19.09.05

Der Merz machts

Von den vielen Interview-Fragmenten, die Gestern unentwegt und immer wieder über den Bildschirm flackerten finde ich besonders erwähnenswert, das von Friedrich Merz.

… Der Wahlkampf ist nicht optimal [rhetorische Pause] geführt worden

Nicht etwa: “Der Wahlkampf ist nicht optimal gelaufen” oder unpersönlich “Im Wahlkampf ist es zu einigen Fehlern gekommen”. Nein, die Führung des Wahlkampfes war nicht optimal.
Wozu stellt sich Merz da auf? Das große “hättet Ihr mal auf mich gehört” - comeback?

Wie wäre es denn mit folgender Variante: Nehmen wir mal an, Schröder wird trotz seines unsäglichen “Rumgewälze” in der Elefantenrunde nicht abgesägt und bleibt bei der Absage an eine von Angela Merkel geführte große Koalition. Auf der anderen Seite ist es absurd anzunehmen, dass die Union bei den gegenwärtigen Ergebnis bereit ist, Schröder das Ruder zu lassen. Also, beide Spitzenkandidaten nehmen ihre Hüte, die Rige der starken Ministerpräsidenten blockiert sich bei der Thronbesteigung gegenseitig und schwupps aus der Ecke taucht der als kompetent wahrgenommene Einzelgänger Merz auf und wird als geringstes Übel aufgestellt.
Zugegeben, ein unwahrscheinliches Szenario, aber jedenfalls ein hübsches Gedankenspiel.

Verfasst von Sebastian am 19.09.05 11:59
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Weblog: Küchenkabinett am: 19.09.05 20:41
Kommentare

Also, dass beide Möchtegern-Kanzler abgesägt werden, halte ich sogar für wahrscheinlich. Aber der Ex-Punker aus dem Sauerland als Einwechslung? Nee, bestimmt nicht.

Posted by: Marian Wirth am 19.09.05 12:23

In dem Falle kommt es wohl zur Neuwahl.

Posted by: Oliver am 19.09.05 13:06

Die gibt es wohl ohnedies innerhalb der nächsten zwei Jahre.

Ich bin mir nach wie vor sicher, dass Christian Wulff die Wahl (und eine eventuelle Neuwahl) haushoch gewonnen hätte bzw. gewinnen würde. Meiner politischen Ausrichtung entspräche ein Bundeskanzler Wulff zwar nicht, aber mir wäre er lieber als alles, was jetzt so ansteht.

Posted by: Marian Wirth am 19.09.05 13:27

Ich würde eher auf Müller setzen, aber Wulff täte es auch. Aber klar ist wohl, dass falls die Merkel jetzt nicht Kanzlerin wird, sie weg vom Fenster ist. Und das verdient hat. Sie hat versagt. Sie muss wohl hoffen, dass die SPD Schröder nach Dresden rauswirft. Ansonsten wird das nichts mehr.

Posted by: Oliver am 19.09.05 13:55

Joschka 4 Kanzler ;O)

Posted by: DemonDeLuxe am 19.09.05 16:03

@Oliver: meiner Meinung nach hat Müller zu wenig Lobby innerhalb der Union, auch wenn sich das nach den scheinbaren Auflösungserscheinungen am sozialen Rand der CDU anders werden mag. Eine Palastrevolte innerhalb der CDU schließe ich nicht aus, aber es wäre völlig offen, wer diese anführen soll. Timing ist da essentiell: zu früh, und man ist ein Verräter, zu spät, und die Sache ist schon gelaufen. Merkel hat im Spendenskandal den rechten Zeitpunkt erwischt, doch ob das in der verdichteten Atmosphäre und der kurzen Zeit jetzt noch jemandem gelingen würde. Insofern spielen die Prätorianer (Wulff, Koch) wahrscheinlich eher auf Zeit und planen für eine eventuelle Neuwahl 2007.

Posted by: lambach am 19.09.05 16:34

2007 wäre die Merkel seit zwei Jahren Kanzlerin. Dann kriegt man sie nicht mehr weg. Entweder nach der erneuten Auflösung oder nie.

Posted by: Oliver am 19.09.05 16:45

Um meinem eigenen Post weiter oben etwas zu widersprechen: SpOn wirft den Punkt auf, dass auch Koch, Rüttgers und Wulff in ihren Bundesländern relativ schwach abgeschnitten haben. Das bremst den Elan noch weiter.
Und Oliver, wenn eine Große Koalition nach zwei Jahren in einem flammenden Desaster endet (was viele Akteure für möglich halten und daher eventuell einplanen), dann ist auch die Kanzlerin Merkel weg vom Fenster.

Posted by: lambach am 19.09.05 19:03

Ja, wenn. Und außerdem kann man die Wahl danach leichter verlieren, wenn man den Kanzler gestellt haben würde.

Posted by: Oliver am 19.09.05 19:07

Das mit der Dynamik einer großen Koalition ist so eine Sache. Wenn zum Beispiel in den nächsten Jahren die Konjunktur wieder anzieht, müßte das doch durch die CDU wohl ausschlachtbar sein,denke ich. (in einer hypothetischen CDU-geführten Großen Koalition)

Posted by: Sebastian am 19.09.05 19:34

»Das Wahlergebnis zeigt, dass der Wähler keine Lust auf Spielchen hat.«

Bist Du dir da sicher. ich kann das nirgendwo herauslesen. Ganz im Gegenteil: Angesichts der furiosen Stimmenjagd des Kanzlers und der SPD halte ich viel von der These, daß der Wähler dieses Hasard honoriert hat. Und wie schon mal gesagt: Die SPD hat im eigenen Lager verloren, nicht an das andere Lager.

Posted by: TH am 19.09.05 20:16
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