22.04.05
Linksruck
Wählerstimmen am linken Rand abgraben. Soso. Mit der Idee ist letzte Bundestagswahl auf der anderen Seite des Spektrums schon mal ein Kanzlerkandidat bitter gescheitert.
Lohnt sich das in NRW. Die kläglichen 3%, die W-ASG (neuer Newsletter: 5236 Mitglieder) und PDS vermutlich zusammen einfahren werden, können die SPD doch gar nicht retten.
Das hört sich schon etwas nach zentrifugalem Wettbewerb an, was Müntefering da zuletzt getrieben hat. Oder etwa nicht? Wie wärs mit der These: Da gehts gar nicht um den “linken Rand”. Da geht es um die neue Mitte. Wie schon mehrfach hier diskutiert: Dem Neoliberalismus geht vielleicht doch noch die Puste aus. Anständig kommentiert von Christian Semler in der TAZ. Vielleicht ist es aber doch nur der SPD letzter Schrei nach Liebe.
Korrekt heisst das: Vielleicht is es aber doch nur der SPD ihr letzter Schrei nach Liebe.
Verfasst von Michael am 22.04.05 10:43Da gehst du aber davon aus, dass jeder wählen geht. Von den rund 14.000.000 Wahlberechtigten in NRW taten dies bei der letzten Landtagswahl aber nur 7.400.000. Davon wählten 3.143.000 die SPD gegenüber 2.712.000 CDU-Wählern.
Bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr wählten rund 200.000 Personen mehr, die CDU erhielt landesweit 3.230.000, die SPD 2.357.000 Stimmen.
Das bedeutet, dass die SPD zwischen diesen beiden Wahlen rund 800.000 Stimmen verloren hat. Kommunal- und Landtagswahlen sind natürlich nur bedingt miteinander zu vergleichen, aber wenn die SPD diese Leute wieder zurückbekommt und dann vielleicht noch ein paar, die auch 2000 schon zuhause geblieben waren, dann gewinnt sie die Wahl, ohne dass die anderen Parteien einen einzigen Wähler verlieren.
Zwar hat das für Edi nicht funktioniert, für George W. dagegen umso besser. Und wie sagen die Amerikaner? Everybody loves a winner. Steigen also Umfragewerte für die SPD wieder an, dann kommen die ganz besonders Wankelmütigen Wetterfähnchen von allein zurück. Ich würde das also nicht von vornherein als sinnlos abschreiben. Und wenn es Wirkung zeigt, wird es mit Sicherheit Auswirkungen auf die Bundespolitik und die weitere Wahlkämpfe haben.
So würdest du also tendenziell die These teilen, dass es beim Linksruck eher um die Mitte der Wählerschaft geht. Nach der recht geglückten Fischer-Aussage gestern, erwarte ich schon freudig die nächste Umfragenwerte.
Posted by: michael am 26.04.05 11:50Wie undankbar ist das Wahlvolk: nach einer Umfrage vom 26. April ergibt sich quasi gar keine Änderung der Parteipräferenzen, die SPD verliert sogar einen Punkt und liegt damit 11 Punkte hinter der CDU…
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,353770,00.html