13.06.05

Die Linke zerfällt, die Linke vereinigt sich

Das hat es wohl noch nie gegeben, dass ein amtierender deutscher Regierungschef höhere Löhne fordert. Doch dies fügt sich nahtlos ein, in das Bild einer in ihrer Macht verunsicherten, von Fliehkräften und Panik gebeutelten SPD.
Schon reden erste Spitzengenossen von Wahlniederlage. Und nach einer Woche des gepflegten Wahnsinns, in denen sich SPD'ler der ersten Riege beharrlich gegen das Bundespräsidialamt einschossen und Putsch-Gerüchte die Runde machten, sprechen bereits einige der alten Partner des sich in Auflösung befindenden rot-grünen-Projekts dem größeren Koalitionspartner offen die Regierungsfähigkeit ab.

Bitter muss es Franz Müntefering geschmeckt haben als er da zum Höhepunkt der „Berliner Chaos-Tage“ die Beschädigung seiner eigenen Autorität eingestand und in den tagesthemen freimütig erklärte: „Ich bin mitten im Getümmel, ich sitze nicht als Vorsitzender oben drüber.“ Eigentlich schon eine Sensation, solche Worte aus dem Munde des SPD-Vorsitzenden.

Und dann das: 18 % für Linksbündnis. Zumindest können sich so viele vorstellen, ein linkes Wahlbündnis zu wählen, wie das Politbarometer am Freitag pünktlich zur Bekanntgabe einer grundsätzlichen Einigung zwischen PDS und WASG herausfand. Tatsächlich scheint also Lafontaine seine Plattform zu finden, deren Aufbau er mit seinem Austritt aus der SPD initiierte. Noch muss das Parteivolk zustimmen, doch alles sieht nach einem gemeinsamen Auftritt von PDS und Wahlalternative auf dem Wahlzettel aus. Die Parteienfusion soll in zwei Jahren folgen.

Während also ein linker Traum von einem starken Linksbündnis mit den Volkstribunen Gysi und Lafontaine wahr zu werden verspricht, liegen auf der Regierungsbank, allen voran bei der SPD, die Nerven blank. Immerhin wird ein Wahlerfolg der Lafontaine-Gysi-Vereinigung wohl eine absolute Mehrheit der Schwarzen verhindern.
Eigentlich könnte also gleich - ohne lästigen Wahlkampf - die Macht von rot-grün an schwarz-gelb weitergegeben werden. Doch dies würde uns wohl um so manch interessantes Schaustück eines politischen Sommertheaters bringen, indem sich die Regierung schon jetzt als eigentliche, bessere Opposition gegen ein „System der sozialen Kälte“ zu gerieren versucht. Und auch dem bürgerlichen Lager wird hier sicher noch so einiges einfallen. Wetten?

Verfasst von Stefan am 13.06.05 13:10
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Kommentare

Auf die Linke kann man sich eben verlassen: drei Linke, drei Parteien. Das erinnert einen sehr an das erste Konzil von Nicäa, an die K-Gruppen der 70er Jahre, oder an die Parteienlandschaft Nepals.
Meine Frage an alle, die bei der Union oder der FDP schon mal mitgemacht haben: geht es da ähnlich chaotisch und prinzipienreitend zu?

Verweise:
http://www.heiligenlexikon.de/index.htm?Glossar/Konzile_von_Nicaea.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/K-Gruppen
http://www.broadleft.org/np.htm

Posted by: lambach am 15.06.05 21:03

Auf die Linke kann man sich eben verlassen: drei Linke, drei Parteien. Das erinnert einen sehr an das erste Konzil von Nicäa, an die K-Gruppen der 70er Jahre, oder an die Parteienlandschaft Nepals.
Meine Frage an alle, die bei der Union oder der FDP schon mal mitgemacht haben: geht es da ähnlich chaotisch und prinzipienreitend zu?

Verweise:
http://www.heiligenlexikon.de/index.htm?Glossar/Konzile_von_Nicaea.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/K-Gruppen
http://www.broadleft.org/np.htm

Posted by: lambach am 15.06.05 21:04
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