27.07.05
Wahlstreet
Seit drei Tagen dürfen wieder Aktien an der Wahlstreet gehandelt, Parteien gekauft und verschachert werden, mit 5 Euro ist man dabei.
Das schöne an so einer liberalen Gesellschaftsordnung ist, dass man jeden Scheiss initiieren darf. Alles zum Wohle der Wahlprognositik natürlich. Was ein Unfug. Könnte ich mich stundenlang drüber aufregen.
Davon abgesehen: Dieses Mal gibt es gleich zwei voneinander unabhängig laufende Börsen. Oben verlinkte und diejenige der Financial Times. Der geneigte Spieler kann also - von Mehfachregistrierungen einmal abgesehen - immerhin mit einem Maximum von 100 Euro schachern gehen und mit ein bisschen Glück als Day-Trader richtig Geld machen.
Ein Projekt, da muss man sagen: Das fördert den demokratischen Geist. Ein Haufen Leute bildet sich wahlkampfpolitisch weiter, weil sie gerne wissen mögen, welche Aktie man kauft oder doch lieber abstößt. Aber was meckere ich. In Zeiten der “Politikverdrossenheit” muss man es würdigen, wenn jemand mit einem Marktmechanismus die Leute dazu bringt, sich mit Politik auseinanderzusetzen.
Den Höhepunkt liefert die Financial Times übrigens damit, dass sie allen Ernstes ihre Wahlbörsen-Berichterstattung in der Kategorie: “Finanzen: Marktberichte” ablegt.
Wenn ich dann einen Satz lesen muß (und es geht schlimmer weiter), wie…
Die Aktien der Sozialdemokraten haben sich freundlich präsentiert - einem enttäuschenden Umfrageergebnis zum Trotz. Weiter leicht im Aufwind bleiben die Papiere der FDP, obwohl sich die Partei Kritik der CDU ausgesetzt sieht.
…da könnte ich mich vor Schreck fast bei der Attac-Sommerakademie anmelden.
Verfasst von Michael am 27.07.05 22:40Käse entscheidet die Wahl, meint Tom_Palm und bietet allen, die bewußt ungültig wählen - z.b. den stimmzettel "verschönern" - im intern...
Weblog: bembelkandidat aus mainhatten am: 31.07.05 22:14