20.09.05
Erster Elefant macht Platz für Jungbullen
Joschka Fischer geht als erster. Eine Regierungsbeteiligung seiner Person will er noch nicht ausschliessen. Was er von einer Jamaika-Koalition hält, hat er aber bereits mehrfach klargemacht. Aber in der Partei möchte er kein Spitzenamt mehr bekleiden. Weg mit der Macht, her mit der verlorenen Freiheit, ein bisschen in den hinteren Reihen mitmischen. Da denkt man gleich an Joschka im Wahlwerbespot, genüsslich mit einem Grashalm spielend.
Konkret heisst das auch, dass Fischer möglichen Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition nicht im Weg stehen wird. Das lässt schwarz-gelb-grün viel wahrscheinlicher werden. Insbesondere wenn man an die Absurdität der jüngsten Gauweiler-Ideen eines Kanzlerrotationsmodells in der Großen Koalition denkt. Es zeigt auch, dass die Grünen sehr genau wissen, dass es keine Ampel geben wird. Es ist leichter vorstellbar, dass Schwarz-Gelb den Grünen in zentralen Punkten ihres ökologischen Kernprogramms entgegenkommen können, ohne sich dabei ein Bein auszureissen. Im umgekehrten Falle wäre es für rot-grün ungleich schwerer, der FDP ein Angebot zu machen, dass deren wirtschaftspoltischen Kernprogramm deutlich entgegenkommt.
Der Punkt ist: Den Grünen könnte es gelingen, den Atomausstieg durch eine Jamaika-Koalition hindurch zu sichern. Da kann man sich auf die SPD in einer Großen Koalition nämlich kaum verlassen. Und für die Grünen wäre das bereits ein ziemlicher Erfolg. Anreize für Zugeständnisse in dieser Frage gibt es nämlich auch für schwarz-gelb: Man würde dann um die anzunehmenden öffentlichen Proteste bei einem Wiedereinstieg herum kommen.
Verfasst von Michael am 20.09.05 16:16