06.09.05

Pfeif auf das TeeVau

Ich hab da einen Webfehler, der dazu führt, daß mir bewegte Bilder unendlich langweilig vokommen, wenn sie mich nicht gerade so anekeln, daß ich den Raum verlassen muß.

Insofern ist es kein Wunder, daß ich mir die TV Inszenierung der Herrschaften Schröder/Merkel nicht gegeben habe. Weil mir dieser Schamott herzlich gern am Arsch vorbei geht.

Nein, ich will nicht wissen, was die Herren und Damen Kandidaten vorhaben, bzw. mir von ihren Vorhaben erzählen wollen. Weil es nämlich Wurscht ist.

Es ist vollkommen egal, ob der Herr Kirchhof1 seine Streichliste bekannt gibt, ob die Frau Merkel weiß was Brutto und Netto bedeuten, ob der Herr Schröder munter oder müde ist, ob, ob, ob…

Es ist egal, weil keiner der Kandidaten überhaupt die Wahrheit sagen kann. Weil's nämlich halt dann nicht so einfach ist. Weil man das, was man will, eben doch nicht durchbekommt. Weil's langfristige Entscheidungen gibt, die vor zwanzig oder dreißig Jahren getroffen worden sind, mit denen man immer noch leben muß.

Was ich wissen will, ist wie die Kandidaten denken.

Und jetzt kommt das böse Wort Ideologie ins Spiel. Wenn ich den Aussagen der Kandidaten schon nicht trauen kann, dann muß ich mich nach ihren Handlungen und ihren Grundüberzeugungen richten.

Ein paternalistischer Staat oder möglichst keiner?
Ist das Schlafzimmer privat oder unter der gesellschaftlichen “Moral”?
Verpflichtet Besitz oder ist man dem Besitz verpflichtet?
u.s.w.

Darum geht es, und das kann ich sehr wohl beurteilen, aus den Programmen der Parteien, aus der Geschichte und aus Aussagen, die nicht im und zum Wahlkampf getroffen werden.

Dann ist es eben doch relevant ob der Vater “seine Identität [findet], wenn er die ökonomischen Grundlagen der Familie beschafft und die Kinder in ihrer Zugehörigkeit zu Familie, Staat, marktwirtschaftlicher Ordnung, Kulturgemeinschaft und Kirche erzieht.2

In diesem Sinne, scheiß auf TV-Duelle und schaut genau auf die Aussagen und Handlungen der Kandidatin vor diesem Frühjahr. Es wäre dem lazyweb hoch anzurechnen, wenn sich jemand die Mühe machte und eine solche Zitatsammlung erstellte.

1 Und das Geschlecht seiner Kinder ist auch irrelevant.

2 Vorwort des Buches “Abenteuer Familie” von Martine und Jürgen Liminski (Sankt Ulrich Verlag) von Paul Kirchhof.

Verfasst von TH am 06.09.05 13:47
Trackback-URL: http://blogs.grendel.at/mt33/mt-tb.cgi/550
Trackbacks
Kommentare

Lazyweb scheint mir ja eine große Idee zu sein.

Letztlich hast Du natürlich recht. Diese ganze vermeintliche Tod der politischen Ideologien zu Gunsten irgendwelchem technokratischen Gebabbels+Fassade stiftet sehr viel Verwirrung.

Posted by: michael am 06.09.05 15:15

Ein guter Punkt. Doch eigentlich sollte doch jedem aufgeweckten Bürger mittlerweile längst klar sein, welch rückständiges Familienbild Kirchhof vertritt. Umso erschreckender ist, dass dies offenbar nicht der Fall ist.
Zur Frauenrolle bemerkte Kirchhof im selben Vorwort: “Die Mutter macht in ihrer Familie Karriere, die nicht Macht, sondern Freundschaft verheißt, nicht Geld, sondern Glück bringt.” Und die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften durch das Lebenspartnerschaftsgesetz verurteilte er als eine „Pervertierung des Verfassungsauftrags“.
Noch gruseliger wird es, wenn man sich die von dir aufgeworfenen Fragen von Beckstein beantworten ließe. Doch darüber schriebt Ihr ja bereits u.a. im Beitrag “Homosexuelle in der Täterrolle”.
Mehr zu Kirchhof:
http://www.taz.de/pt/2005/08/23/a0151.nf/text.ges,1

Posted by: Miss Marple am 06.09.05 15:26

Die beiden Jungs sollen ja auch künftig nichts mit den Bereichen der Familienpolitik (im weiteren Sinne) zu tun haben…Von daher ist doch wurscht, was die denken. Alte Männer halt, die werden ihre Meinung kaum noch ändern.

Posted by: michael am 06.09.05 15:48

Du überrascht mich immer wieder Michael. :-) Wo hat denn bitte Datenerfassung nicht mit dem Ressort des künftigen Bundesinnenministers zu tun!? Und Steuerrecht nicht auch mit eingetragenen Partnerschaften. Klar dies betrifft (für Dich) nur kleine, nörgelnde Minderheiten. Wenn ich jedoch Thomas richtig verstehe, geht es in seinem Beitrag gerade aber darum “wie die Kandidaten denken”. Und da ist es mir wie Miss Marple nicht egal, welch gesellschaftpolitisches Modell meine Regierung vertritt. Nicht, dass man dort von irgendeiner Partei das gesellschaftliche Paradies auf Erden geboten bekäme, doch ein Unterschied ist evident. Klingt so, Michael, als wolltest Du wie damals ein prominenter Ministerpräsident aus Niedersachsen Familienpolitik als “Gedöns” bezeichnen. Glaube Dir das aber nicht…

Posted by: Stefan am 06.09.05 16:09

Also bitte! Jeder Leser dieses Blogs weiss um meine hinreichende Sensibilität gegenüber Gender- und Gleichstellungsfragen (auch wenn Herr Gurke nicht Herr Gurke heisst). Das ist ja wohl unverschämt mich in diese Ecke zu drücken!

Auch in einer konservativen Regierung werden die persönliche Haltungen (so mies sie sein mag) eines Herr Kirchhof und eines Herr Beckstein keinen gesonderten Einfluss auf familien- und genderpolitische Themen gewinnen. Da werden zum einen andere Ministerien im Wege stehen und zum anderen werden Medien und Gesellschaft während einer konservativen Regierung ein besonders offenes Auge für solche Fragen haben.

Da kann man mir gerne mit dem Argument kommen, dass sich unter Merkel vielleicht nicht viel progressives tut. Aber diese Urangst, wir würden bald wieder in der “gesellschaftlichen Steinzeit” leben halte ich für völlig unangemessen.

Posted by: michael am 06.09.05 16:42

Holla! Nicht verrennen hier!

Mir geht es darum, daß diese Zitate durchaus ein Indiz sind, wes Geistes Kind auch die jeweilige Gruppierung ist, die den Zitaturheber in ihren Reihen weiß.

Ob der Herr Kirchhof jetzt Familienpolitik macht oder nicht ist dafür egal. Sein Weltbild und das der anderen Kandidaten ist mir wichtig, weil dieses Weltbild alle Entscheidungen formt, egal in welchem Fachbereich.

Und daß ich in diesem Beitrag grade auf den Herrn K. losgegangen bin, ist nur Zufall der Aktualität. Ich bin mir sicher, daß von jedem Kandidaten solche indikativen Aussagen zu finden sind.

Und nach denen empfehle ich die Wahlentscheidung zu treffen, nicht nach den aktuellen polierten Wahlaussagen.

Posted by: TH am 06.09.05 16:53
Kommentar verfassen









Persönliche Informationen speichern?






Kurzmeldungen

Linke vor SPD

Forsa übertreibt bei der Linken wie immer ein wenig. Aber dennoch.

03.09.08 18:40

Große Koalition gescheitert

Die Hängepartie in Wien ist vorerst vorbei. Die ÖVP kündigt die Regierung mit der SPÖ. Die geschwächte SPÖ war zuletzt in internen Führungs- und Richtungsstreitereien verfangen.

07.07.08 12:39

Bei Tibet büßt SPD Menschenrechtsbonus ein

Der Besuch des Dalai Lamas vergrößert die Zweifel an der Menschenrechtspolitik der SPD. Sie droht ein großes (außen)politisches Pfund zu verlieren - ausgerechnet an die CDU.

15.05.08 23:59

Medienmeute mit Ironieproblem

Stars foppen Paparazzi mit geschauspieltern Skandalen - und die Presse fällt darauf herein. Die Versteckte Kamera wird umgedreht.

12.03.08 09:03

Etwas weniger Belgien?

Als Spätfolge des Versailler Vertrages droht Belgien einige Quadratkilometer Land an Deutschland zu verlieren...

10.01.08 10:13

Lakota Sezession

Die Lakota-Sioux haben alle Verträge mit den USA gelöst und sich für unabhängig erklärt. Klingt nach interessanten Zeiten in den USA, wenn sie's ernst meinen.

21.12.07 16:32

Der Count-Down läuft

Jungle World kritisch zum venezolanischen Verfassungsreferendum am 2. Dezember. Über "Verräter", "Staatspolizei" und "Staatsstreich gegen die Verfassung"...

29.11.07 13:51

Joachim Bublath

...ist mein Held.

31.10.07 14:55

"Diese Reform wird mit den letzten Resten der liberal-demokratischen Republik Schluss machen."

Der venezolanische Ex-Guerrillero und Ex-Minister Teodoro Petkoff im Interview mit dem Standard über Chávez, die geplante Verfassungsreform und die Opposition.

25.10.07 17:53

Päpstlicher Feispruch für Tempelritter

Ein neues Vatikan-Buch belegt, dass die einst mächtigen Templer, die im Spätmittelalter einem Verbotsurteil zum Opfer fielen, schliesslich doch vom Papst der Ketzerei frei gesprochen wurden. Neue Erkenntnisse zu einem 700 Jahre zurückliegenden Machtkampf...

07.10.07 13:34