03.08.05

Solide, anständig, korrekt (?)

- so muss es auch im Internet-Wahlkampf zugehen, das versprach zumindest CDU-Generalsekretär Kauder pünktlich zur Vorstellung des Negativ-Campaignings “www.leere-versprechen.de”.

Tatsächlich leisten sich die CDU-Wahlkampfstrategen aber einen herben Lapsus. Im ARD-Sommerinterview vom Sonntag machte Merkel den Scharping, indem sie brutto und netto verwechselte. Darüber war Kanzlerkandidat Scharping 1994 ins Stolpern geraten.

Merkel sagte wörtlich: “Der interessante Effekt, den wir jetzt haben ist ja, dass für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer - und für die gilt ja die Riester-Rente - die Bruttolöhne um ein Prozent sinken, wenn wir die Lohnzusatzkosten senken.”

Auf der CDU-Homepage wurde das Interview wiedergegeben, in veränderter Form allerdings und dennoch mit dem Hinweis “im Wortlaut”. Dort hieß es jetzt: “Der interessante Effekt ist doch, dass für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (…) die Brutto-Löhne um ein Prozent steigen.“ Mittlerweile ist auch dies - immer noch “im Wortlaut” - verbessert und es heisst nun , dass “die Netto-Löhne um ein Prozent steigen”.

“Man darf die Menschen auch in den elektronischen Medien nicht hinters Licht führen.” Danke, Herr Kauder für diesen fürsorglichen Hinweis.

Verfasst von Stefan am 03.08.05 11:56
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Kommentare

Aber wir waren doch schon immer im Krieg mit Eurasien, oder?

Posted by: TH am 03.08.05 13:26

In Frau Merkels Logik (von der sie es bislang hat vermissen lassen, mich davon zu überzeugen) ist das Bemerkenswerte je gerade, dass “sinkendes Brutto” mit “steigendem Netto” einhergeht - SINNgemäß sind beide Aussagen (in Merkels Lesart) richtig, wobei aber eben nur die erstere “im Wortlaut” ist.

Angela Merkel hat dabei diesmal gar nichts falsch gemacht - die Umstellung geschah CDU-seitig. Das “verbesserte Zitat” ist dabei inhaltlich unbedenklich, in der journalistischen Praxis aber kritikwürdig. Umgekehrt ist es allerdings auch nicht besser, aufgrund einer Veränderung, die Merkel selbst gar nicht vorgenommen hat, ihr - fälschlich - anzulasten, sie hätte da etwas “verwechselt”. In realitas hat sie nämlich lediglich einen von zwei Aspekten hervorgehoben, während die CDU-Wahlwerber den anderen (den sie ja genauso sieht) wohl als publikumswirksamer empfanden.

Posted by: DemonDeLuxe am 03.08.05 16:31

Bruttolohn = Nettolohn

+1. Rentenversicherung
+2. Krankenversicherung
+3. Arbeitslosenversicherung
+4. Pflegeversicherung
+5. Lohnsteuer
+6. ggf. Solidaritätszuschlag
+7. ggf. Kirchensteuer

Wobei sich in den ersten 4 Punkten Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Kosten teilen.

Man kann also die Formel aufstellen:

B = N + X

B= Bruttolohn
N= Nettolohn
X= Punkte 1-7

Wobei natürlich X teilweise von B abhängt!(z.B. bei der Lohnsteuer usw.)

also: B = N + X(B)

Jetzt kann sich jeder mal überlegen an welcher Schraube man drehen muss, damit mehr Nettolohn für einen heraus springt!

PS.: Ich glaub ich lern zu viel Mathe!

Posted by: Jens am 04.08.05 17:00

Brutto, netto… das scheint der Schreiber des Artikels wohl selbst nicht so ganz verstanden zu haben. Aus unternehmerischer Sicht setzt sich so ein Bruttolohn aus dem Nettolohn, den Steuern und den jeweiligen Anteilen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Sozialversicherung zusammen.

Werden Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung nun gesenkt, entsteht folgende Situation: der Arbeitgeber zahlt weniger Brutto, und der Arbeitnehmer erhält trotzdem mehr Netto. Insofern hat Frau Merkel vollkommen recht: indem durch die Erhöhung der Umsatzsteuer die Sozialabgaben verringert werden, sinkt der Bruttolohn, während der Nettolohn steigt. Gut, ne?

Posted by: luke am 08.08.05 04:26
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