04.07.05

Tatort Bundestag: Schröder wird Kommissar

Noch freut sich manch linke Seele über den gestrigen Parteitagsbeschluss der WASG, der das gemeinsame Bündnis mit der PDS einen gewaltigen Schritt vorwärts bringt, da landen die Linken schon den nächsten Coup.

SODANN VORN. Der Leipziger Tatort-Kommissar „Ehrlicher“, der „kleine Mann aus dem Volk“, tritt als Spitzenkandidat der PDS in Sachsen an.

Der ehemalige Dissident, der als Parteiloser auf der offenen PDS-Liste kandidieren wird, wurde heute als neuerlicher Wahlkampf-Joker auf einer gemeinsamen PDS-Pressekonferenz mit Bisky und Lafontaine vorgestellt.

Auch das ist neu: Lafontaine in der PDS-Parteizentrale. Im Taumel der guten Umfrageergebnisse ließ sich Lafontaine, der nun wirklich alles dafür tun will, dass die Plattform für sein politisches Comeback auch bloß zustande kommt, sogar zu der Aussage hinreißen, er könne „jeden Satz des PDS-Programms unterschreiben“. Schön, so viel Offenbarung. Da macht dann gleich die zunehmend für das neue Bündnis kolportierte Abkürzung „PDSML“ (PDS mit Lafontaine) noch mehr Sinn.

„Die Linkspartei.“ soll das Ganze dann aber offiziell heissen, wenn auch noch des PDS-Wahlvolk auf dem Bundesparteitag am 17. Juli darüber abstimmen muss.
Noch kniffeliger dürfte sich allerdings die ebenfalls noch ausstehende Urabstimmung bei der WASG erweisen. Soll man auf der PDS-Liste kandidieren? Und soll es Verhandlungen zum Parteizusammenschluss geben? Ein gewaltiges Leckerli, das den Verzicht auf die eigene Kandidatur versüßt gibt es jedenfalls noch: Enorme Wahlkampfzuschüsse aus der PDS-Parteikasse. Aber ob das reicht, die allenthalben zerstrittenen Linken in ein gemeinsames Boot zu treiben steht zu erwarten.

Und noch ein hässlicher Schönheitsflecken bleibt auf dem ansonsten scheinbar makellosen, neosozialistischen Sommeranzug: Wäre da nicht diese unselige „Fremdarbeiter“ -Äußerung, nicht wahr Herr Lafontaine!

Und unser scharfzüngiger Tatort-Kommissar Peter Sodann, was wird mit ihm? Schon gibt es Gerangel im Kulturbetrieb, er müsse seine Bildschirmpräsenz bei der ARD einstellen.
Ich habe einen anderen Vorschlag zur Chancengleichheit: Ein großes Fernseh-Casting, das moderiert von Didda Bohlen unter Zuschauerbeteiligung die Besten aus der Riege der Erstplatzierten auf den Landeslisten ausswählt und sie zu Kommissaren in unterschiedlichen Milieus ausbildet. Wer wird der neue Schimanski? Ich tippe auf Schröder. Was ein Abgang!


Nachtrag: Aus dem Casting wird es wohl nichts. Offensichtlich vor die Wahl gestellt, entschied sich Sodann das Volk weiterhin eher als sein Publikum denn als seine Wählerschaft zu betrachten und den Beruf des Fernseh-Kommissars nicht aufzugeben. Zwar sprang ihm ausgerechnet Uschi Glas zur Seite, doch dürfte der Druck des MDRs gegen eine Doppelfunktion letztlich größer gewesen sein.
Politiker sind stets auch Schauspieler, kann ein Schauspieler aber nicht auch Politiker sein?
Parteinahme gab es im letzten Bundestagswahlkampf jedenfalls zu Hauf von Schauspielern für Politiker.

Verfasst von Stefan am 04.07.05 19:41
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Kommentare

Wäre da nicht diese unselige “Fremdarbeiter“ -Äußerung, nicht wahr Herr Lafontaine!

Da war er ehrlich. Das Programm durchzuziehen verlangt, dass die Grenzen in weit höherem Maße als heute geschlossen werden. Wenn man jemandem die logische Konsequenz seines Programmes vorwerfen will, muss man das Programm ablehnen.

Posted by: Oliver am 05.07.05 19:07

kritisches Signal wählen, Linkspartei statt neoliberale Allparteienkoalition.

Wer dem Staat die stärksten Einnahmequellen weg nimmt, braucht sich nicht über bankrotte Kommunen und verrottende Schulen zu beschweren.
Lasst euch nicht mehr mit den neoliberalen Phrasen und Lügen abspeisen!
Sie nennen ihre Ideologie „Wahrheit“, obwohl sie klar und deutlich der gesellschaftlichen Wirklichkeit widerspricht. Viele Vertrauen dieser neoliberalen Logik und glauben, was ihnen die Medien „aufbereiten“. Tagtäglich wird es uns eingetrichtert: dass Wachstum Arbeitsplätze (und mehr Wohlstand) schafft und dass für dieses Wachstum auch Lohnkürzungen und Sozialabbau (weniger Wohlstand) akzeptiert werden muss.
Nehmen sie sich die Zeit für kritische Fragen, nur 5 Minuten:
- Wozu brauchen die westlichen Industrienationen eigentlich noch Wachstum?
- Bräuchten das nicht viel eher die 3. Welt Länder?
- Wem nützt der viel gepriesene globale Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte wirklich? Sorgt er für mehr Wohlstand für alle, wie versprochen, oder gewinnt der Stärkere?
- Warum will die EU Lohndumping nicht bekämpfen, von wem werden die bezahlt?
- Heißt technischer Fortschritt nicht, dass wir weniger arbeiten müssen und trotzdem genug zu essen und zum wohl fühlen haben?
- Leben wir, um zu arbeiten, oder arbeiten wir, um zu leben?
(Arbeitsstress und Hektik oder Familie, Freunde, Hobbys)
- Warum verhungern und verdursten Menschen, obwohl wir in den Industriestaaten im Überfluss leben
Arbeitswahn und Wachstumsfetisch! Doch wo bleibt da der Mensch und sein Leben, sein Glück?
- Kann der Bedarf an Arbeitskräften steigen, wenn der technische Fortschritt dazu führt, dass immer weniger Menschen immer mehr produzieren? (Überflussgesellschaft, die Butterberge sind seit den 80er bekannt! – seitdem hat sich die Produktivität mehr als verdoppelt!)
Wir haben genug für die Bedürfnisse aller, aber zu wenig für die Gier Einzelner!
- Wie soll dann die Zahl der Arbeitslosen anders verringert werden, als durch radikale Arbeitszeitverkürzung? (Die Arbeit muss von denen, die ständig im Stress sind, auf die Arbeitslosen verteilt werden. Ein Ausgleich dieser Belastungen würde Millionen Menschen glücklicher machen und im Gesundheitssystem Milliardenbeträge einsparen. Denn die einen kriegen vom Stress Schlaganfälle und die anderen vom Nicht-gebraucht-werden Depressionen)
- Warum sollte eine Gesellschaft diejenigen vom Konsum der Produkte und Leistungen ausschließen, die nicht mehr für die Produktion benötigt werden? (Kann das gerecht sein, wenn einer im Überfluss, verhungern muss? Darf man das dulden?)
- Warum noch Armut, wenn doch alles lebenswichtige im Überfluss vorhanden ist?

Die Menschen müssen endlich ihre Stimme erhaben und die Schaltstellen der Macht (Bürgermeister, Stadträte, Parteien und Medien) unter Druck setzen, um eine Veränderung in Gang zu bringen. …doch dazu müssen wir als erstes uns selbst in Gang bringen. .

Posted by: Matthias Wild am 06.07.05 02:23

Einige aus der Sachsen-PDS sprechen nun sogar davon, dass der vom MDR auf Sodann ausgeübte Druck einem Berufsverbot gleich komme.
Mehr: http://wahlblog.de/eintrag.php?id=184

Posted by: Mr. Stringer am 08.07.05 19:02
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