18.09.05
Das Wetter macht's
Deutschland am Wahlsonntag. Die Zeiten als ein jeder in seine Stadt heimkehrte um sein Kreuz abzugeben sind vorbei. Wohl noch nie hat es soviel Briefwähler gegeben. Dennoch halten auch bei dieser Wahl viele an der alten Tradition fest, sich in den feinen Sonntagsanzug zu werfen und mit feierlicher Miene zum nächsten Wahllokal zu schreiten. Nie hat der Staatsbürger mehr Macht als an einem Wahltag. Sagt man ihm und glaubt er. Gegenteiliges konnte ich allerdings bis heute auch nicht schlüssig durchargumentieren.
Und was ein Wahltag. Kaiserwetter. Da dürfte die Wahlbeteiligung höher ausfallen lassen als an einem Regentag. Wer wird davon profitieren? Normalerweise haben die Sozialdemokraten mehr Schwierigkeiten ihre Wähler zu mobilisieren. Doch was heisst schon ihre Wähler“. Der Wähler wird immer mehr zum Wechselwähler. Noch nie waren bis zum Wahltag soviele Menschen unentschlossen, was sie wählen wollen. Und das gute Wetter, was heisst es nun weiter? Verleitet den Unentschlossenen das Wohlgefühl eines sonnigen Spätsommersonntags eher dazu mal mutig etwas anderes zu wählen als sonst, als immer SPD? Oder setzt man an einem so zufriedenen Tag das Kreuz doch eher bei denen, die man eigentlich immer“ wählt?
Am Ende könnten weniger Kirchhof, Giftliste oder das Kanzlerduell die Wahl entscheiden als die Auswirkungen des Wetters auf die Tageslaune des Wechselwählers. Das gälte wissenschaftlich zu untersuchen. Ran Ihr Wahlforscher. Nach der Wahl ist vor der Wahl.