28.08.05
Hamburg oder wie gut der Terror funktioniert
Wäre ich ein Terrorist, so würde ich mir ein Tässchen Tee machen, mich in meinem Schaukelstuhl zurücklehnen und zufrieden lächeln. Sicher, von Zeit zu Zeit muß man schon dafür sorgen, dass man jemanden davon überzeugt bekommt, sich für 70 paradiesiche Jungfrauen in die Luft zu sprengen.
Aber zwischenzeitlich, ganz ohne dabei dem Äqypter oder den drei Tschetschenen irgendwas unterstellen zu wollen, reicht es nunmehr völlig, an dem einen oder anderen öffentlichen Ort den richtigen Satz fallen zu lassen.
Das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Terroristen war natürlich schon immer hervorragend. Mit sehr geringen, zyklisch wiederkehrenden Aufwand gelingt es, in der gesamten westlichen Welt immense Kosten zu erzeugen. Gesamte Gesellschaften zahlen mit der Aufgabe von Freiheit und Freizügigkeit. Aber vor allem sind die knallhart messbaren ökonomischen Kosten gewaltig.
Hamburg hinterlässt den Eindruck, dass sich das Kosten-Nutzen Verhältnis der Terroristen noch mal verbessert hat, geradezu gegen Null geht. Ein Satz wie “Morgen schon werden wir als Helden vor Allah stehen” ist wohl kaum justiziabel. Für Terroristen quasi kostenlos. Er verschleisst weder monetäre Ressourcen für Sprengstoff, Logistik etc., noch Humankapital. Aber man kann sich leicht ausrechnen wie viel es wohl kostet über 1000 Polizisten Sondereinsätze schieben zu lassen. Bedenken darf man auch den desintegrierenden Effekt auf die 250 muslimischen Mitbürger, die mit vorgehaltenen Automatikwaffen überprüft wurden, den jetzt noch wahrscheinlicher geworden Aufbau flächendeckender Videoüberwachung etc.
Nicht, dass ich eine bessere Lösung gehabt hätte. Aber beunruhigend finde ich den Gedanken schon, dass Terroristen eigentlich nichts mehr machen müssen, ausser den westlichen Ländern geruhsam dabei zuzusehen, wie sie sich ökonomisch und freiheitlich selbst verzehren. Not afraid.
Verfasst von Michael am 28.08.05 15:06