08.08.05

Die Verwandlung des Guido W. als sexuelles Dings


Starke These heute in der Welt. Vom Westerwelle hört man gar nichts mehr. Woran das liegt, möchte man wissen.

Die einfache Antwort des Artikels wäre, das der Guido ein Problem mit seiner Aussendarstellung hat. Heuer kann er weder der Spasspolitiker sein (ernste Zeiten) noch der wahrhaft seriöse Politiker (nur 'ne neue Masche). Das Problem hier wäre, dass es den genuinen Guido nicht gibt. Ein “Parteifreund” spricht vom Mann der 1000 Fassaden. Wir hören also nichts mehr vom Westerwelle, weil der weiss, dass alles was er uns hören lassen könnte als unglaubwürdig, als Fassade, empfunden würde.

Die zweite These des Artikels ist aber spannender, wenn auch etwas abstrus und aehm - mangelndes deutschen Wort - ein bisschen wicked. Präsentiert von einem “engen Vertrauten”. Es geht um die wahrhaft menschliche Verwandlung des Guido W.:

Früher, vor seinem Outing, habe Westerwelles Lebenssinn darin bestanden, “alle Viertelstunde eine neue Agenturmeldung zu produzieren”. Heute, nach dem Bekenntnis seiner Homosexualität, sei er entspannter, zurückgenommener, weniger herrisch.

Also weniger medienwirksam. Spitzen wir das mal zu: Der offiziell nicht schwule Guido ist Spasspolitiker, während der offiziell schwule Guido ein eher ernsthafter, gesetzter Typ ist. Darf ich das so verstehen, dass der ungeoutete Guido quasi ein tiefes inneres Verlangen nach gelebter Sexualität verspürte, welches dazu führte, dass seine politische Aussendarstellung gravierend stereotype Züge des “immer wohlgelaunt, gut gestylt, Feiern und Sekt Szene-Schwulseins”-Spasspolitiker annahm, während sein Outing ob dieses inneren Drangs entledigt, ihm jetzt endlich erlaubt der genuine Guido mit Ohrensessel und einem Glas Single-Malt in der Hand zu sein, oder was?

Ich will die Wirkung eines Outings ja gar nicht unterschätzen, aber bitte…Meine These wäre ja, dass der Guido W. selten in den Medien auftaucht, weil sich zur Zeit kein Mensch für die FPD interessiert. Wenn die FDP mal ein Verständnis dafür entwicklen würde, dass eine liberale Partei nicht nur wirtschaftspolitische sondern auch gesellschaftliche Kernthemen besitzen muss und sich mal auf die Ursprünge liberalen Denkens besinnen würde, sprich Bürgerrechte, also ein Thema, was es verdienen würde bedeutend heisser gekocht zu werden als es zur Zeit der Fall ist, dann wäre die Partei vielleicht interessanter. Dann müsste sich auch Süße nicht ständig wundern, dass die FDP in Deutschland nur für so wenige Menschen wählbar ist. Das liegt nämlich daran, dass sie keine liberale Partei ist und Themen, die sie dringend besetzten müsste, kampffrei den Grünen überlässt.

Verfasst von Michael am 08.08.05 14:19
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