24.07.05
Jean Charles de Menezes
Ich konnt´s nicht glauben, aus einem nachrichtenfreien Wochenende nach Hause kommend, las ich über den im Titel genannten jungen Brasilianer, dem “mit zerstörerischer Wucht” 5 mal aus nächster Nähe in den Kopf geschossen wurde. Ohne Widerstand zu leisten, überwältigt und festgehalten von 3 Sicherheitskräften. Er war unschuldig und irrtümlich als einer der Attentäter der zweiten Londoner Anschläge verdächtigt worden. Diese Praxis der Eliminierung soll trotz des Irrtums auch beibehalten werden, um die Fahrgäste und Bürger vor Selbstmordattentätern zu schützen. Bleiben noch die Fragen: Wer schützt dann die Bürger vor solchen Killerkommandos?
Und: Wer soll die Verantwortung für solche Irrtümer übernehmen? Eine englische Kommentatorin meint, die Schuld solle bei den Terroristen gesucht werden. Da kann ich ihr nur zustimmen, vor allem bei Denen, die den täglichen Terror in die Straßen von Bagdad und anderen irakischen Städten gebracht haben: Bei Blair, Bush und Co. Noch mehr Meinungen dazu findet ihr bei BBC.
Bleibt für uns in Deutschland Lebende nur zu hoffen, dass Angie und Guido keine deutschen Jungs nach Teheran oder sonstwo in die arabische Wüste schicken und so ´ne Scheiße dann nicht bei uns beginnt. Aber bei den Ankündigungen seitens der CDU die transatlantische “Freundschaft” wieder zu beleben, ahn´ ich nix Gutes…
Verfasst von Gastblogger_Karol am 24.07.05 22:21Mach Dir da mal nicht so viele Sorgen. Die Angie und der Eddi sind sich doch recht einig, dass wir keine Soldaten in die arabische Welt schicken können, weil wir die künftig im Inland brauchen :-)
Und was die Hinrichtung angeht bin ich optimistisch, dass die Polizei jetzt zwar unglaublich laut bellt, aber sich in den nächsten Tagen ein Staatsanwalt findet, der sich der Angelegenheit annimmt… und dann werden weder Blair noch Bush noch El Kaida vor Gericht stehen.
…mit einem Willkommen an unsere neue Linke…
Posted by: michael am 25.07.05 14:50Der Leichnam des erschossenen Jean Charles de Menezes ist gestern aus London nach Brasilien überführt worden. Dies geschah, wie man der Tagesschau entnehmen konnte, im Frachtraum eines Linienflugs der brasilianischen Fluggesellschaft Varig nach Sao Paulo, von wo aus die Luftwaffe ihn in seine Heimatregion brachte.
Diese Tatsache setzt dem ganzen Skandal wirklich die Krone auf. Dass die Regierung Blair offensichtlich zu peinlich berührt war, dem Opfer ihrer Sicherheitspolitik eine angemessene Behandlung in Form einer Überführung durch eine britische Staatsmaschine zu verweigern, erinnert an die Weigerung von Präsident Bush, bei den Beisetzungen von im Irak gefallener Soldaten anwesend zu sein. Und dass die Regierung Lula dies nicht getan hat, spricht dafür, dass sie kein weiteres Porzellan mit Großbritannien zerschlagen will. Mein Hauptvorwurf richtet sich jedoch gegen Großbritannien, dass sich hier der Schuldige wie in der Kurzgeschichte von E.A. Poe vom verräterischen Herz seines längst toten Opfers angeklagt fühlt und alle Anstrengungen unternimmt, um es zu vor der Welt zu verstecken. Der Mord an Jean Charles de Menezes wäre ein Anlass zur Trauer und zum Hinterfragen der Anweisungen an die Polizei, nicht jedoch, derart peinlich berührt zu reagieren.