30.04.05
Das Küchenkabinett-Konjunkturbarometer
Wohin geht es mit der deutschen Wirtschaft? Jede Woche werden die Wachtumserwartungen korrigiert, zuletzt meist nach unten, die Arbeitslosenzahlen sind momentan eh wertlos und selbst die Fünf Weisen benahmen sich zuletzt eher wie die drei Stooges. Wohin geht es also?
Um es mit Clemenceau zu sagen: Ökonomie ist zu wichtig, um sie den Ökonomen zu überlassen. Daher haben wir uns entschlossen, all diesen pseudowissenschaftlichen Schätzungen unseren eigenen Ausblick entgegen zu setzen. Das Küchenkabinett präsentiert: das Küchenkabinett-Konjunkturbarometer!
Das KKKB errechnet sich folgendermaßen: jede Nachricht zur deutschen Konjunktur, die wir während einer Woche entdecken, wird als entweder positiv oder negativ eingestuft. Am Ende teilen wir die Zahl der positiven Nachrichten durch die Zahl aller Nachrichten und erhalten einen KKKB-Score zwischen 0 und 1. O entspricht einer vollkommen negativen Entwicklung, 1 einer vollkommen positiven. Bei 0,5 halten sich gute und schlechte Nachrichten die Waage.
Und nun, ohne weitere Verzögerung, das Küchenkabinett-Konjunkturbarometer für die Woche vom 25.4. bis 1.5.:
KKKB-Score: 0,33
Gute Nachrichten: 3
* Arbeitslosenzahl sinkt unter fünf Millionen, saisonbereinigte Arbeitslosenzahl sinkt ebenfalls.
* Job-Exporteure schaffen neue Stellen in Deutschland (Spiegel Online)
* Mehr Unternehmen wollen Jobs schaffen (Stepstone)
Schlechte Nachrichten: 6
* Ifo-Index fällt zum dritten Mal in Folge
* Institute senken Wachstumsprognose auf 0,7 Prozent
* Deutsche konsumieren weniger (GfK)
* Regierung senkt Wachtumsprognose auf 1,0 Prozent
* Deutsche Industrie weniger ausgelastet (Ifo)
* Stimmung zur wirtschaftlichen Situation verschlechtert sich (Stimmungsbarometer des Magazins Karriere)
Ich werde ich jetzt auch Wirtschaftsschätzer. Das ist ein guter Beruf. Am Anfang des Jahres macht man ein bisschen Mut. Dann, so im April, halbiert man die Zahlen und verbreitet ein bisschen Pessimismus. Und so im Oktober legt man dann auf die schlappen 0,7 noch mal 0,2 Prozent drauf. Und alle sagen: Seht ihr! Das Jahr war doch besser als erwartet.
Habe nur ich das in Erinnerung, oder machen die das jedes Jahr so mit dem Halbieren? Dann kann ich nächstes Jahr nämlich hingehen und gleich halbieren, dann bin ich der beste Schätzer von ganz Deutschland.
Posted by: michael am 03.05.05 10:16Ich erwarte dann aber auch noch bunte und möglichst sinnfreie Grafiken. Sonst wird das nie was mit dem breiten Publikum
Posted by: TH am 03.05.05 12:06Welche Quellen willst Du denn gebrauchen?
Posted by: michael am 03.05.05 14:39Die Quellenauswahl funktioniert nach strengen Gesetzen der Mediendemokratie: wenn ich es sehe/lese/höre, wird es berücksichtigt.
Posted by: lambach am 04.05.05 15:32Ich würde ja sonst ein Google-News Verfahren mit Schlägwörtern vorschlagen…Wie wird denn eine Sclagzeile wie “Kabinett beschließt Steuersenkung” gewertet?
Posted by: michal am 05.05.05 14:35Gar nicht. Stattdessen berücksichtige ich BSP-Entwicklung, Arbeitsmarktdaten, Auftragseingänge etc. Wirtschaftspolitische Maßnahmen lasse ich wegen ihrer unsicheren Effekte und ihrer geringen Halbwertszeit außen vor.
Posted by: lambach am 06.05.05 15:49