07.05.05
NRW auf dem Weg zum Drittwelt-Wahlkampf
Aus den “jungen” Demokratien kennt man das. Wahlumfragen als politisches Kampfmittel. Gesetzt wird dabei auf etwas, was man als den “Bandwagon-Effekt” bezeichnet, der knapp formuliert so funktioniert: Wähler wollen ihre Stimme nicht verschwenden. Wie auf der Pferderennbahn mag man gerne gewinnen. Deswegen wird man denjenigen Kandidaten oder die Partei wählen, von der anzunehmen ist, sie würde die Mehrheit der Stimmen erreichen. Und da kommen die Wahlumfragen ins Spiel. Ein guter Grund etwa für Kandidaten und Parteien, ihre eigenen Umfragen zweifelhaften “Wahrheitsgehalts” in Auftrag zu geben und möglichst umfassend in den Medien zu präsentieren. Auf den Philippinen etwa, um ein mir besonders geläufiges Beispiel zu nennen, dürfen deshalb seit letztem Jahr keine Wahlumfragen mehr abgedruckt werden, bei denen die Methode der Umfrage nicht hinreichend kenntlich gemacht wird. Ein nicht ganz unerheblicher Teil des Wahlkampfes, ein Herr Wichmann hat das schön untersucht, besteht dann daraus, Umfragen die zu den eigenen Ungunsten ausgehen zu diskreditieren und auf die Verlässlichkeit derjenigen, die einen vorne sehen, hinzuweisen. Und Umfragen natürlich immer: Titelseite.
Jetzt in Deutschland weiss jedes Kind: Forsa mehr so ein bisschen linkslastig, Infratest Dimap eher so ein bisschen CDU-freundlich, aber im grossen und ganzen: Statistikwesen gut ausgeprägt, alles beinahe glaubwürdig. War zumindest mal so. Hört jetzt auf.
Da wirft die CDU der Forsa Umfragenfälschung vor, um ebendiesen Bandwagon-Effekt zu Gunsten Steinbrücks auszulösen, und wie man beim Spiegel nachlesen kann: Forsa klagt.
Verfasst von Michael am 07.05.05 13:23