den Beamten (+2.2). Das ist natürlich rationales Eigeninteresse, will doch schwarz-gelb den schlanken Staat.

Ich weiss das natürlich wie immer von Dr. Viola Neu von der KAS, die Frau, die immer die Schnellste ist, wenn es darum geht, gute Daten öffentlich zu machen (PDF, 1.7 MB)

Verfasst von Michael am 21.09.05 12:07
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Kommentare

Nachdem scheint's beide verloren haben, und es ganz und gar nicht sicher ist, daß die Wähler von rot zu schwarz gewandert sind, wäre die Betrachtung vollständiger und interessanter, wenn du auch die kleinen Parteien zumnidest erwähntest.

Posted by: TH am 21.09.05 14:17

Da muss dann jeder selbst bei Viola Neu Tabellen studieren gehen…

Posted by: michael am 21.09.05 15:29

Für uns ist das ein interessantes Zahlenspiel. Wenn aber Poltiker auf sie schauen, haben sie stets im Hinterkopf, welcher Gesellschaftsgruppe sie mit politischen Geschenken in den A… kriechen müssen.

Dabei kommt es nicht auf Zahlen, sondern auf Vernunft an. Alle(!) Ansichten verdienen Anerkennung - siehe dazu auch hier: http://www.tiuz.de/ftopic58.html

Praktisch sind Bewegungen zwischen den Parteien ein Zeichen dafür, welche Forderungen und Meinungen von nun an weniger wichtig sind. Bei 2-5 % Veränderung bezweifle ich aber dessen Gewicht.

Posted by: TC Stahl am 22.09.05 00:43

Mit wenigen Ausnahmen wäre deine These dann also belanglos. Da das Parteiensystem immer noch stabil genug ist, damit sich auch einzelne Wählersegmente selten in grösserem Ausmass verschieben.

Darüber hinaus halte ich Volatilität für einen besonders schwachen Indikator für die Frage welche Meinungen und Forderungen von nun an wichtig und weniger wichtig sind. Wenn Du es so meinst, dass damit das Mächteverhältnis zwischen den Parteien verändert wird, ist es ein Gemeinplatz. Dann können deine 2-5% aber schon recht viel Machtverschiebung bewirken.

Wenn Du es als Spiegel der Bedeutung von Meinungen und Forderung, die von der Gesellschaft als wichtig wahrgenommen werden siehst, dann krankt die These gewaltig an der optimistischen Annahme das Forderungen und Meinungen der Parteien die Wahlentscheidung determenieren.

Posted by: michael am 22.09.05 02:33
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