16.09.05
Leseempfehlung
Im Feuilleton der Zeit fordert Robert Menasse: Erobert die Demokratie züruck (Zeit, PDF). These:
Hinter dem Abbau des Sozialstaats hat unbemerkt ein dramatischer Demokratieabbau stattgefunden. Zur Wahl steht, welche Macht Bürger und Parlament noch haben.
Es ist ein hervorragender Artikel. Nicht deshalb, weil er uns erkärt in welchem Verhältnis Abbau des Sozialstaates und Abbau der Demokratie stehen. Noch weil er uns erklärt, wie man im Zuge dieser Wahl eine Entscheidung darüber treffen könnte, welche Macht Bürger und Parlament künftig haben. Tut er nämlich nicht. Wenn man so will sind Titel und These katastrophal schlecht gewählt. Dafür geht es um “Weltgeist”, deutsche Sonderwege und den Feind im eigenen Bett, die EU. Es geht um die falschgesichtige deutsche Linke, mangelnde Parteiendifferenz undsoweiterundsofort. Irgendwo steht etwas zum Thema Demokratie geschrieben. Beklagt wird, dass immer alle gemeinsam abstimmten, sprich: in (angeblichen) 90% der Fälle1. Lesenswert ist der Artikel dann aus ganz anderen Gründen. Er ist ein sehr gutes Beispiel für etwas, was man “linke Polit-Mythik” nennen könnte.
[1] Als ob das in Deutschland nicht immer so gewesen wäre, wie man in jeder besseren Statistik nachschlagen kann
Verfasst von Michael am 16.09.05 10:41