12.08.05

Linkspartei - Ihr Erfolg ist ihr Selbstmord


“Bundesweit wählbar” und “Dem Trübsinn ein Ende” sind die Plakatslogans der Linkspartei/die Linke/PDS-whatsoever. Letzterer scheint mir Grönemeyer geklaut zu sein. “…dem Trübsinn ein Ende, Kinder an die Macht…”, so ging das doch, oder?

Je nach Umfrage hält sich das zurecht gutgelaunte Bündnis weiterhin bei 10-12%. Ernsthaft gesprochen bedeutet das Große Koalition, denn die SPD wir niemals mit weniger als 32-34% der Stimmen aus dieser Wahl herausgehen und wir können ja alle rechnen.

Und so möchte ich der Linkspartei nahelegen, dringend im eigenen Interesse einen miesen Wahlkampf hinzulegen.

Der Grund ist, dass mir der Gedanke, dass sich eine dritte kleine Partei links von der SPD etabliert, eigentlich ganz gut gefällt, weil ich es angenehm fände, wenn innerhalb des parlamentarischen Systems eine Meinung vertreten wird, die behauptet, dass man Politik nicht nur graduell sondern auch kategorial anders gestalten kann.

Die Linkspartei ist mit Sicherheit noch nicht soweit, dass sich das in einem vernünftigen Rahmen abspielt, aber mittelfristig betrachtet wäre sicherlich ein programmatisches Potential gegeben.

Zur Zeit ist “die Linke” eine sehr relevante Partei, zumindest wenn man einem Herrn namens Sartori folgen mag, der sagt, dass eine Partei relevant ist, wenn sie Erpresser- oder Koalitionspotential hat. Ersteres hat sie, da sie mit hoher Wahrscheinlichkeit wesentlichen Einfluß auf das Koalitionsverhalten gewinnen wird, letzteres hat aus augenscheinlichen Gründen nicht, könnte es aber mittelfristig gewinnen.

Zumindest wenn sie noch 4-5 Prozentpunkte einbüßt. Das Problem ist, dass es für die Linkspartei vermutlich äußerst schlecht wäre oben genanntes Erpresserpotential zu entwickeln. Mehrheitlich sind die Deutschen dem Gedanken einer Großen Koaliton nicht zugeneigt und da die historische Erfahrung lehrt, dass Große Koalitionen auch kein weltbewegende Problemlösekapazität haben, wird sich in den nächsten vier Jahren viel Unmut breitmachen. Die Wähler werden verhindern wollen, dass es eine zweite Auflage der Großen Koaltion gibt und werden den Schuldigen schnell in der Linkspartei ausmachen, von der kaum anzunehmen ist, dass sie in den nächsten vier Jahren unter Konstellation einer Großen Koaliton viel (positives) Gehör findet. So rasch wie sie aufgestiegen ist, wird sie verschwinden, keine 5% mehr, Projekt beendet.

Mein Ratschlag wäre daher. Liebe Linkspartei, tut was dafür, dass ihr in der Wählergunst sinkt, macht etwas völlig unsinniges, gebt euch mit 6% zufrieden. Nutzt die vier Jahre und beginnt damit wirklich eine gesamtdeutsche Partei aufzubauen und konsolidiert Euch. Seid gewarnt. Euer Erfolg wird Euer Selbstmord sein.

Verfasst von Michael am 12.08.05 13:27
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Kommentare

Ich halte das Szenario, dass die Wähler die Linkspartei für eine schwache Performance einer Großen Koalition haftbar machen werden, für an den Haaren herbeigezogen. Zur Zeit zeigen die Umfragen ja auch eine deutliche Präferenz der Wähler für eine solche Koalition.
Ich denke eher, dass sich die Linkspartei im politischen Alltag selbst zerlegen wird. Lafontaine und Gysi sind zwei große Selbstdarsteller. Zu groß für solch eine kleine Partei.

In einem stimme ich aber zu: mir ist eine Partei links von der SPD als Denkalternative auch recht. Aber bitte weniger populistisch und dafür weitsichtiger als sie es jetzt ist.

Posted by: Tobias Haase am 12.08.05 21:55

Bei der Zustimmung zur Grossen Koalition, habe eben auch beim Politikbarometer 50% gelesen, traue ich der Demoskopie nicht besonders. Die einen fragen alle Koaltionsmöglichkeiten einzeln ab, die andern verlangen, dass man auswählt, und ich die Werte wechseln beinahe nach belieben. Spätestens wenn es sie gibt, werden die Leute sie ganz rasch nicht mehr wollen.

Posted by: michael am 12.08.05 23:03
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