15.05.05

Jung, schwarz, sexy

bikini2.jpg Wie man links freudig erblicken kann, setzt die CDU, hier in Form der Jungen Union nicht nur auf den männlichen “Knackarsch” (in ihrem Werbespot, über den unlängst hier berichtet wurde). Die “Black is beautiful”-Kampagne der Jungen Union ist mithin schon löblich zu erwähnen. Über ihren Zweck informiert uns der “Leitfaden für die Arbeit mit 'Black is beautiful'” (PDF) in eingehender Art und Weise wie folgt:

Bislang fiel es der Jungen Union immer ein wenig schwer, eine unverwechselbare „Corporate Identity“ für den gesamten Verband zu schaffen. Sogar die Jusos, die sich ansonsten ja nicht unbedingt als Vorbild eignen, besitzen durch die geballte Sozialistenfaust, aus der eine Rose erwächst, seit langem ein Symbol mit großem Wiedererkennungseffekt. [..] Natürlich will niemand die Vielfalt der JU-Werbemaßnahmen und die Kreativität der Landesverbände beschneiden, doch angesichts der zahlreichen Wahlkämpfe braucht die JU Deutschlands dringend ein gemeinsames Markenzeichen, eine Corporate Identity, die zur Identifikation für alle JU-Mitglieder taugt und einen „eye catcher“ für Nichtmitglieder abgibt.

Und da hat man sich bei der JU gründlich ins Zeug gelegt. Neu ist die “Black is beautiful”- Kampagne natürlich nicht. Es gibt sie schon seit den frühen 70ern. Wie man aus dem Sonderheft des JU-Magazins “Entscheidung” zum Thema (PDF) erfahren kann, will es der Mythos, dass sie in einem Zwist zwischen dem damaligen JU-Bundesvorsitzenden Peter Helmes und weiteren Diskutanten unter stärkerem Alkoholeinfluß erfunden wurde. “Helmes, du Schwarzer!” wurde dieser angepöbelt, “Schwarz is doch doll” wurde entgegnet und der Satz dem “trendigen Zeitgeist huldigend” schnell ins Englische übersetzt. Das koinzidierte natürlich so schön mit der amerikanischen Antidiskriminierungsbewegung, der der Slogan letzlich entlehnt wurde.

Das erste “Black is beautiful”-Plakat, dass eine Frau abbildete, zeigte dann auch prompt eine junge schwarze Frau mit wirklich ganz eigentümlicher Windkanal-Frisur. Das Motto “jung und sexy” wurde so richtig erst in den 80ern umgesetzt. Hier fand man eine junge Frau auf dem Plakat…ich sag nur: Ausschnitt bis zum Bauchnabel. In den 90ern dann, war die Kampagne wohl ziemlich verschwunden und wurde 2005 mit einiger Dynamik zurück ins Leben gerufen. Ganz offenkundlich geht es heute wieder um Jung und Sex, aber eher in einer ästhetisch geprägten Form des Sexy-Seins. Auffällig ist, dass man heutzutage vielleicht den einen oder anderen sexy Mann, muskulös und ansprechend, erwartet hätte, von wegen Gleichberechtigung und Gender-Mainstreaming. So weit ist man bei der JU dann aber doch noch nicht. Man verlässt sich lieber darauf, die junge männliche Zielgruppe ins Auge zu nehmen. Die Black-is-beutiful-2005-Leitweibchen der JU sehen dann so aus:

Folder_Black_is_beautiful.jpg

Dem aktuellen Trend des Hochgeschlossenen folgend, mit einer Wirkung irgendwo zwischen Klassik und Lounge-Feeling. Das barocke Moment dieses Jahres vielleicht ein bisschen vernachlässigt. Aber sonst, sehr gelungen. Da ist das Merchandising, ganz oben zu sehen das Höschen des “Nur so lange der Vorrat reicht”-Bikinis, die schicke Beigabe.
Und was es nicht alles gibt. Die Wahlkampfgeschenk-Produktpalette natürlich rauf und runter. Black is beautiful Kondome, Luftballons, Schlüsselanhänger, Kugelschreiber, Buttons, Pins, Lollies und - quasi als besonderes Extra - das Rubbeltatoo. Zuzüglich versehen mit Mitgliedsanträgen, auf der uns obrige Bannerfrau entgegenlächelt. Aber auch Bleistifte, Bierdeckel. Noch wären wir aber nicht so richtig bei der Corporate Identity angelangt. Aber moment.

Will man seiner Freundin einen romantischen Abend bereiten, oder auch seinem Freund, dann sei einem eine Flasche Black-is-beautiful-Sekt empfohlen. Dazu kann man dann wahlweise die Herren- oder Damenuhr im passenden Geschenkpapier verschenken und am morgen danach mit der entsprechenden Kaffeetasse frühstücken. Es ist Sommerzeit. Genannter Bikini, Schwimmshort, Badetuch und Sonnenschirm dürfen nicht fehlen. Und um die Uniformierung noch etwas voranzutreiben gibt es Girlie-Shirts, Spaghetti-Träger Tops, Longsleeves für Männlein und Weiblein, V-Ausschnitt und Rundhals-T-Shirts.
Etwa acht Meter hoch und zwei Meter breit sind die Sonderausgaben des Black-Schriftzugs, es gibt Zelte und Tische zu erwerben, Nokia-Handys und meinen Liebling, den “Black is beautiful”-Nummernschilderhalter.
Eingekauft werden kann das meiste im JU-Shop oder was Tische und Zelte angeht auf der Black is beautiful-Homepage.

Und politisch? Na gut. Da schreibt man fleissig an Peer's geheimen Tagebuch, um den SPD-Ministerpräsidenten in unheimlichen Lichte darstehen zu lassen. Und zu jedem landespolitischen Thema findet sich eine übersichtliche Argumentationskarte, die JU-Mitgleidern beim Wahlkampf das richtige Wort in den Mund zu legen versteht.

Wie auch immer. Da muss man eines deutlich sagen, liebe Jusos. Ihr habt den besseren Blog, aber eure Corporate Identity mit der überkommenen ideologischen Sozialistenfaust mit Rose drin stinkt hinter der Jungen Union so richtig ab. Da hilft euch auch Eure Shockwave-Homepage nicht weiter, wo man stundenlang vergebens auf den in sympathieheischender Art und Weise eingebauten Bier-Kasten klickt ohne auch nur im geringsten über Eure Parties informiert zu werden. Und dass ausgerechnet das Notausgangs-Symbol zu Eurer eigentlichen Homepage zurück führt, setzt vielleicht auch nicht das richtige Zeichen. Jetzt wollte ich Euch nicht fehlbehandeln und habe deswegen noch rasch nach Euren Merchandising und Corporate Identity Artikeln geschaut. Na gut. Kaffeetasse habt ihr auch, Kondome auch, und Luftballons. Aber nicht mal Shirts, die anerkennen, dass Männlein und Weiblein gerne unterschiedliche Schnitte tragen. Nur die Fahne, die habt ihr der “Black-is-beautiful”-Bewegung voraus. Aber hey. Wer schwenkt heute noch Fahnen. Außer bei Attack-Treffen vielleicht.


Verfasst von Michael am 15.05.05 17:25
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Kommentare

Ja moment mal, würde sich mehr merchandise- Zeugs nicht irgendwann mit dem rustikalen Image des Sozialismus beißen?

Ich würde bei den Jusos eher die nicht vorhandene Präsentation einer 26-jährigen Klara bemängeln. ;-P

Posted by: MoMo am 16.05.05 12:00

Man könnte auch missverstehen: Schwarz ist echt am Arsch… (siehe Bild).

Posted by: Philip am 19.05.05 08:01
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