19.09.05
Außenpolitik nach der Wahl
Wie schon angekündigt habe ich meinen Wahlsonntag in New York beim Empfang des Goetheinstituts verbracht. Dort lief mir, wie es der Zufall will der deutsche UN-Botschafter Günther Pleuger über den Weg. Schwups fragte ich ihn, was denn ein Regierungswechsel für einen Einfluss auf Deutschlands Strategie auf der Jagd nach einem permanenten Sitz haben könnte. Erste Antwort: Ich bin erstmal gar nicht so sicher, ob wir so einen echten Regierungswechsel bekommen. (Der Mann ist schließlich, soweit ich weiß Genosse und war gestern nach der Hochrechnung sehr gut gelaunt).
Zweite Antwort: Aber auch sonst: An der deutschen Politik ändert sich wahrscheinlich nichts. Merkel hat die meiste Zeit über indirekt den deutschen Kurs unterstützt und, so Pleuger, ab und zu halt mal ein “solange der deutsche Wunsche einer weitgehenden Reform nicht im Wege steht” angehängt. In letzter Zeit scheint aber der Einfluss Schäubles wieder stärker zu werden (das is der mit “im Weg stehen”)… Aber insgesamt strebt wohl sowohl eine Jamaika als auch eine große Koalition weiter nach mehr Einfluss im exklusivsten Club der Welt.
Und was sonst? Alle deutschen New Yorker außer vielleicht so ne Handvoll scheinen FDP gewählt zu haben. Der Jubel nach deren Ergebnis wurde nur noch von unserem Lachen über Edes massives Grinsen neben Merkel übertönt. Der hat aber auch fröhlich ausgesehen. Man konnte fast ahnen, dass er sie unterm Pult die ganze Zeit liecht mit den Zehen anstupst um zu sagen: Ich hatte denn übrigens mehr Stimmen…