19.09.05

Ein Dankeschön an Guido Westerwelle

für staatsmännisches Verhalten.
Bei all dem Trubel, all den selbsterklärten Gewinnern, all dem wahlabendlichem Wahnsinn ist seine Position durchaus konsequent. Mir schmeckt zwar die Ampelverweigerung nicht besonders, aber ich kann ihr folgen. Denn sie stellt die einzige Argumentation mit dem vielbeschworenen Wählerwillen dar, die ich schlüssig nachvollziehen kann. Die FDP hat nunmal deutlich nach den Ich_kann_Schröder_nicht_mehr_sehn_CDU_geht_aber_garnicht_klar Wählern gefischt und aus dem Lager auch gute Resonanz erzielt.
Darüber hinaus hat er davon Abstand genommen wild in der Gegend rumzubeleidigen oder (wie sonst immer mal wieder) den Kasper zu machen. Ein bisschen Höflichkeit stünde unserer politischen Bühne eben gut zu Gesicht.

Verfasst von Sebastian am 19.09.05 21:34
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Kommentare

Höflichkeit ist überschätzt. Ich bin eher für die deutliche Aussprache. Muß der Bayer in mir sein.

Posted by: TH am 19.09.05 21:56

Beides muss sich meines Erachtens nicht unbedingt widersprechen.Es gibt schon einen Unterschied zwischen “Voll vorn Bug” und “Unter die Gürtellinie”.

Posted by: Sebastian am 19.09.05 22:07

Du hast ja recht. Nur wo die Gürtellinie genau ist, das wiederum ist debattierbar.

Posted by: TH am 19.09.05 22:12

Klar, in jedem Fall einzeln, gibt uns was zu tun. Deine Deutliche Aussprache mag ich da, wo es auch was auszusprechen gibt.
Ich habe den Wahlkampf und den Wahlabend als immens schmutzig empfunden, was ich zwar vom Unterhaltungswert her immer wieder nett, insgesamt aber eher unangenehm finde.

Posted by: Sebastian am 19.09.05 22:19

Ganz allgemein haben sich m.E. die kleinen Parteien nach der Wahl deutlich souveräner dargestellt als die großen Streithähne (wobei ich die CSU unter die Union subsummiere). In meiner Umgebung mehren sich mittlerweile die Stimmen, die von BEIDEN Kanzlerkandidaten die Nase gestrichen voll haben.

Posted by: DemonDeLuxe am 19.09.05 22:20

@Demon Stimmt. Die Grünen haben es geschafft, Regierungsverantwortung zu übernehmen, die damit verbundenen internen Krisen zu meistern und solide daraus hervorzugehn.Das kam dann Gestern auch rüber.

Posted by: Sebastian am 19.09.05 22:26

Guido Westerwelle rudert doch schon einen Tag später wieder zurück (Jamaica). Er repräsentiert den Ausstieg des Staates aus nahezu allen Bereichen und das Konzept beginnt sich gerade zu überleben. Also, entweder erfindet er sich wieder neu (18% Kanzlerkandidat hatten wir ja auch schon), oder Brüderle und Gerhard nutzen die letzte Chance nochmal in die Ampel-Regierung zu kommen. Genscher hat es 1982 auch nicht gejuckt, als er Helmut Schmidt im Stich gelassen hat, obwohl er da auch kräftig bei den Wahlen gegen Strauß abgeräumt hat, um die absolute Mehrheit der SPD zu verhindern.

Posted by: claus wichmann am 19.09.05 22:30

Also über die Inhalte der FDP kann man geteilter Meinung sein (für die eine Seite: Claus), über die Taktik bin ich äußerst enttäuscht. Sicher, das ist konsequent, wenn sie sich auf ihren Parteitagsbeschluss beruft, dass nur Schwarz-Geld geht, sonst gehe man in die Opposition. Aber wem nützt denn dieser Purismus? Nach meiner Ansicht sind Wahlstimmen auch Verantwortung, und zwar die Verantwortung, konstruktiv an der Regierungsbildung mitzuarbeiten (oder dies wenigstens in Betracht zu ziehen). Mit einem derart großen Stimmenblock von beinahe 10%, der somit automatisch der Opposition zugeschlagen wird, erhöht die FDP die Hürde, die eine neue Koalition überspringen muss. Gemeinsam mit der Linkspartei sind das fast 20% der Sitze, die anscheinend für keinerlei Koalition zur Verfügung stehen. Das finde ich bedenklich.
Mit derartigem Fundamentalismus dient die FDP der Demokratie schlecht. Man kann halt nicht immer das Ergebnis bekommen, das man will, und wenn der Souverän der FDP ihre Wünsche nicht ganz erfüllen will, dann muss sie das schlucken und trotzdem konstruktiv bleiben, anstelle sich in den Schmollwinkel des verwirrten Siegers zurückzuziehen.

Posted by: lambach am 20.09.05 08:32

Die FDP hat nunmal deutlich nach den Ich_kann_Schröder_nicht_mehr_sehn_CDU_geht_aber_garnicht_klar Wählern gefischt und aus dem Lager auch gute Resonanz erzielt.

So ein Unsinn!

Ohne die Zweistimmen der CDU-aber-bloss-keine-grosse-Koalition Wähler hätte die FDP Schwierigkeiten mit den 5% gehabt.

Posted by: Felix Deutsch am 20.09.05 23:38

Ich fands nicht besonders staatsmännisch, den Parteivize der SPD des “STALKINGS” zu bezichtigen und zu betonen, dass das in Deutschland verboten ist. Und das nur, weil der SPD-Mensch Stiegler (?) es gewagt hat, die FDP wegen Sondierungsterminen zu konsultieren.
Westerwelle könnte jetzt noch mehr Staatsmann sein und kurzfristig über die inhaltlichen Schnittmengen seines Parteiprogramms mit denen möglicher Koalitionspartner nachdenken…anstatt von vornherein alles abzulehnen, nur weil es von der SPD kommt. Ich denke, die Wähler haben ein Recht darauf, dass gewisse Themen einfach weiter bearbeitet werden, unabhängig davon, von welcher Parteifront das initiiert wird….

Posted by: Petra76 am 21.09.05 00:04

Da fehlt ihm aber der gute Grund…

http://kuechenkabinett.org/archives/2005/09/20/erster_elefant_macht_platz_fuer_jungbullen.html

Posted by: michael am 21.09.05 00:11
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