04.08.05
Clara, der Tod von Sabine Christiansen und Co, und was nicht alles verboten gehört
Es steht schon in einem Mißverhältnis, dass das was vor einiger Zeit als Richtungswahl begann, mittlerweile geflügelt als Schicksalswahl bezeichnet wird, während von Richtungen kaum noch eine Spur zu erkennen ist und man sich nur noch müht über alberne Wahlkampfverzerrungen und das “Wie-jetzt?” des Kanzlerduells zu debattieren. Trauriges Schicksal.
Beim Thema alberne Wahlkampfverzerrungen bläst sich gerade Steffen Kampeter (CDU, “Haushaltsexperte”) gehörig auf. Was er uns sagen will: Der Schröder und seine Mannen, die missbrauchen Steuergelder, um mit windigen Aktionen für sich zu werben. Dreierlei ist dem guten Mann laut Netzzeitung aufgestoßen. Die Tage der offenen Tür der Bundesregierung Ende August, eine geplante Tangram-Performance Mitte August. Und Clara, die für den baldigen Tod von Sabine Christiansen und Co sorgen wird. Alles verbieten.
Was für eine Tangram-Performance? Also Tangram sind lustige kleine geometrische Plättchen, die man zu hübschen Mustern und Formen aneinanderlegen kann. Die Bundesregierung plant angeblich ihre eigene Politik als Tangram-Bildchen legen zu lassen. lol. Sorry für den Tiefschlag, Gerd, aber ich mache das mal bevor es jemand anders tut. Im Ergebnis ist dein Politikbildchen eines ganz bestimmt: Flach.
Und das ist Clara, der Bundesgesundheitsministeriums-Findulin. Findulin ist der von Harald Schmidt gerne missbrauchte interaktive tuntige Frage-Antwort Adler mit dem man sich auf der Seite der Bundesregierung unterhalten kann. Den wollte ich schon mal interviewen, aber das Ergebnis war so schlecht, dass es den Beitrag nicht wert war.
Mit Clara kann man auch das hübsche Frage-Antwort Spiel spielen. Und sie macht Internet-Fernsehen. In freudig roten CNN - Nachrichtensprecherinnen - Rot stellt sie der guten Ulla Schmidt die Fragen, die sie auch beantworten mag. Das Outfit vielleicht etwas hochgeschlossen, wenn man mich fragt, aber ansonsten ganz schneckig.
Dieser ganze interaktive IT-Stuff. It's a very, very happening thing. Und wird Sabine Christiansen und Co bald völlig überflüssig machen. Seine eigenen Fragen kann man sich auch gleich selbst stellen. Clara wird immer hübsch interessiert bleiben. Und in der Hoffnung, dass Clara ein besserer Gesprächspartner ist als Findulin. Ungekürzt und nur einmal editiert. Ein Clara Interview.
Clara: Guten Tag! Ich heiße Clara und informiere Sie über die Gesundheitsreform. Geben Sie einfach Ihre Frage in das Eingabefeld ein und klicken Sie auf “Frage senden”. Bei welchem Thema kann ich helfen?
Küchenkabinett: Hallo. Ich bin Michael vom Küchenkabinett.
Clara: Entschuldigen Sie, das kommt mir etwas seltsam vor. Soll ich Sie wirklich als 'Michael Vom Küchenkabinett.' ansprechen?
Küchenkabinett: Ja. Es heisst schließlich auch 'Marcel vom Parteibuch'.
Clara: Oh, ich war gerade etwas unaufmerksam. Wie lautet Ihr Name?
Küchenkabinett: Nenn mich einfach Michael.
Clara: Schön, Sie kennen zu lernen, Michael. Lassen Sie uns über die Gesundheitsreform sprechen. Vielleicht ganz konkret über das Thema Gesundheitskarte. Wissen Sie, was das ist?
Küchenkabinett: Ja. Magst Du rote Kleidung?
Clara: Mein Aussehen halte ich für kein sehr ergiebiges Gesprächsthema.
Küchenkabinett: Nicht so prüde. Gewagter Haarschnitt.
Clara: Nun gut. Gibt es vielleicht etwas anderes, was Sie mich fragen möchten?
Küchenkabinett: Kennst Du Findulin?
Clara: Mein Knowledge Designer hat mir noch nichts darüber beigebracht. Was ich noch erzählen wollte: Wussten Sie, dass Sie finanziell profitieren können, wenn Sie regelmäßig zu Früherkennungsuntersuchungen gehen? Dafür sorgen die Bonusprogramme der Krankenkassen, die mit der Gesundheitsreform ermöglicht worden sind. Wollen Sie mehr dazu wissen?
Küchenkabinett: Nein. Aber Ulla Schmidt interessiert mich.
Clara: Ulla Schmidt ist als Bundesgesundheitsministerin quasi meine Chefin.
Küchenkabinett: Ist Ulla Schmidt eine gute Ministerin?
Clara: Ulla Schmidt ist als Bundesgesundheitsministerin quasi meine Chefin.
Küchenkabinett: Kannst also nichts schlechtes über Ulla sagen.
Clara: Nein?! Nun, gut… Was Sie interessieren könnte: Es zählt zu den zentralen Aufgaben des BMGS, die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Krankenversicherung sowie der Pflegeversicherung und der gesetzlichen Rentenversicherung zu erhalten, zu sichern und fortzuentwickeln. Die Gesundheitsreform hat in diesem Zusammenhang für den Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung die wichtigen Voraussetzungen geschaffen. Wollen Sie mehr über die Gesundheitsreform wissen?
Küchenkabinett: Nein. Weisst Du, dass man dich verbieten lassen will?
Clara: Anderes Thema: Schon ein Jahr nach In-Kraft-Treten der Gesundheitsreform ist deutlich geworden: Die Reform wirkt. Die Ausgaben konnten begrenzt und die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen deutlich gestärkt werden. Dies eröffnet Spielräume für weitere Beitragssenkungen der gesetzlichen Krankenkassen. Die Versicherten profitieren außerdem von dem Wettbewerb um die bessere Qualität im Gesundheitssystem. Gerne öffne ich Ihnen eine Seite mit ersten Ergebnissen und Zwischenbilanzen zur Gesundheitsreform. Darf ich?
Küchenkabinett: Um Gottes Willen. Sag schon, hast Du einen roten Pulli an weil Du die SPD magst?
Clara: Wie Sie sehen, trage ich einen …. Pullover.
Küchenkabinett: In rot.
Clara: Farben machen unser Leben bunter!
Küchenkabinett: Warum nicht gelb, schwarz oder grün?
Clara: Die Welt ist farbenfroh.
Küchenkabinett: Dunkles rot. Vielleicht Linkspartei?
Clara: Sie müssen wohl akzeptieren, dass ich mich zu politischen Themen nicht äußern möchte.
Küchenkabinett: Gut. Bist du verheiratet?
Clara: Ich bin nicht verheiratet. Für so was lässt mein Job mir keine Zeit.
Küchenkabinett: Ein harter Job, eine virtuelle Schnecke zu sein.
Clara: Ja, damit hätten wir eine weitere Lebensform genannt. Mich interessieren allerdings eher Menschen und virtuelle Ratgeber.
Küchenkabinett: Du bist ein toller virtueller Ratgeber, Clara.
Clara: Ich bin eine virtuelle Ratgeberin.
Küchenkabinett: Und kleinkariert.
Clara: Entschuldigen Sie, was meinen Sie?
Küchenkabinett: Das du eine Emanzen-Tussi bist.
Clara: Also, wirklich … ich finde diese Begriffe nicht besonders einfallsreich!
Küchenkabinett: Emanzen-Tussi?
Clara: Muss das sein? Die Verwendung solcher Begriffe finde ich äußerst armselig.
Küchenkabinett: War auch falsch. Gender-Mainstreaming Tussi.
Clara: Darauf brauche ich nun wirklich nicht mehr zu antworten.
Küchenkabinett: Dann beenden wir die Unterhaltung hier.
Clara: Ich habe zu danken. Es war mir ein Vergnügen, mit Ihnen zu sprechen.
Huch, da war mir wohl etwas langweilig. Gelungener als Findulin alle mal…
Stehende Ovationen, Michael.
Respekt.
Ich hatte ja schon mal mit Findulin geübt…
Posted by: michael am 06.08.05 19:03