25.08.05

Wahlarena

Während es nicht ganz falsch ist, dass Schröder in der Wahlarena zumindest bei den vorher vorbereitenen Fragen rhetorisch geglänzt hat, hat ihn die Frage nach der Gleichstellung schwuler und lesbischer Pärchen in eheähnlichen Verhältnissen bezüglich des Adoptionsrechts doch mächtig aus der Bahn geworfen.

Stirnruzelnd stellte der Kanzler fest, dass seine Regierung immerhin die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften abgeschafft hätte. So weit so gut. Recht hat er, mit Abstrichen.

Aber: Er hätte gewisse Zweifel, was die Änderung des Adoptionsrechts angeht. Dies spricht der Kanzler und weiss jetzt nicht so genau, was er zum Zwecke des Wählerfangs sagen soll. Also betont er noch mal schnell, in einem Satz der uninformierter nicht hätte klingen können: “Gegenwärtig ist es wohl so, dass die Diskriminierung aufgehoben ist”. Ist doch herzallerliebst. Es klingt auch so wie er es meint: Er hat mal eben so, zumindest anzunehmenderweise, wahrscheinlich, anscheinend, “die Diskriminierung” aufgehoben…soso.

Dann fällt dem Kanzler aber brennend heiss ein, dass er gar keine Ahnung vom derweiligen Stand des Adoptionsrechts hat. Interessant, wo er doch zum einen schon festgestellt hat, dass es zumindest nicht geändert werden sollte und er zum anderen “die Diskriminierung” aufgehoben hat. Also muss er sich von Herrn Gurke, dem fragenden Studiogast, mal schnell erklären lassen, wie das läuft.

So lernt der Kanzler, wie das Adoptionsrecht geregelt ist, nämlich, dass im Gegensatz zu heterosexuellen Ehen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften nur dann eine Adoption erlaubt ist, wenn einer der Partner leibliche® Vater/Mutter ist.

Als er das erfährt ist der Kanzler sichtlich erleichtert. Da ist ihm doch endlich etwas an die Hand gegeben worden, was ihm erlaubt einen Punkt loszuwerden, den er schon die ganze Zeit loswerden wollte. Sprich er möchte uns mitteilen, dass seine Regierung “die Diskriminierung” aufgehoben hat.

Und da ihm der Bogen nicht besser gelingen will, tut er es dadurch, dass er uns erzählt, es sei eben diese Regelung gewesen, anhand derer “die Diskriminierung” abgeschafft worden wäre, beendet, aufgehoben, aus und vorbei.

Puh. Immer wichtig, nochmal losgeworden zu sein, dass man “die Diskrimierung” aufgehoben hat. Dann kommt die Fliege und rettet den Kanzler. Ähähähähähäh (Zeit um neue Ideen zu entwickeln), “Wir reden dann mal mit den Verbänden”. Schnell raus aus diesem Thema, kleiner Witz darüber, dass die Fliege schwarz ist…Und jetzt wo der Kanzler weiss, wie das Adoptionsrecht geregelt ist, noch schnell wiederholt, wegen Änderung, er sei also dagegen.

Da hat der Schröder selbst schon ein bisschen homophob gewirkt, mit dem Thema wollte er lieber nichts zu tun haben. Hätte ihn die Fliege nicht gerettet, hätte er wahrscheinlich irgendwann angefangen die Phrase “die Diskriminerung aufgehoben” solange zu wiederholen und sich im Kreis zu drehen, bis der Moderator ein Einsehen hat und das Ganze beendet. Da konnte er froh sein, dass wenigstens andere im Saal in der Lage waren, wahre Toleranz zu üben.

Dass der heterosexuelle Kanzler angesichts des schwulen Herrn Gurcke ins Schwitzen kommt, heisst ja nicht, dass der schwule Herr Gurcke angesichts der homophoben Anwandlungen des Kanzlers ins Schwitzen kommen müsste. Herr Gurcke hat den Kanzler also freundlich angelächelt…und für seine ehrliche Antwort gedankt. Soweit zum Thema rhetorischer Brillianz.

Verfasst von Michael am 25.08.05 22:35
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Kommentare

DER STUDIOGAST HIESS GOHLKE NICHT GURKE

Posted by: GurkenBen am 05.09.05 21:34

schade…

Posted by: michael am 05.09.05 22:48
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