13.09.05

Kirchhof II

Kirchhof also. Print-Media Acadamy. Schicker Ort. Viel besser, als unter einem Schild auf dem “10th European Meeting on the Complement of Human Desease” steht zu predigen. Geradezu stylisch, asiatisch anheimelnder Innenteich, viel Stahl. Einer unserer Autoren ist so schön, dass er dort sogar als VIP-Gast gehandelt wird. Prima Verantstaltung!

Ich habe einer hübschen CDU-Wahlhelferin versprochen, mich in Lob zu ergehen. So soll es sein. Wo doch die CDU so aufgeschlossen auf meine Kritik gegenüber ihrer Internetpräsenz reagiert hat. “Ach wirklich? Sie sind bei Google auf Platz 1, wenn es um unseren Wahlwerbespot geht”, Ja klar, sind wir…, “Wir sind aber schon viel besser als beim letzten Mal”, Stimmt.

Kaffee und Kuchen gab es auch. Und sogar ein Wahlprogramm. Das ist immer mein Test. Alle vier Jahre wieder. Und in den letzten acht Jahren passiert es mir das erste Mal, dass mir ein Wahlkampfteam tatsächlich sein Wahlprogramm geben kann. Nicht so wie bei den Liberalen, die es einem immer zuschicken wollen und man wartet Monat um Monat - vergeblich, oder die Grünen: “Das kommt gleich wieder 'rein, wenn Sie vielleicht in sieben Stunden noch mal…”.

Lothar Binding war da. Sichere Quellen haben uns verraten, dass er länger anstehen mußte, aber er war da. Ein lustiger CDU-Wahlhelfer im rosa Hemd hat sich mehrfach daran versucht, ihn von seinem Platz zu vertreiben, damit die Leute auf den Sitzplätzen besser sehen können. Kurze Zeit später war der junge Mann von seiner Inkompetenz in dieser Hinsicht so enttäuscht, dass er seinen JU-Button abgelegt hat. Er hat mir schon ein bisschen leid getan.

Sicherheitskräfte waren so ein Thema. Musste ich mich doch drei Minuten mit so einem Typen auseinandersetzen, damit ich die örtlichen Örtlichkeiten aufsuchen durfte. “Das ist jetzt ganz schlecht”, hat er gesagt. Was wollte er mir damit bloss sagen?

Flirten, Knutschen usw. wurde ganz klein geschrieben. Haben ja auch alle an Kirchhofs Lippen gehangen. Rhetorisch wirklich gut, viel Vermittlungskompetenz hat der Mann, was ggf. für einen Ministerposten spräche. Zurück zu Stilfragen. Anderes Klientel dort irgendwie. Die Mädels hatten auch alle Esprit und St. Oliver Strickpullis an. Aber Strick ist Hip, da will ich nicht querschiessen. Und die Jungs…rosa Hemd, gerne auch quergestreift (grün, weiss), das ist nicht so hip.

Interessante Randinformation noch. Das muss man sich mal vorstellen: das CDU-Wahlkampfteam besitzt nicht mal seine eigenen TeAM Lamers - Shirts. Die werden für die Veranstaltungen immer herausgegeben. Das ist aber schon knausrig. Deshalb konnte man mir auch keins geben. Schade.

Verfasst von Michael am 13.09.05 18:25
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Kommentare

irgendwie beschleicht mich der Verdacht, dass Paul Kirchhof sein Theorem unter Ausschluss ganz vieler Lebenswirklichkeiten verfasst hat. Ich hatte zwei Begegnungen mit ihm und ich muss sagen, er ist sehr angenehm in Umgang. In einem Fall war er sehr erstaunt, als ich ihm erklärte, warum ein Gutachten, dass er für den Landtag erstellt hat, auf völlig falschen Grundannahmen basierte. Er kannte die Realitäten schlichtweg nicht. Ein Rechtsprofessor denkt in statischen Räumen. Wirtschafts- und Finanzpolitik sind prozesshaft, d.h. immer in Bewegung. Schon deshalb ist die Umsetzung seines Theorems, das auf festen Parametern ruht, nicht umsetzbar, denn (mal die offene Grechtigkeitsflanke kurz ausgeblendet), haben sich die Parameter schon längst verändert, bis sein statisches Modell greift.

Das man Volkswirtschaften nicht zum Experimentierfeld von theoretischen Modellen machen soll, zeigt gerade sein Kollege Prof. Rose, mit dem er in der gleichen Villa in Neuenheim residiert. Dessen Modell des Steuerrechts in Kroatien hat nach einem kurzen Strohfeuer dazu geführt, dass in Kratien die Staatseinnahem zusammengebrochen sind und die Verschuldung des Staates explodiert.

Nett übrigens, dass Du, ähnlich wie Illner und Christiansen davon redest, wiewenig man davon versteht, ich bin da auch kein ausgewiesener Experte, nur kann man sich die Auswirkungen einer Flattaxrate mit statischen Ausnahmen, bei einer unzureichenden Verbreiterung der Bemessungsgrundlage durchaus selbst zusammenstückeln und da gibt es ja auch noch das Koch/Steinbrück Papier, in dessen Anhang mal die gesamten Subventinen aufgelistet sind.

Die finanzpolitische Reise geht mit der Union in die Gleichmacherei bei ungleichen Ausgangspositionen hin zu einem Gebührenstaat, der weitere Ungerechtigkeiten nach sich ziehen wird und dafür reicht der normale Menschenverstand und die Kenntnis der neoliberalen Marktideologie.

Posted by: claus wichmann am 13.09.05 19:50
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